Landau
Keine Boosterimpfung für bettlägerigen Patienten: Lücke im System
Bettlägerige Patienten, deren Ärzte keine Hausbesuche durchführen, werden in der aktuellen Impfkampagne vergessen. Zu groß ist der Aufwand in Pflegeheimen und Arztpraxen, zu überlastet allerorts das Personal. Ist ein mobiles Impfteam die Lösung?
Im Frühjahr habe es der pflegebedürftige Lebensgefährte seiner Mutter noch mit Ach und Krach im Rollstuhl zu Impfterminen geschafft, berichtet der Stiefsohn. Inzwischen sei der 85-Jährige bettlägerig und werde zu Hause von seiner hochbetagten Partnerin gepflegt. Die nun anstehende Booster-Impfung stelle die Familie vor enorme Schwierigkeiten. Die übliche Lösung wäre eine Impfung per Hausbesuch, gäbe es da nicht ein winziges Problem. „Der zuständige Hausarzt führt überhaupt keine Impfungen durch“, erklärt der Stiefsohn.
„Überall Hilflosigkeit“
Anrufe beim Patientenservice, der Corona-Hotline und der Stadt Landau hätten ihn alle mit demselben Gefühl zurückgelassen: „Überall, wo ich nachgefragt habe, spürte ich die Hilflosigkeit.“ Keine der vorgeschlagenen Praxen führe Hausbesuche außerhalb des Patientenstammes durch, die terminliche Auslastung sei zu groß. „Die Praxen waren bis Januar, teilweise bis Ende Februar ausgebucht“, sagt er. Die Situation sei nicht mehr nachvollziehbar.
Albrecht Diehl, zweiter Vorsitzender der Kreisärzteschaft Landau-Südliche Weinstraße und Hausarzt in Ilbesheim, zeigt sich von dem geschilderten Fall überrascht. Es handele sich um eine schwierige, aber seltene Lage. Tatsächlich seien solche Patienten eine Lücke im System, sagt der Mediziner.
„Da geht nichts mehr“
Zum einen seien bettlägerige Patienten, die zu Hause gepflegt werden, die Ausnahme. „Dass gerade der Hausarzt dieses armen Mannes nicht impft, ist zudem großes Pech.“ Die Mehrheit der Kollegen im Umkreis impfe inzwischen, eigene Patienten in der Regel auch zu Hause. Die Terminpläne seien bis oben hin voll. „Wenn öffentlich bekannt wird, dass man als impfender Arzt praxisfremde Hausbesuche durchführt, kann man sein Telefon gleich aus dem Fenster schmeißen. Da geht nichts mehr“, erklärt Diehl die missliche Lage. Seiner Einschätzung nach bräuchte es „so etwas wie ein Einsatzkommando, das ausrückt, wenn nichts anderes geht“.
Aus Kreisen des Landauer Pflegestützpunktes heißt es, ein solches „Einsatzkommando“ habe es im ersten Impfzyklus gegeben. Eine Wiederaufnahme scheine aber nicht vorgesehen. „Wir bekommen aktuell täglich Anrufe von Pflegebedürftigen, die nur zu Hause geimpft werden können“, berichtet ein Mitarbeiter des Pflegestützpunktes. Die Betroffenen lebten oft ohnehin sehr zurückgezogen und gerieten schnell in Panik. Es brauche deshalb dringend ein mobiles Impfteam für Hausbesuche. „Ein Tag könnte vielleicht schon reichen, um die Betroffenen abzuklappern.“ Letztlich handele es sich um Einzelfälle, die man dennoch keinesfalls vergessen dürfe. „Wir brauchen eine Lösung vor Weihnachten, damit diese Menschen nicht allein und weinend zu Hause sitzen müssen“, heißt es.