Landau
150 Arbeitsplätze kommen nach Landau
Im erst wenige Jahre alten Gewerbepark Queichheim in Richtung Autobahn schließen sich schon die letzten Lücken. Mit einem zentralen Grundstück hat die Stadt jetzt einen dicken Fang gemacht: ein Werbe- und Medienunternehmen mit rund 150 Arbeitsplätzen.
Oberbürgermeister Thomas Hirsch (CDU) sprach im Stadtrat von einer bemerkenswerten Ansiedlung, vielleicht sogar einem Coup, der die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts hell erstrahlen lasse. Dafür hat der Stadtrat auch gerne einzelne Befreiungen vom Bebauungsplan beschlossen und beispielsweise ein zusätzliches Staffelgeschoss sowie ein längeres Gebäude zugelassen.
Mit 23 selbstständig gemacht
In Neustadt dürfte sich die Freude über diesen Coup dagegen eher in Grenzen halten, denn der Landauer Neuzugang ist eine Umsiedlung: Die PHS Medien Beteiligungen GmbH wirbt auf ihrer Homepage zwar mit einem Zeitraffer-Film mit Berliner Kulisse, doch im Kern geht es um die Neustadter Fortuna Medien Gruppe, die nicht von der Spree, wohl aber vom Speyerbach an die Queich umsiedeln wird. Das hat der PHS-Namensgeber Peter Hüftlein-Seeger der RHEINPFALZ bestätigt. „Aus der Fortuna Medien GmbH wird die PHS Group werden“, so Hüftlein-Seeger, der sich nach eigenen Angaben mit 23 Jahren bei der Fortuna Sportwerbung in Neustadt selbstständig gemacht und das Unternehmen mit aufgebaut hat.
Der kehrt mitsamt seiner Unternehmensgruppe sozusagen zu den Wurzeln zurück, denn Hüftlein-Seeger (54) ist in Landau geboren und aufgewachsen. Hier hat er beim ASV Leichtathletik gemacht und in Nußdorf Handball gespielt, und hier ist er mit der Sportplakette der Stadt ausgezeichnet worden – damals noch ohne Doppelnamen. Denn der Namensbestandteil Seeger stammt von seiner Ehefrau Jana Seeger, mit der zusammen Hüftlein-Seeger auch auf einem weiteren Geschäftsfeld tätig ist, das mit Werbung nichts zu tun hat, weit über die Pfalz hinaus bekannt ist und das auch künftig in Deidesheim bleiben soll: Die Rede ist von den Weingütern Reichsrat von Buhl, Bassermann-Jordan und von Winning sowie den Hotels und Restaurants Ketschauer Hof, Kaisergarten, L.A. Jordan und Sushi B.
Lob für die Verwaltung
Hüftlein-Seeger sagt, dass er schon lange nach einer Lösung für den Neustadter Firmensitz gesucht habe, der auf drei Standorte in der Stadt und im Gewerbegebiet Am Altenschemel (Nino-Druck, vom Umzug nicht betroffen) verteilt ist. Um Reibungsverluste abzubauen, habe er sich in der Region – bis nach Mannheim – nach einem Standort für einen Neubau umgesehen und sei am Ende in Landau fündig geworden, der Stadt, an der sein Herz hänge.
Konkret geht es um ein Grundstück, das die Element Fertigteile Speeter GmbH in Bornheim erworben hatte, um darauf einen Gewerbekomplex mit mehreren Einheiten zu errichten. Doch diese Pläne haben sich zerschlagen. Es liegt hinter dem geschwungenen Bürogebäude am Kreisel an der Autobahnanschlussstelle Landau-Zentrum und direkt an der Hauptachse des Gewerbegebietes, die künftig einmal direkt an diesen Kreisel angeschlossen werden soll. Hüftlein-Seeger sagt, die Absprachen mit Hirsch und Wirtschaftsförderer Martin Messemer hätten hervorragend funktioniert.
Was macht PHS?
Geplant ist ein L-förmiger Neubau mit drei Geschossen plus Staffelgeschoss (Penthouse) für die 140 bis 150 Verwaltungsmitarbeiter der Unternehmensgruppe. Produktion ist nicht geplant. PHS beschäftigt nach Angaben des geschäftsführenden Gesellschafters mehr als 1500 Menschen an 45 Niederlassungen und Verkaufsbüros in Deutschland, Österreich, Schweiz, Niederlanden, Frankreich, Belgien und Luxemburg und will nach Corona auch nach Dänemark und Italien expandieren. Hüftlein-Seeger gibt den Jahresumsatz mit über 100 Millionen Euro an und hofft, im Juni mit dem Bau beginnen und diesen im Juni 2022 beziehen zu können. Angaben zum Investitionsvolumen macht er nicht. PHS ist rund um das Thema Werbung tätig, außerdem im sogenannten Social Sponsoring. Das bedeutet, dass das Unternehmen sozialen Einrichtungen kostenlos Fahrzeuge zur Verfügung stellt, die über Werbung auf dem Auto finanziert werden.
Nach Einschätzung von Wirtschaftsförderer Martin Messemer passt PHS zu den bereits in Landau ansässigen Unternehmen aus dem Druck- und Verlagswesen und kann auch den Verlust der PVA-Druckerei in der Industriestraße kompensieren, die im vergangenen Jahr nach Braunschweig verlagert worden ist. Der Neubau werde eine „ansprechende Architektursprache“ haben.