Motorsport RHEINPFALZ Plus Artikel Wie der Hördter Michael Schloß seinen Traum im Rennsport weiterlebt

Daumen hoch: Valentin Folger dreht mal kurz im Stand auf.
Daumen hoch: Valentin Folger dreht mal kurz im Stand auf.

Ende des Monats steigt im spanischen Jerez de la Frontera eine Premiere: die FIM Intercontinental Games. Mittendrin ist ein Südpfälzer, dessen Schützling er wie einen Ersatzsohn sieht. Und mit dem er seinen Traum weiterlebt.

Michael Schloß lebt für quietschende Reifen, kreischende Motoren und halsbrecherische Geschwindigkeiten. In Hördt betreibt er seinen MS-Motorshop – gleichzeitig eine Werkstatt und ein Rennstall. In jüngeren Jahren ist er selbst auf hohem Niveau Motorradrennen gefahren, wollte Weltmeister werden. Das Leben kam dazwischen. Mit Valentin Folger lebt Schloß jetzt seinen Traum weiter.

Der 23-jährige Bayer entspringt einer Rennfahrerfamilie. 2020 sprach ein Bekannter Schloß auf das Talent an. „Er sagte: Ich hab’ da einen jungen, begnadeten Fahrer. Der braucht nur ein bisschen Unterstützung, um richtig abzugehen“, erinnert sich der Hördter.

Reifendruck, Fahrwerk, Federung, Gabel

Schloß’ Aufgabe als Mechaniker ist es, die Maschine vor den Rennen richtig einzustellen. Der richtige Reifendruck für die richtige Streckentemperatur, Fahrwerk, Federung und Gabel – das macht im Rennsport eine Menge aus. Schloß: „Ich habe zum ersten Mal an Valentins Motorrad rumgeschraubt, noch bevor wir uns getroffen haben – er hat gleich zehn Plätze besser abgeschnitten. In der Coronazeit hatten wir dann nur übers Internet Kontakt und waren trotzdem sofort Freunde.“

Die Verbindung zu seinem Schützling kann Schloß gar nicht eng genug beschreiben: Seelenverwandtschaft, blindes Vertrauen, wie ein Ersatzsohn. Wobei anzumerken ist, dass der leibliche Vater des Rennfahrers, Alexander Folger, ebenfalls im Team ist. Abgerundet wird der Rennstall von „Motorenpapst“ Dieter Briese.

Motorrad gewechselt

Sein erstes Rennen mit MS-Motorshop fuhr Folger mit einer Kawasaki in der 300-ccm-Klasse an. Der gewünschte Erfolg stellte sich zunächst noch nicht ein. Das änderte sich, als der Jungspund auf eine Yamaha mit 700 ccm wechselte. „Nach der ersten Fahrt kam er strahlend zu uns und sagte: Männer, das ist mein Motorrad. Dieses Jahr gewinnen wir alles!“, erzählt Schloß von dem Schlüsselmoment.

Das Team tritt seitdem bei den deutschen und den Europameisterschaften im Yamaha-R7-Cup an. Hier treten alle mit baugleichen 700-ccm- Maschinen an. An den Motoren darf nicht groß rumgedoktert werden – der Bessere soll gewinnen. Alternativ gibt es die Superbike-Klasse, wo die Mechaniker weit mehr Freiheit haben, um das Letzte aus den Maschinen herauszukitzeln. Für Schloß hat beides seinen Reiz, es ist aber letztlich eine Kostenfrage: Eine R7-Saison kostet das Team rund 30.000 Euro, mit dem Superbike ist es mehr als das Dreifache.

Topfahrer Valentin Folger

Geld verdienen kann man in Deutschland auch als Topfahrer nicht. Und als Topfahrer darf man Valentin Folger inzwischen bezeichnen. 2023 und 2024 holte er auf der IDM (Internationalem Deutschem Meisterschaft) um den Yamaha-R7-Cup den ersten Platz. 2023 sicherte er sich in Spanien den Europameistertitel, in diesem Jahr war er Zweiter. Als er vom ersten EM-Titel auf der Rennstrecke Aragon erzählt, schüttelt Schloß grinsend den Kopf.

Es ist vielleicht die verrückteste Geschichte, die er im Rennsport erlebt hat. Das Rennen wird an zwei Tagen gefahren. Wer die meisten Gesamtpunkte sammelt, kommt aufs Podest. „Am ersten Tag kam Valentin als Zweiter über die Ziellinie, ging vom Gas und jubelte. Das Problem war, das noch eine Runde zu fahren war. Wir sind gestorben in der Boxengasse!“ Folger fiel auf den neunten Platz zurück und musste seinen Fehler in kürzester Zeit wieder wettmachen. In einem Fotofinish schaffte er es noch auf Platz drei. Aber es sollte noch wilder kommen: Erst nach dem Rennen wurde dem Team klar, dass der Zweitplatzierte nachträglich disqualifiziert wurde – so hatte Folgers Fehler letztlich keine Auswirkungen. Und besser noch: Im Rennen am nächsten Tag raste er in der letzten Runde vom vierten auf den ersten Platz und krallte sich den Titel.

„Wir hatten das schnellste Motorrad, den Rundenrekord gebrochen und waren Europameister. Besser wird’s nicht“, schwärmt der Mechaniker heute noch.

Chance auf noch mehr Ruhm

Wieder in Spanien haben Folger, Schloß und ihr Team nun die Chance auf noch mehr Ruhm. Der Weltverband FIM (Fédération Internationale de Motocyclisme) richtet vom 29. November bis 1. Dezember zum ersten Mal die Intercontinental Games aus. Das Konzept: Aus jedem Kontinent werden pro Kategorie vier Fahrer ins Rennen geschickt. Mindestens je ein Platz ist für Fahrerinnen reserviert. Insgesamt 48 Fahrer werden auf dem Circuito de Jerez antreten. Ausrüstung, Reifen, und Maschinen sind für alle Fahrer gleich und werden vom Weltverband gestellt. Der Verband entschied auch unilateral, wer zu dem Turnier eingeladen wird. Eine schöne Würdigung für Folger und MS-Motorshop, die es nicht abwarten können, sich mit dem Rest der Welt zu messen.

Michael Schloß (rechts) freut sich mit Valentin Folger.
Michael Schloß (rechts) freut sich mit Valentin Folger.
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