Voltigieren RHEINPFALZ Plus Artikel Wenn die Träume eines kleinen Voltigiermädchens wahr werden

Die Voltigierkarriere von Hannah Steverding endet Anfang September. Am Wochenende startet sie zum letzten Mal daheim in Herxheim
Die Voltigierkarriere von Hannah Steverding endet Anfang September. Am Wochenende startet sie zum letzten Mal daheim in Herxheim.

Hannah Steverding ist auf Abschiedstour, sie beendet ihre große Voltigierkarriere. Die Rheinland-Pfalz-Meisterschaft am Wochenende in Herxheim ist ihr letztes Heimturnier.

Noch drei Turniere, dann endet die große Voltigierkarriere von Hannah Steverding. Die 26-jährige Herxheimerin wird zusammen mit ihrem Pferd Royal Flash in den Ruhestand treten. An diesem Wochenende turnt sie bei den Rheinland-Pfalz-Meisterschaften in Herxheim zum letzten Mal vor ihrem Heimpublikum. Die deutsche Meisterschaft vom 8. bis 10. August auf der Olympia-Reitanlage in München und die Pfalzmeisterschaft am 6. und 7. September in Zeiskam folgen. Dann ist Schluss.

„Es war nach der letzten Saison relativ klar, dass ich meine Karriere beende“, erzählt Steverding. Und doch war es ein schwerer Schritt, dem Kölner Team Norka und dessen Trainer Torben Jacobs zu verkünden, dass sie künftig nicht mehr dazugehören wird. „Ich habe es mir lange überlegt und es sind auch ein paar Tränen geflossen, aber es ist die richtige Entscheidung“, sagt sie. Steverding hatte mit dem Team ihren Karrierehöhepunkt im Sommer 2024 mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft in Bern erreicht. 2023 holte sie mit dem Team Norka Gold bei der Europameisterschaft. Dazu kamen zwei deutsche Meistertitel, zwei Team-Siege und ein Nationenpreiserfolg in Aachen. Mehr kann man als Mannschaftsvoltigiererin nicht erreichen.

Masterabschluss als Ziel 2026

Für Steverding rücken jetzt andere Dinge in den Blickpunkt. Im Frühjahr hat sie ihr Bachelor-Studium in den Fächern Sportwissenschaft und Soziologie abgeschlossen, sie strebt den Masterabschluss an. „Torben will langfristig planen, das ist mit Blickrichtung auf die Weltmeisterschaft 2026 in Aachen“, erzählt sie, „2026 möchte ich meinen Master machen. Das passt dann mit der Fahrerei nicht.“ Und so fiel die Entscheidung, sich aus dem Team zu verabschieden.

Gedanklich hatte Steverding sich im Winter schon vom Voltigieren verabschiedet, wollte auf ihrem Pferd Royal Flash „nur noch ein bisschen spaßmäßig“ voltigieren. „Flash war dann so fit über Winter, dass ich doch noch entschieden habe, dieses Jahr zu starten“, erklärt sie die Kehrtwende. „Es ist die letzte Saison für mich. Wenn Flash aus dem Sport geht, gehe ich auch“, fügt Steverding an. Ihr Pferd hat sie durch ihre Senioren-Karriere getragen, seit 2018 ist er ihr verlässlicher Partner. Jetzt, im Alter von 19 Jahren, dreht der Fuchswallach seine letzten Runden im Turnierzirkel.

Kleines Team, großer Erfolg

Steverdings erfolgreiche Karriere basiert auf harter Arbeit, Fleiß und hoher Motivation. Das kleine Team mit Longenführerin Sophie Kuhn, Steverdings Mutter Eva als Pferdemanagerin und ihrem Vater Mike, der in Fitnessdingen mit Rat und Tat zur Seite stand, hat aus kleinen Möglichkeiten Großes gemacht. Ihren Aufstieg in die Weltklasse hat sie mit eigenen Pferden erreicht. Zuerst Hannelore, dann Royal Flash. Der Plan, mit Danzarino ein Pferd als Nachfolger für Royal Flash aufzubauen, ging leider nicht auf. Steverding hat als Einzel- und Mannschaftsvoltigiererin im Junioren- und Seniorenbereich Medaillen bei internationalen Championaten gewonnen, das gelingt nur ganz wenigen Voltigierern.

„Die letzten zwei Jahre mit dem Team waren eine megaschöne Erfahrung“, sagt sie im Rückblick. Dort war sie eine wichtige Stütze, dort konnte sie sich fallenlassen. Im Einzel hatte ihr ihr Kopf immer wieder einen Streich gespielt, weil sie sich zu stark unter Druck gesetzt hatte. „Mir hat die Konstanz gefehlt. Vielleicht wäre dann mehr drin gewesen“, grübelt sie. Drei Umläufe auf gleich hohem Niveau gelangen ihr zu selten. Wenn, dann war das wie bei den deutschen Meisterschaften 2019 in Alsfeld aber eindrucksvoll. Da gewann sie Bronze in ihrem zweiten Seniorenjahr. Es war der emotionalste Tag für das Team Steverding. Das Kürthema von damals, Sophie Scholl, zeigt sie jetzt noch einmal. Platz zwei im Weltcup in Leipzig Anfang 2020 zeigte danach auf, wohin die Reise gehen könnte. Dann kam Corona. „Das hat mich rausgebracht“, räumt Steverding ein. „Vielleicht wäre es ohne Corona einfacher gewesen“, fügt sie an.

Drei Umläufe vor Heimpublikum

An diesem Wochenende daheim in Herxheim möchte die Titelverteidigerin bei den Rheinland-Pfalz-Meisterschaften „Spaß haben und das Heimturnier genießen“. Drei Umläufe wird sie mit Royal Flash zeigen. Am Samstag ab 17.15 Uhr stehen Pflicht und Kür auf dem Programm. Am Sonntag ab 14.25 Uhr entscheidet sich im Technikprogramm, wer bei der Siegerehrung die Meisterschärpe erhält.

Ob es danach emotional wird, vermag die 26-Jährige nicht einzuschätzen. „Vielleicht wird es am Sonntag so sein“, sagt sie. Womöglich kommen dann Erinnerungen an ihre große Karriere hoch. Hannah Steverding ist stolz auf „den ganzen Weg“, den sie in ihrem Sport hinter sich gebracht hat. Sie tritt als Welt- und Europameisterin ab, als Mitglied des Championatskaders. Mehr geht in diesem Sport nicht. Deshalb kann sie zufrieden diesen schönen Satz sagen: „Ich war als Voltigiererin überall da, wo ich es mir als kleines Voltigiermädchen erträumt habe.“

Information

Die Rheinland-Pfalz-Meisterschaft beginnt am Samstag im RRV Herxheim um 9 Uhr mit den E-Gruppen. Der Turniersonntag startet um 9.30 Uhr mit den Fördereinzelvoltigierern.

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