fangespräche
Stindl, Castro und andere Baustellen
Herr Fuß, Herr Meyer. Sie leben in der Südpfalz, das ist FCK-Region. Vielleicht käme auch der Karlsruher SC in Betracht. Sie aber haben ganz andere Lieblingsvereine. Wieso?
Markus Fuß: Mein fünf Jahre älterer Bruder Frank ist ebenfalls glühender Anhänger der Fohlen und hat mir als kleiner Junge ein Trikot geschenkt. Seitdem bin ich Gladbacher und war schon auf dem alten Bökelberg. Mit meiner Familie war ich schon oft im Borussia-Park. Das Gen hat sich auf meinen Sohn Felix übertragen.
Christoph Meyer: Mein Vater Markus ist eigentlich für Bayern München. Er hat mich mal nach Stuttgart mitgenommen, als ich sechs war. Ich war sofort von der Atmosphäre begeistert und fahre seit Jahren fünf- oder sechsmal pro Saison zu einem Heimspiel.
Den Mannschaften geht es mies. Wie waren die Erwartungen vor der Saison?
Fuß (Gladbach): Ich hatte gemischte Gefühle. Nach der Bekanntgabe des Wechsels von Trainer Rose ging es bergab, und wir haben den internationalen Wettbewerb verspielt. Dann haben wir für Adi Hütter eine Ablöse von 7,5 Millionen Euro bezahlt. Dafür hatte ich überhaupt kein Verständnis. Zudem hätte ich mir einen emotionaleren Typen gewünscht, so einen wie Steffen Baumgart.
Meyer (Stuttgart): Insgeheim habe ich von der Europa League geträumt. Doch ich habe nicht verstanden, warum Kapitän Gonzalo Castro keinen Vertrag mehr erhalten hat. Er war ein absoluter Führungsspieler, der viel zum Erfolg der letzten Jahre beigetragen hatte. Dennoch sah ich die Mannschaft gut aufgestellt.
Warum läuft es nicht?
Meyer (Stuttgart): Bei uns zieht sich das Verletzungspech wie ein roter Faden durch die ganze Spielzeit. Sasa Kalajdzic erlitt eine Schulterluxation. Nun ist für Silas wegen der gleichen Verletzung die Saison gelaufen. Dazu kam fehlendes Matchglück. In den letzten beiden Partien gegen Bochum und Hoffenheim haben wir ganz spät die Punkte verloren. Unsere Mannschaft ist insgesamt viel zu jung.
Fuß (Gladbach): Seit Mitte Januar ist mit Lars Stindl der absolute Leitwolf verletzt. Wir haben 48 Gegentore bekommen, hinten muss wieder dringend die Null stehen. Ich würde endlich von Dreier- auf Viererkette umstellen. Dann hat Hütter im ersten Spiel nach der Winterpause Manuel Friedrich gebracht und Matthias Ginter auf die Bank gesetzt. Dann hat er ihn wieder gebracht, das ist Wischi-Waschi-Taktik. Und vorne fehlt uns der Killerinstinkt.
Beide Vereine halten am Trainer fest ...
Fuß (Gladbach): ... eigentlich bin ich dafür, einen Trainer langfristig arbeiten zu lassen. Doch in Stuttgart ist ein Sieg Pflicht. Bei einer Niederlage muss man über eine Entlassung nachdenken. Denn dann folgen ganz wichtige Spiele. Gegen Hertha, Bochum und Mainz geht es gegen Tabellennachbarn. Da müssen die Spieler nochmals gepusht werden.
Meyer (Stuttgart): Das sehe ich für den VfB anders. Wir hatten genug Fluktuation in der Vergangenheit. Pellegrino Matarazzo macht einen tollen Job, hat uns in die Bundesliga zurückgeführt. Ich finde, wir sollten auch im Falle eines Abstiegs an ihm festhalten.
Wie reagiert die Kurve?
Meyer (Stuttgart): Die Spieler haben zuletzt in Hoffenheim für 40.000 Euro den Fans die Differenz von Steh- und Sitzplätzen erstattet. Das kam gut an. Der Gästeblock ist ausverkauft, das Verhältnis zwischen Fans und Mannschaft ist intakt. Ich denke auch, dass ein Platzsturm wie jüngst in Saarbrücken sehr unwahrscheinlich ist.
Fuß (Gladbach): Wären in der letzten Saison Zuschauer erlaubt gewesen, hätte Rose nach seinem gebrochenen Versprechen das Rundenende nicht erlebt. Die Mannschaft wird permanent unterstützt, auch bei Rückständen. Das hat man am letzten Samstag gegen Wolfsburg gesehen. Es gibt auch nach Niederlagen keine Beleidigungen. Eine Jagd auf Spieler wie bei Schalke 04 halte ich für ausgeschlossen.
Was halten Sie von den Führungsetagen?
Fuß (Gladbach): Ich finde es toll, dass Roland Virkus die Nachfolge von Max Eberl als Sportdirektor angetreten hat. Er ist seit über 30 Jahren im Verein, identifiziert sich total mit der Borussia. Virkus geht sehr sachlich vor und verliert auch in kritischen Situationen nicht die Nerven.
Meyer (Stuttgart): Alexander Wehrle will ja schon im April als Nachfolger des Vorstandsvorsitzenden Thomas Hitzlsperger kommen. Er hat ja seine berufliche Karriere beim VfB als Referent des Vorstands begonnen. Er hat Stallgeruch, sonst kann ich wenig über ihn sagen.
Warum steigen beide Teams nicht ab?
Fuß (Gladbach): Dafür ist einfach der Kader zu stark besetzt. Zudem haben wir vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Wir brauchen noch zehn bis zwölf Punkte, die holen wir noch. Am Samstag fangen wir damit an.
Meyer (Stuttgart): Der Verein gehört einfach in die Bundesliga. Die Spieler sind ehrgeizig genug, sie wissen, um was es geht. Dennoch könnte am Ende das Erreichen des Relegationsplatzes schon ein Erfolg sein.
Ihr Tipp für Samstag?
Fuß (Gladbach): Wir haben einfach die bessere Mannschaft und reisen mit breiter Brust und viel Selbstvertrauen an. Wir haben von den letzten vier Spielen nur eins verloren. Der letzte Sieg in Stuttgart war 2015, diese Serie wird nun reißen. Wir gewinnen 3:1.
Meyer (Stuttgart): Der VfB gewinnt 2:0. Es dürfen wieder 25.000 Zuschauer ins Stadion, die zusätzliche Unterstützung wird den Jungs helfen. Es ist vielleicht das wichtigste Spiel der Saison, die Mannschaft wird ein Zeichen setzen. Wir haben ja zuletzt nicht schlecht gespielt. Wir stoßen den Bock am Samstag um.
Die Personen
Markus Fuß (51) und Christoph Meyer (26) haben große Ziele: Fuß will am 25. März Präsident der SpVgg Rohrbach werden, Meyer will als Abwehrchef mit der SG Freckenfeld/Winden II die Meisterschaft in der D-Klasse Ost Ost erringen. Ihre Herzensvereine haben ihre Saisonziele in der Bundesliga weit verfehlt, sie stehen im Abstiegskampf. Am Samstag treffen sie in Stuttgart aufeinander.