Motorsport
Statt 300 Kilometer pro Stunde, nur mit 30: Pfälzer Rennfahrer radelt nach Le Mans
Ob man Lukas Hein mit dem Ausdruck „positiv verrückt“ gerecht wird? Das, was der 34-Jährige gerade macht, klingt zumindest danach – und für viele Menschen eher nach Plackerei: Hein strampelt seit Donnerstag von der Südpfalz 700 Kilometer bis nach Frankreich. Ziel ist am Sonntag das Motorsport-Mekka Le Mans. Dort findet das weltberühmte 24-Stunden-Rennen statt. Die Idee, dass er im Sattel sitzt, die kam ihm spontan. Denn der Unternehmer ist eigentlich Motorsportler, kein Radfahrer.
Es ist das Frühjahr 2025: Hein sitzt hinter dem Lenkrad eines LMP3-Boliden des nordrhein-westfälischen Rennstalls Konrad Motorsport. LMP3-Autos, das sind die futuristisch-anmutenden Prototypen-Sportwagen, die als Einstiegsklasse für Langstreckenrennen gelten. Die Fahrzeuge fahren in einer eigenen Rennserie, die auch im Rahmenprogramm des 24-Stunden-Rennens startet.
Hein spulte damals Testkilometer im portugiesischen Portimao ab. Das Ziel für den Besitzer der internationalen C-Rennlizenz ist klar: ein Cockpit für den Le Mans Cup 2026. „Seit meiner Kindheit dreht sich mein Leben um den Motorsport“, sagt Hein. Die Rennstrecke in Frankreich zieht ihn magisch an. „Mit meinem Papa habe ich die Rennen schon als Kind verfolgt. Le Mans ist der Traum von allen Rennfahrern. Das ist Prestige, das übertrifft die Formel 1“, erklärt er.
Cockpit kostet pro Saison etwa 300.000 Euro
Doch im Frühjahr 2026 ist klar: Die Rennserie findet ohne Hein statt. Ein Cockpit ist vorerst nicht realisierbar. Hintergrund sind die immensen Kosten, die anfallen. Bis zu 300.000 Euro müssen Fahrer hinlegen, um in der Le-Mans-Cup-Rennserie aufs Gaspedal zu drücken. Die Finanz-Frage ist für viele Fahrer, die keinen Werksvertrag mit einem großen Hersteller haben, ein Problem.
Doch den Traum, den 24-Stunden-Klassiker zumindest als Fan zu verfolgen, den wollte der Minfelder nicht aufgeben. „Ich habe mich gefragt, wie mein eigener Weg nach Le Mans aussehen könnte“, erklärt er seinen Gedankengang, einfach die 700 Kilometer zur Rennstrecke in Frankreich zu radeln. Erst wenige Stunden vor der Abfahrt meldet er sich bei der RHEINPFALZ. „Ich bin schon spontan“, beantwortet er witzelnd die Frage, ob er sich nicht hätte eher melden können. „Ich bin kein Radsportler“, sagt Hein über sich, wenn er als Motorsportler auch eine gewisse Fitness mit bringt.
Zu spät los, aber mit guter Laune
Am Freitagvormittag geht der gut gelaunte Hein dann irgendwo im lothringischen Nirgendwo ans Telefon, gut gelaunt trotz eines Tagesziels von mehr als 200 Kilometern. Die sind auch konstant notwendig, wenn er bis zum Rennende am Sonntagnachmittag Le Mans erreichen will: „Aktuell läuft es, fühlt sich gut an.“ Am Donnerstag kam der Familienvater erst zu spät los, wie er selbst zugibt. Packen, etwas Abschiedsschmerz, davor Büroarbeit. „Meine Frau hat schon gesagt, das ist etwas anders, als wenn ich auf ein Autorennen fahre“, gibt er zu. In Frankreich wurde er im Hotel am Morgen angesprochen, ob er denn kein Begleitfahrzeug habe. „Nein, ich will das alleine schaffen“, bleibt er selbstbewusst – ohne sich zu viel Stress zu machen, ob er rechtzeitig an der Rennstrecke ankommt: „Ich versuche es, ich weiß es aber natürlich nicht.“
Hein ist ein positiver Mensch. Für ihn geht es laut eigener Aussage eher um die Bereitschaft, einen Traum zu verfolgen, allen Unsicherheiten zum Trotz. Mit der Aktion will der Rennfahrer auch Aufmerksamkeit schaffen, möglicherweise neue Sponsoren finden. „Was bei Rennfahrern oft verborgen bleibt, sind die Rückschläge, die harte Arbeit und die vielen Herausforderungen auf dem Weg dorthin.“ Hein war in verschiedenen GT-Serien in Deutschland aktiv. Auf der Rennstrecke ist er aber nicht nur als Fahrer unterwegs, sondern gibt auch Coachings und Fahrsicherheitstrainings. Dazu bietet er mit seinem Unternehmen im Bereich Motorsport Kooperationen an, schafft Netzwerke oder organisiert Events für Kunden.
Für 2026 will der ehrgeizige 34-Jährige zumindest noch in ein bis zwei Prototypen-Rennen fahren, im Le Mans Cup oder einer vergleichbaren Serie in Deutschland. Irgendwann soll es klappen mit den LMP-Autos, möglicherweise auch in der stärkeren Klasse der LMP2. Die Prototypen-Renner lassen ihn nicht los. „Die Fliehkräfte, das ist atemberaubend“, erinnert er sich an seine Testrunden und schwingt sich dann wieder auf in den Sattel. Statt mit 300 Kilometern pro Stunde, eher „nur“ mit 30. Das Ziel Le Mans dabei immer vor Augen.