Lokalsport Südpfalz Silvester im Krankenhaus

Noch ist für Patrick Zwicker „Home Office“ angesagt. Was er benötigt, findet er auf dem Schreibtisch.
Noch ist für Patrick Zwicker »Home Office« angesagt. Was er benötigt, findet er auf dem Schreibtisch.

«OFFENBACH.»„Es war schon das Schlimmste, das mir je passiert ist“, sagt Patrick Zwicker. Sein Bein ist dick eingepackt, noch darf er es nicht zu sehr bewegen. Mit Krücken humpelt der 23-Jährige durch die elterliche Wohnung in Offenbach, legt das Bein beim Sitzen auf einen zweiten Stuhl. Leistungssportler sind hart im Nehmen, geben alles für ihre Leidenschaft. Zwicker, im Jahr 2013 feierte er mit dem U20-Europameistertitel über 800 m seinen größten Erfolg, hat die Laufschuhe an den Nagel gehängt. Zum Verhängnis wurden ihm am 30. Dezember die Skier. Zwicker ist kein schlechter Skifahrer. Bevor er sich voll auf die Leichtathletik konzentrierte, war er oft im Skiurlaub. „Es war eine ganz banale Bremsung“, erzählt er. Den linken Fuß stellt er nach vorne, die Skier parallel zur Fahrtrichtung. Plötzlich öffnet sich die Bindung, der Ski stellt sich auf und schneidet in Zwickers rechten Oberschenkel ein paar Zentimeter oberhalb der Kniescheibe. Zum Glück war Zwicker mit Freunden unterwegs und befand sich nicht abseits der Strecke. „Ich habe über 1,5 Liter Blut verloren“, berichtet der Offenbacher. Mit einem Schal wurde das Bein provisorisch abgebunden, umgehend riefen seine Begleiter bei der Bergrettung an. Zwickers größtes Glück im größten Unglück: Ein HNO-Arzt aus Stuttgart und dessen Frau waren zufällig in der Nähe. „Mit ihnen stehe ich heute noch in Kontakt“, sagt Zwicker. Der Arzt erkannte sofort den Ernst der Lage und band das Bein mit einem Gürtel ab. „Man kann schon sagen, dass das lebensbedrohlich war“, sagt Zwicker. Der Rettungshubschrauber konnte aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse nicht landen. Es dauerte. Mit dem Rettungswagen ging es sofort in den OP. Drei der vier Hauptmuskelgruppen im Oberschenkel waren durchtrennt, eine Vene hatte es auch erwischt. Als Sportler hatte er nie mit Muskelproblemen zu kämpfen. „Die Faszien hat der Arzt gut nähen können, aber die Muskelgruppen wachsen nicht wieder zusammen“, sagt Zwicker. Bei seinem Physio des Vertrauens im Rehamed Gesundheitspark in Herxheim arbeitet er an seiner Beweglichkeit. An Leistungssport sei jetzt ohnehin nicht mehr zu denken. „Damit kann ich einigermaßen gut umgehen. Was mich ärgert, ist, dass ich so aus dem Frankfurter Leben rausgerissen wurde. Aber das läuft mir ja nicht weg“, sagt Zwicker, der am Main seine neue Heimat gefunden hat. Als Account Executive arbeitet er beim Vermögensverwalter Grüner Fisher Investments in Frankfurt. Zwicker betreut Interessenten und macht im Idealfall Kunden aus ihnen. Dafür muss er einen guten Überblick auf den Kapitalmarkt haben. Kaum hat er sich im Berufsalltag eingelebt, muss er jetzt das Büro gegen die eigenen vier Wände tauschen. „Da bin ich definitiv lieber im Büro“, sagt er, „da ist man nicht die ganze Zeit alleine.“ Mit dem Laptop arbeitet er nun von zu Hause aus, sein Arbeitgeber nimmt Rücksicht auf ihn. „Es gibt keine Stechuhr oder feste Arbeitszeiten. Die Zahlen müssen aber stimmen“, sagt Zwicker, der diszipliniert genug ist, um im „Home Office“ zu arbeiten. Sobald er ohne Hilfe von A nach B kommt und alleine U- oder S-Bahn fahren kann, möchte er wieder nach Frankfurt. Sein nächstes Ziel: berufsbegleitend den Master machen. Ob er jemals wieder auf die Skier steigt, will er nicht ausschließen. „So etwas passiert nicht noch mal.“

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