Lokalsport Südpfalz Seit Weisweilers Weisung durch und durch Radsportler
«ESSINGEN.» Wer weiß, was aus Willi Schüller geworden wäre, hätte Hennes Weisweiler, der große deutsche Fußball-Coach, damals Anfang der 50er-Jahre nicht zu ihm gesagt: „Pack’ deine Sachen und fahr heim.“ Willi Schüller spielte nie wieder Fußball. Er wurde Radrennfahrer und Physiotherapeut. Heute feiert er in Essingen seinen 80. Geburtstag.
Gut, Schüller war irgendwie auch selbst daran schuld. Der Jugendkicker beim 1. FC Köln war immer mit dem Rad ins Training gekommen. „Was bist du denn jetzt“, fragte Weisweiler auf Kölsch, „Fußballer oder Rennfahrer?“ Schüller sagt heute, er habe ganz gut Fußball gespielt. Für Weisweiler offenbar nicht gut genug. Kurzum: Er verschrieb sich dem Radsport. Mit Haut und Haaren. Und er lebt ihn heute noch, wenn er mit Freunden ausfährt. In der zehn- bis zwölfköpfigen Trainingsgruppe ist er mit Abstand der Älteste. Aber er lässt es immer noch gerne laufen ... Mit 19 stand Schüller im Nationalkader, mit 23 wurde er Radprofi. Beim Rennstall „Ruberg“ in Gladbeck. Er fuhr all die Rennen in der Kölner Gegend. Im berühmten Ritterpreis war er einmal Fünfter. Gegner waren Rudi und Willi Altig, Peter Post, Jean Stablinski. Aber schon ein Jahr später war diese Karriere beendet. Beim Rennen München - Zürich bekam er 15 Kilometer vor dem Ziel echte Probleme, einen Kreislaufkollaps. Ärzte rieten ihm damals, wegen seines Herzens kürzerzutreten. Einmal war er die Vuelta gefahren – unter ferner liefern. Schüller ließ sich reamateurisieren, der Liebe wegen kam er in die Pfalz. Sohn Josef wurde 1962 geboren. Der ist heute Internatsleiter am Heinrich-Heine-Gymnasium in Kaiserslautern und Nachwuchs-Bundestrainer auf Honorarbasis. Nach zwei Siegen beim Bellheimer Klassiker (1959 und 1966) und vielen, vielen anderen Erfolgen, es waren weit über 100, schlug er einen ganz anderen Weg ein. Den des Trainers und, nach einer Ausbildung zum Bademeister und Masseur und einer Zusatzausbildung, den des Physiotherapeuten. Dann kam Schüllers eigentlich große Zeit beim Bund Deutscher Radfahrer. Er reiste mit den Bundestrainern Peter Weibel aus Plankstadt und Patrick Moster aus Offenbach, „pflegte“ unter anderem die heutigen Stars Marcel Kittel, John Degenkolb und Tony Martin in deren Juniorenjahren. Er war beispielsweise maßgeblich am Vize-Weltmeistertitel von Hartmut Bölts aus Heltersberg 1987 in Villach beteiligt. Ebenso arbeitete er über 20 Jahre am Heinrich-Heine-Gymnasium als Physiotherapeut. Einen seiner größten und überraschenden und auch schönsten Erfolge feierte er als Trainer: 1972 wurde der Junioren-Vierer des RV Essingen deutscher Meister. Eugen Heim, Peter Lauth, Werner Simonis, Albert Ernst und Hubert Stuhlfauth hießen Schüllers Jungs, die den Titel holten. Und die haben sich nun ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk einfallen lassen. Sie reisen mit ihrem Ex-Trainer zu den Rad-Weltmeisterschaften in Innsbruck. Darauf freut sich Schüller ganz besonders.