Lokalsport Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Schulsport: Frühjahr im Herbst? – Herxheims Volleyballer könnten doch noch in Berlin spielen

Die Erfolgreichen mit Trainer Kai Fischer.
Die Erfolgreichen mit Trainer Kai Fischer.

Es hätte das Jahr werden können für die Volleyballer des Pamina-Schulzentrums Herxheim. Die U18-Jungs, die alle in Männermannschaften der SG Südpfalz spielen, werden durch das Coronavirus gleich mehrfach ausgebremst in einer Phase, in der sie sich am meisten vorgenommen hatten. Gibt es dieses Jahr noch ein Happy End in Berlin?

Die Jungs beschäftigen sich gerade mit Dürrenmatt oder mit Goethe: digitaler Deutsch-Unterricht. Beim Volleyball-Bundesfinale von „Jugend trainiert für Olympia“ hätten sie Anfang Mai unter die Top 5 kommen können. Das wurde abgesagt wie die Südwestdeutsche Meisterschaft (29. März), bei der sie sich als Landesmeister für die DM in Chemnitz qualifizieren wollten. Und ihnen bleibt verwehrt, ihren Landesmeistertitel im Beachvolleyball zu verteidigen. Kai Fischer ist seit drei Jahren als Trainer dabei. „Sie spielen so, wie ich mir das vorstelle“, sagt der 34-Jährige aus Hördt zur Entwicklung der Mannschaft: „aggressiver, schneller auf den Punkt aus, selbst aktiv sein und weniger darauf warten, dass der Gegner einen Fehler macht.“

Gedichte von Goethe

Zehntklässler Johannes Pfanger weiß die Zeit zu nutzen, wenn die Hausaufgaben erledigt sind. Im Deutsch-Unterricht sind Gedichte von Goethe zu analysieren und interpretieren. Für das Workout zu Hause schaltet er Clips von Sascha Huber dazu. Oder er spielt mit seiner Schwester Julia Volleyball im Garten. Sie mache das Workout gerne mit Pamela Reif. Er geht joggen draußen im Feld oder im Wald, sagt er. Mit einem Freund geht er Rad fahren. Und er spielt Trompete, im Normalfall in der Kolpingskapelle Herxheim (jeden Freitag ist Stammtisch über Skype oder MS-Teams), im Verbandsjugendorchester Germersheim und in der Band Shire Door, die bei Festen auftritt. Dann ist er einer von acht Band-Mitgliedern. Er übt in seinem Zimmer: „Die Nachbarn haben sich noch nicht beschwert.“

In der Volleyballmannschaft ist der 16-Jährige meist Libero oder Diagonalspieler. „Annahme, Abwehr wird immer wichtiger“ sagt er. „Das hätte ich wahrscheinlich auch in der Schulmannschaft gespielt.“ Im Verein spielt Pfanger in der Pfalzliga-Mannschaft.

Die Physiker

Pfanger war bisher einmal in Berlin. Beim Frühjahrsfinale 2019 spielte Herxheim um Platz zehn und verlor. Julius Ebler (15) war schon zweimal da, er spielte auch das Beachvolleyball-Finale, bei dem die Mannschaft im Herbst nichts gewann. Der Neuntklässler nennt als Lieblingsfächer Sport, Mathe und Französisch. Das Drama „Die Physiker“ von Dürrenmatt wird bis 5. Mai im Deutsch-Unterricht behandelt. Die Schüler bekommen Aufgaben gestellt und schicken ihre Arbeiten zurück. Dazu gehören innere Monologe: Was denken, was fühlen die Protagonisten?

Ebler spielt auch Fußball bei der Viktoria: B2-Junioren in der Kreisliga. Warum nicht B1? „Ich wurde gefragt. In der B2 sind meine Freunde und man muss nicht so weit fahren.“ Bei der SG Südpfalz spielt er wie Pfanger in der dritten Männermannschaft.

Der Besuch der alten Dame

Fischer, er ist Industrieelektroniker, arbeitet bei Daimler und fing mit 22 Jahren als Trainer an, zählt Andreas Fink zum Erstmannschaftskader. Der Zehntklässler, „ungefähr 1,82 Meter“ groß, spielt im Mittelblock. Für Krafttraining hat er fast alles zu Hause, Langhanteln, Kurzhanteln, Hantelbank, Theraband. Er geht auch ins Fitnessstudio gegenüber dem Schwimmbad und ein-, zweimal die Woche laufen.„Der Besuch der alten Dame“ von Dürrenmatt wird gerade im Deutsch-Unterricht gelesen. Den Schülern werden Fragen zur tragischen Komödie gestellt, ihre Antworten schicken sie zurück.

Fink war auch schon zweimal in Berlin. „Es wäre schön gewesen, die Chance zu haben, mal besser zu sein“, sagt er im Gedanken an das abgesagte Frühjahrsfinale. Wer in Berlin antritt, gehört zu den 16 besten deutschen Schulmannschaften. Landesmeister spielen gegen Landesmeister.

Finale unter Vorbehalt

Unterdessen hat sich ein Türchen geöffnet. Josef Brunner, Lehrer am Pamina und Abteilungsleiter Volleyball im TV Herxheim, hat davon gehört: Die Deutsche Schulsportstiftung hat beschlossen, die Frühjahrssportarten ins Herbstfinale, für das in diesen Wochen die Qualifikationen angestanden hätten, verlegen zu wollen – unter dem Vorbehalt, dass bis dahin Sportveranstaltungen in der Größenordnung eines Bundesfinales wieder stattfinden dürfen und die Kultusministerien ihre Zustimmung geben.

Es könnte also ein Happy End geben für Fink, Ebler, Pfanger und für Luis Götz, Julius Riede, Janek Szontag, Manuel Lui, Niclas Brunner und Ferdinand Weinacht.

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