Lokalsport Südpfalz Mit Schiss ohne Bremsen

Mannschaftsmeister im Zeitfahren: Joshua Stritzinger.
Mannschaftsmeister im Zeitfahren: Joshua Stritzinger.

«OFFENBACH.» „Beim Mannschaftszeitfahren hat man immer Schiss, dass man abreißen lässt, weil man einen schlechten Tag erwischt und somit die Gruppe langsam macht“, sagt Joshua Stritzinger aus Offenbach. Es ging gut in Genthin. Der 21-Jährige gehört zum Radteam Lotto – Kern Haus, Deutscher Meister im Mannschaftszeitfahren (wir berichteten im Sport).

Joshua Huppertz, Raphael Freienstein, Julian Braun, Christopher Hatz, Jonas Rutsch und Stritzinger traten in die Pedale. Nach zwei zweiten Plätzen gelang dem Team diesmal der Sieg – mit Stritzinger, der 2016 noch bei Christina Jewelry Pro Cycling fuhr. 2015 war er Deutscher Meister im rad-net-Rose-Team. „Sehr, sehr gut“ sei es gelaufen, sagt Stritzinger. „Wir wollten unbedingt gewinnen und haben gut harmoniert, einen guten Rhythmus gefunden.“ Problematisch beim Zeitfahren im Team sei es, die richtige Balance zu finden. „Man muss gut harmonieren, es darf kein Fahrer einfach wegfahren. Wir sind gleichmäßig und alle Fahrer etwa gleich stark.“ Die Angst davor, dem Vordermann bei vollem Tempo aufzufahren, müsse man überwinden. Die Angst. Stritzinger erinnert sich an den Sturz mit dem Rose-Team im Training. Der Auflieger hat keine Bremsen, die Fahrer müssen erst umgreifen. Beim Einzel-Zeitfahren beim Bundesligarennen in Cottbus war Stritzinger Dritter gewesen. Seine Radsportkarriere begann in München, wo er aufwuchs. Er nahm mit seinem Mountainbike an einem Erste-Schritt-Rennen teil. Zurück in der Südpfalz, schloss er sich 2008 dem RC Silber-Pils Bellheim an. 2013 ging es zum RSC Felsenland Bundenthal. Kurz darauf wurde er ins Canyon Young Heroes Team für U17-Fahrer aufgenommen, die mit Rädern und Material unterstützt werden. Zwei Rundfahrten gab es jährlich. Im Winter 2012 ging Stritzinger zum Trainingsinstitut Staps in Köln, das auch schon Tony Martin betreute. „Das kommt immer mehr im Radsport“, sagt Stritzinger. Auch Amateure können sich checken lassen und wichtige leistungsdiagnostische Daten von den Sportwissenschaftlern messen lassen. „Der größte Unterschied ist eben, dass die wissen, wie der Körper funktioniert. Man muss dann selbst sehen, was wie klappt, muss sich aber nicht immer stur an den Plan halten.“ Immer mal wieder hält er Rücksprache mit den Experten in Köln. Höhepunkt in der Saison 2013 war die Junioren-WM im Einzelzeitfahren in Florenz. Dort verpasste er um 2,5 Sekunden das Podest und landete auf Platz 4. „Durch die Jahresleistungen habe ich mich da empfehlen können, hatte auch meine Einsätze in der Nationalmannschaft“, sagt Stritzinger. Die Nominierung kam dennoch überraschend: Das Hauptkriterium waren die Deutschen Meisterschaften. Dort war Stritzinger mit einer Lebensmittelvergiftung an den Start gegangen und kollabiert. Es dauerte, bis er wieder fit war. In diesem Jahr stehen noch zwei Rennen an, Mitte Oktober endet die Saison. Als Fahrer in einem ambitionierten Team ist er jeden Tag mit dem Rad unterwegs, auch die Rennwochenenden kosten Zeit. Sonst unternehme er was mit Freunden, auch Fußball ist noch ein Hobby. Die volle Konzentration liegt derzeit auf dem Radsport. Interesse an einem Studium der Sportwissenschaften hat Stritzinger. „Sport gehört einfach dazu.“ In Kaiserslautern besuchte er das Sportinternat. Als großes Ziel hatte er mal die Tour de France: „Das wäre schon toll. Aber mit den Jahren wird man realistischer. Das klappt nur, wenn ich ein Jahr voll drauf setzen würde und den Sprung schaffen könnte. Aber den schaffen wenige.“

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