Pferdesport
Mit riesigem Speed alle überflügelt
Von Hayna in den Harz und am selben Tag erfolgreich zurück: Rennreiterein Jaqueline Laquai hat bei der Rennwoche in Bad Harzburg einen mit 6000 Euro dotierten Ausgleich IV über die Mitteldistanz von 2000 Metern gewonnen. Sie saß dabei im Sattel des achtjährigen Wallachs Amaranto aus dem Quartier des Lokalmatadors Andreas Biedermann. Vom Ende des Feldes kommend überflügelte sie mit riesigem Speed die gesamte Konkurrenz. Zweiter wurde der favorisierte siebenjährige Wallach Aturo des Besitzertrainers Armin Weidler aus Reifenberg bei Zweibrücken.
„Die Prüfung war optimal herausgesucht. Amaranto mag es, hinter den Pferden zu schlafen und entwickelt dann auf der Zielgeraden ganz viel Speed“, erzählt die Siegerin. Jaqueline Laquai hatte sich schon etwas ausgerechnet, denn im Mai hatte sie mit Amaranto in einem ähnlichen Rennen in Magdeburg den dritten Rang belegt.
Umweg über den Flughafen Hahn
Die zugezogene Südpfälzerin gilt als Fleißbiene der Jockeyszene, häufig fährt sie wegen eines Ritts in die entlegensten Winkel der Republik. Am Sonntag ging es morgens um acht Uhr los, kurz vor Mitternacht kam sie wieder zu Hause an. Der Tagestacho zeigte über 1000 Kilometer an, denn Laquai machte auf der Rückfahrt einen Umweg über den Flughafen Hahn. Sie half der englischen Reiterin Ellie Holder aus der Patsche. Alle ausländischen Sattelkünstler hatten bei der Anreise große Probleme mit der Deutschen Bahn.
Rennbahnbesuch weckt Leidenschaft
Ihre Leidenschaft finanziert die 24-Jährige weitgehend aus eigener Tasche. Der Amateurverband versichert sie und gewährt einen Reisekostenzuschuss, bekommt aber dafür den fünfprozentigen Anteil der Siegprämie. Die gebürtige Heidelbergerin war eine erfolgreiche Leichtathletin, 2018 gewann sie mit 10,58 Metern im Kugelstoßen die Schulmeisterschaften ihrer Heimatstadt. Sie sagt: „Der Wettkampfgedanke hat mich geprägt. Deshalb betreibe ich den Rennsport sehr ernsthaft.“
In ihrer Familie gab es keinerlei Bezug zu Pferden. Ein Rennbahnbesuch in Mannheim weckte ihre Leidenschaft. Sie half am Stall von Altmeister Horst Rudolph, bestand im Juli 2021 in Köln die Prüfung für Amateurrennreiterinnen. Am 16. Juni 2022 landete sie in Mannheim mit Macavity ihren ersten von aktuell 17 Karrieresiegen. 2024 war ihr erfolgreichstes Jahr, mit neun Siegen belegte sie den dritten Platz in der Championatswertung.
Morgenarbeit in Iffezheim
Am Anfang stieg sie meist für die lokale Trainergilde in den Sattel, doch sie wird immer häufiger von Quartieren aus ganz Deutschland für Ritte gebucht. Am Samstag ist sie in allen Rennen im südhessischen Erbach dabei, am Sonntag geht es erneut in den Harz. Für diese Erfolge nimmt sie einen sehr eng getakteten Tagesablauf in Kauf. Die Amazone fährt fast täglich nach Iffezheim, am renommierten Rennstall von Fabian Xaver Weißmeier reitet sie mehrere Vollblüter bei der Morgenarbeit. Ihr Studium der Wirtschaftsinformatik ist in der finalen Phase. Wegen ihres neuen Jobs hat sie im Januar ihren Lebensmittelpunkt von Nordbaden ins südpfälzische Tabakdorf verlegt. Im Bellheimer Logistikunternehmen Kardex arbeitet sie als Werksstudentin im Büro.
Wie gefällt es ihr in Hayna? „Es passt alles. Doch bisher hatte ich schlichtweg keine Zeit, um die Menschen näher kennenzulernen. Ich gehe meist sehr früh aus dem Haus und komme spät wieder zurück.“
Hotspot in den 1990ern
In den 1990er-Jahren bis zur Jahrtausendwende war die Südpfalz ein Hotspot des deutschen Galopprennsports. Der verstorbene Minfelder Edgar Dillmann und der heutige Haßlocher Rennvereinspräsident Christian Keller aus Lustadt feierten Siege auf den Paradehippodromen des Landes. Am erfolgreichsten war Christians Bruder Matthias Keller mit 262 Karrieresiegen. 1999 war er Weltmeister der Amateurrennreiter, konnte diesen Titel in den beiden Folgejahren verteidigen. Seine Tochter Luisa Marie könnte in seine Fußstapfen treten. Sie belegte vor einer Woche in einem Junior-Lauf des Weltverbands Fegentri den dritten Platz in Paris-Longchamp. Danach meldete sich das Kölner Premiumquartier von Andreas Suborics: „Sie hat einen tollen Stil, ist jederzeit willkommen bei uns.“ Zweimal war die Zwölfjährige schon in der Nachwuchsschule des Belgiers Christoph Soumillon, einem der besten Jockeys der Welt.