Rudern RHEINPFALZ Plus Artikel Michael Bockmeyer und eine Erfolgsgeschichte: „Geh’ doch mal mit“

Michael Bockmeyer vor dem Bootshaus.
Michael Bockmeyer vor dem Bootshaus.

Michael Bockmeyer war in der Germersheimer Blütezeit aktiv. Er erzählt von der Freundschaft mit der RG Speyer und vom Übergang vom Leistungs- zum Breitensport.

Wer sich mit Michael Bockmeyer unterhält, lernt in einer Stunde die Geschichte des Rudervereins Rhenania Germersheim in der leistungssportlichen Blütezeit von 1968 bis 1988 kennen. Der 65-Jährige ist das jüngste Ehrenmitglied des 195 Mitglieder starken Vereins, der sich 1910 den Namen gab. Seit 25 Jahren ist er Technischer Vorsitzender. Nach seiner aktiven Zeit, die ihn bei sechs deutschen Meisterschaften in drei Finals führte, gewann er Ende der 1980er-Jahre dreimal den Rudermarathon Leverkusen-Düsseldorf in verschiedenen Altersklassen.

Klassenkameraden

Das Gespräch berührt auch Teilnahmen von Germersheimer Ruderern an Olympischen Spielen und den Ausbau des Industriehafens, der die Trainingsmöglichkeiten begrenzt hat. Ob Georg Agrikola sein Vorbild gewesen sei? So eine Frage kann nur stellen, wer sich nicht auskennt. Bockmeyer und Agrikola, der 1984 in Los Angeles mit Andreas Schmelz im Doppelzweier auf den vierten Platz ruderte und 1988 in Seoul zum Doppelvierer gehörte, der den sechsten Platz erreichte, waren in der Schule in derselben Klasse. Er ist der Trauzeuge von Christel Trauth, Agrikolas Schwester, die 1976 in Montreal den Endlauf im Einer erreichte, und Roland Trauth, im selben Jahr deutscher Meister im damals nicht olympischen Leichtgewichtsvierer ohne Steuermann. 1977 heirateten sie. Roland Trauth, der Ehrenvorsitzende des Vereins, hielt in der jüngsten Jahreshauptversammlung des Rudervereins die Laudatio anlässlich Bockmeyers Ehrenmitglied-Ernennung.

Ein Vierteljahr außer Gefecht

Bockmeyer hatte Schlosser gelernt, war vier Jahre bis 1981 als Zeitsoldat in Fürstenfeldbruck und danach Zivilangestellter der Bundeswehr in Germersheim bis zur Pensionierung 2022. Zuletzt saß er bei der Herren-Ausfahrt vor einem Jahr am Vatertag im Boot. Er ist selbstständig in einer Hausverwaltung tätig. Ein Unfall im Januar dieses Jahres hat ihn ein Vierteljahr außer Gefecht gesetzt. Zwei Kartons in den Händen und kein Auge auf die Treppe.

Ein kleiner, untersetzter Bub sei er gewesen, erzählt Bockmeyer von seiner Kindheit. Von 1968 bis 1973 spielte er in der Stadtkapelle die große Trommel. Er ist immer noch Mitglied: „Wenn der Bockmeyer mal im Verein ist, bleibt er drin.“ Das gilt auch für den Kraftsportclub, in dem er, wie er erzählt, 1989 in einer Vereinsmeisterschaft einen Dreikampf-Rekord aufstellte.

Utechts Methoden

1972 trat er in den Ruderverein ein. „Geh’ doch mal mit“, sagten sie im Freundeskreis, „Du musst erst mal abnehmen“, sagten Trainer im Verein zu ihm. „Euch zeig’ ich es“, sagte er sich. Und wurde im Leistungssportbereich groß. Trainer: Klaus Utecht. „Unser Trainer hat immer wieder etwas ausgeheckt, wie handelsübliche Geräte zu benutzen sind“, erinnert er sich an die Stunden im Winter in einer Gruppe mit vier, fünf anderen in der Sporthalle im Kraftraum.

Ruderer können sich auf der Strecke völlig verausgaben. Nach einem Kraft- und Ausdauertraining, wie es nicht viele haben: Kreuzheben mit der Langhantel, eine Übung, die die Rollbewegung im Rudern imitiert. 30 Wiederholungen am Stück. Training am Beinstoßgerät. 50 Strecksprünge, fünf Mal. Lauftraining 15 Kilometer. Wenn die Zeit gekommen ist, aufs Wasser. 16 bis 18 Kilometer hätten sie am Wochenende im Industriehafen „gepumpt“, erzählt Bockmeyer, der heute mit 65 Jahren 84 Kilo auf die Waage bringt.

„Heute mehr auf Breitensport ausgerichtet“

Vier Jahre nach seinem Einstieg bildete er mit Holger Ländle 1976 den Leichtgewicht-Doppelzweier bei der Jugend-DM auf der Olympiastrecke in München, der über 1500 Meter den zweiten Platz erreichte. Mit Frank Durein von der RG Speyer ging es in der U23 weiter zu Regatten. Zur DM 1977 erklärt Bockmeyer: Im Doppelzweier habe es nicht so geklappt, deshalb sei er Einer gefahren und habe den fünften Platz im Endlauf erreicht. Nach einer Pause fanden Ländle, Bockmeyer und die Speyerer Peter Gärtner und Durein zusammen und bildeten den Doppelvierer, der 1985 in München den vierten Platz errang. Andreas Kabs aus Westheim sei der letzte erfolgreiche Ruderer jener erfolgreichen Zeit gewesen, die 1988 endete, sagt Bockmeyer. „Heute sind wir mehr auf den Breitensport ausgerichtet.“

Hafen früher durchgängig

Was wohl mit dem Industriehafenausbau zu tun hat. Der Hafen sei früher durchgängig gewesen. 1000 Meter am Stück, wenden, zurück, das war früher möglich. Nun ist die Strecke kurz, und der Schiffsverkehr hat zugenommen. Viel besser sind die Möglichkeiten bei den Speyerer Rudern, mit denen seit Jahrzehnten eine Freundschaft besteht. Bockmeyer vergleicht: Im Reffenthal seien vier Kilometer am Stück möglich mit Begleitung eines Sportbootes. Talente wie Tim Streib, 2023 im U23-Vizeweltmeisterboot im Leichtgewicht-Doppelvierer, wechseln von Rhenania zur Speyerer Rudergesellschaft.

Und nach der Ruderkarriere? 1988 bestritt Bockmeyer seinen ersten Triathlon in Leimersheim. 1990 heiratete er. Im Jahr 2002 sei er mit seinem Freund Harald Turgetto den Jakobsweg von Burgos bis nach Santiago de Compostela in zwölf Tagen gegangen.

Technischer Vorsitzender

Der jüngste Job als Technischer Vorsitzender: die Reparatur eines Gigruderboots, eines rheintauglichen Wanderruderboots, organisieren. Ein großes Schiff sog das Wasser mit, das Gig setzte auf, im Bootskörper entstand eine lange Narbe. Dem Technischen Vorsitzenden unterstehen Ruderwart (Holger Ländle), Bootswart (Christian Sträßner) und Wanderruderwartin (Ilona Ruppert). In seinen Bereich fiel unter anderem die Organisation des Umbaus der Gaststätte, die, vermietet, eine bedeutende Einnahmequelle des Vereins darstellt. Der Übernachtungsraum in der Bootshalle (für bis zu 20 Gäste), gern genutzt von Ruderkameraden auf Durchfahrt, kann erst nach einer Aufstockung und Umgestaltung wieder genutzt werden. Die Einquartierung auf Luftmatratzen könne individuell abgestimmt werden, teilt der Verein auf seiner Homepage mit.

Bockmeyer hat zu tun. Der 65-Jährige habe in einer sportlichen Laufbahn 42 Siege errungen, so Laudator Roland Trauth. Dem Vorsitzenden Kai Ebel oblag es, die Ehrenmitgliedschaft anzutragen

x