Lokalsport Südpfalz
Mein schönstes Spiel: Der Sechs-Tore-Wahnsinn des Klaus Kissel
25 Jahre ist es her. Der 1. FC Kaiserslautern spielte in der 1. Bundesliga. Zwei Jahre später sollte ihm gelingen, was bis heute keiner geschafft hat: als Aufsteiger Deutscher Meister werden. Auf dem Amateurplatz schrieb zu der Zeit einer anderer Geschichte. Jedenfalls machte er das wohl beste Spiel seiner Fußballkarriere. Der damals 31-Jährige Klaus Kißel, heute Ortsvorsteher in Arzheim, spielte in Ilbesheims Altherrenmannschaft. Mit 29 Jahren durfte man damals schon bei den Senioren kicken. Im Pokalspiel ging es nach Frankweiler. Auf den Hartplatz.
Kißel fand zunächst nur schwer in die Partie. Der Stürmer wurde gut gedeckt. „Ich hatte einen jüngeren Gegenspieler. Der war gut“, erinnert sich der heute 55-Jährige. Die beiden Teams schenkten sich in einer intensiv geführten ersten Hälfte nichts. So stand es kurz vor dem Pausenpfiff 2:2.
Tore fallen wie am Fließband
Kißel hatte sich noch nicht in die Torjägerliste eingetragen, wollte dies aber noch tun, ehe es in die Kabine ging.
Der Ortsvorsteher überlistete den gegnerischen Torwart mit einem Schuss. Der konnte nichts mehr tun. Kißels persönlicher Verteidiger sprang in die Bresche und kratzte den Ball mit der Hand von der Linie. Die Konsequenz: Platzverweis. Es sollte eine Rote Karte mit weitreichenden Folgen sein. Den Elfmeter übernahm der heutige Schulleiter des Otto-Hahn-Gymnasiums Andreas Doll. Er verwandelte sicher zur 3:2-Pausenführung.
In den Anfangsminuten nach der Pause merkte der schon in der Jugend recht schnelle Kißel sofort, dass sein neuer Gegenspieler nicht mit ihm mithalten konnte. Und so fielen die Tore wie am Fließband. Kißel nach einer Ecke, Kißel aus 20 Metern Entfernung, Kißel alleine auf den Torwart zulaufend. Der gebürtige Göcklinger machte eine Bude nach der anderen. „Scheinbar hat kein anderer mehr gewollt in der zweiten Halbzeit“, sagt er.
Zwei Hattricks in einem Spiel
Nach den ersten drei Toren freute sich Kißel bereits über den Hattrick, doch sein Torhunger nahm nicht ab. Sogar Bayerns Weltfußballer Robert Lewandowski, dem im September 2015 gegen den VfL Wolfsburg fünf Tore in der zweiten Halbzeit gelangen, hätte wohl nicht schlecht gestaunt. Kißel konnte da noch einen draufsetzen. Er ließ dem ersten Hattrick einen weiteren folgen und schnürte einen Sechserpack. „Andreas Doll hat gesagt: Klaus, man braucht dich nur anzuschießen und der Ball ist drin. Das war schon ein besonderes Spiel“, sagt der Ortsvorsteher. Mit 9:2 ging die Partie dann zu Ende. Im Anschluss wurde in der Kabine „noch eins getrunken.“ Ilbesheim überstand sogar auch die Folgerunde im Pokal gegen Essingen. Kißel knipste allerdings nur einmal.
Der Göcklinger trifft sich noch heute mit seinen Kollegen von damals. Über das Spiel wird oft geredet. „Das werde ich in meinem Leben nicht vergessen“, sagt er. Bemerkenswert an Kißels Leistung: Es war eines seiner ersten Spiele für Ilbesheim. Seine Schulkameraden hatten ihn zuvor von seinem Heimatort Göcklingen nach Ilbesheim gelockt.
Boule und Rückwärtstraktorfahren
Kißel spielte im Anschluss noch eine Weile in Ilbesheim. Er habe zwar keine Zeit fürs Training gehabt, habe samstags aber immer gerne mitgespielt. Zwei Kreuzbandrisse beendeten letztlich seine Fußballkarriere. Auch wenn sein Pass noch heute in Ilbesheim liegt, reaktivieren lässt er sich nicht mehr.
Ganz bleibt er dem Sport aber auch nicht fern. Bei Dorfmeisterschaften in Göcklingen ist er immer dabei. Zwar nicht mehr als Spieler beim Fußball, dafür beim Boulespielen, beim Rückwärtstraktorfahren oder beim „Wer kann sich am längsten an der Stange halten?“. „Ich bin dem Ort Göcklingen noch immer verbunden“, sagt er.
Leiden mit dem FCK
Wenn die Zeit es hergibt, spielt er auch beim BC Landau Boule. Ansonsten leidet der FCK-Fan, dessen Vater aus Kaiserslautern und dessen Mutter aus Göcklingen kommt, am Wochenende vor dem Fernseher. „Das Wochenende hat mal wieder gut getan“, sagt Kißel zum 2:0-Sieg der Roten Teufel gegen Waldhof Mannheim. Er hofft, dass sein Herzensverein auch ohne einen Stürmer seines Formats die Trendwende in der Dritten Liga gelingt.