Lokalsport Südpfalz „Leider kein richtiger Kölsch-Fan“

Chiara Congia
Chiara Congia

«OFFENBACH.» Chiara Congia ist zurück. Der Sprung von den Junioren zu den Senioren ist im Voltigieren größer als in Ballsportarten. Im Voltigierverein Köln-Dünnwald hat die 20-Jährige aus Offenbach wohl die richtig starke Leistungsgruppe gefunden.

Frau Congia, Sie studieren Psychologie in Köln, sind in das Team Norka des Voltigiervereins Köln-Dünnwald gewechselt und siegten gerade mit ihrer Gruppe beim internationalen Turnier in Ermelo. Was verbirgt sich hinter „Norka“, und nennen ihre Mitstreiter Sie auch Cico?

Norka ist der Name einer Lichttechnischen Spezialfabrik, die seit Ende letzten Jahres unser neuer Hauptsponsor ist. Bisher ist solch eine Sponsoring-Zusammenarbeit im Voltigiersport einmalig. Nein, meine Teamkollegen nennen mich nicht Cico, aber sie erfinden immer wieder gerne neue Spitznamen. Wie sind denn die Kölner so? Die Kölner sind sehr offen, lustig, immer gut drauf und haben manchmal auch viel Blödsinn im Kopf. Dadurch gibt es immer etwas zu lachen und die Stimmung ist gut. Diese gute Laune kombiniert mit der Trainingsdisziplin und -Professionalität macht das Training sehr effektiv. Auch schön Kölsch-Fan? Naja, ich habe es natürlich mal probiert, aber so ein richtiger Fan bin ich leider nicht. Gibt es das Voltigier-Paar Justin van Gerven und Chiara Congia noch? Ja, dieses Doppelpaar gibt es noch. Allerdings konzentrieren wir uns diese Saison erst mal auf das Team und sind deshalb noch nicht voll im Doppeltraining. Wie funktioniert so ein Gruppenwechsel? Sie waren 2015 Deutsche Junioren-Meisterin als Mitglied der Voltigiergruppe Ebersheim, hätten Sie nicht beim Mainzer Verein bleiben können? Natürlich hätte ich beim Mainzer Verein bleiben können, aber da ich in Köln angefangen habe zu studieren, hätte ich das zeitlich nicht auf die Reihe bekommen, noch nach Mainz ins Training zu fahren. Und da ich ohnehin schon Kontakt zu den Kölnern hatte, habe ich in den Voltigier-Verein Köln-Dünnwald gewechselt und immer im Team mittrainiert. Wir trainieren zu neunt, aber letztendlich dürfen nur sechs Mitglieder bei einem Wettkampf starten. Deshalb war ich sehr froh, dass ich auch auf den Wettkämpfen aktiv mitmachen darf in dem Team, das vergangenes Jahr schon eine super Leistung gebracht hat. Ich war immer total begeistert war, als ich sie live gesehen habe. Vermissen Sie das Holzpferd in der heimischen Garage? Es ist natürlich sehr schade, dass es da jetzt nur noch so steht. Aber da wir in Köln auch einen Movie, also ein Holzpferd, das die Galoppbewegung des Pferdes simuliert, haben, fehlt mir eigentlich nichts. In der Konkurrenz in Ermelo gab es das Wiedersehen mit Ihrem früheren Pferd Celebration. Hat man sich da was zu sagen, von Frau zu Tier? Ich habe ihn natürlich direkt in seiner Box besucht und ihn begrüßt. Es war schön, ihn mal wieder zu sehen, weil ich mit ihm ja meine ersten großen Erfolge erzielen konnte. Am Wochenende sind Sie beim Preis der Besten in Warendorf. Zum ersten Mal werden im Voltigieren nicht nur Junioren, sondern auch Senioren – für die EM – gesichtet. Ihre Gruppe ist nicht zu schlagen, oder? Senioren wurde vorher natürlich auch für die EM gesichtet, nur eben nicht auf diesem Sichtungsturnier in Warendorf. Wir wollen unser Bestes zeigen, und es ist natürlich unser Ziel, wie vorletztes Wochenende in Ermelo zu gewinnen. Dazu haben wir unsere Leistung noch mal analysiert, mit einer Videoanalyse, und haben versucht, ein paar Schwächen und Unsauberkeiten, die wir in Holland noch hatten, zu verbessern. Das Team war ja letztes Jahr schon kurz vor einer WM-Nominierung, aber da es die Besetzung wegen eines Kreuzbandrisses umstellen musste, hatte es leider ganz knapp nicht gereicht. Die Deutsche Meisterschaft konnte es dann gewinnen. Jetzt wollen wir am Wochenende auf der Sichtung zur EM in Warendorf natürlich unser Bestes geben. Wird man Sie in der Südpfalz voltigieren sehen? Da ich jetzt nur noch mit dem Kölner Verein unterwegs bin, stehen leider in der Südpfalz keine Turniere an. Aber man weiß ja nie. | Interview: Thomas Cattarius

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