Lokalsport Südpfalz Le Mans und ein „Hamilton-Agreement“

Lässig: Valentino Catalano aus Westheim.
Lässig: Valentino Catalano aus Westheim.

«LEINSWEILER/WESTHEIM.» Mit Daniel Gregor, Zweiter mit 174 Punkten, und Valentino Catalano, Dritter mit 152 Punkten, sind zwei Südpfälzer in den Top 3 der ADAC Kart Masters. Damit haben sich die beiden Jüngsten in der X30-Junior-Klasse für die WM in Le Mans qualifiziert. Beide werden im November zwölf. Daniel kommt aus Leinsweiler, Valentino aus Westheim.

In Ampfing, Wackersdorf, Kerpen und Oschersleben waren die Rennen, der zweite Lauf in Wackersdorf am 1. Oktober steht noch aus. Platz 3 kann keiner mehr Valentino nehmen, der für das Team Stern Motorsport fährt. Er ist für die WM in Le Mans am 14. und 15. Oktober qualifiziert. Da, wo in seiner Klasse rund 400 Fahrer hinwollten. „Das ist schon cool, wir hatten auf die Top 10 gehofft, gerade weil das letze Jahr bei den Bambinis nicht gut gelaufen ist“, sagt Valentino. 25 PS haben die Karts in der X30-Klasse, mit Spitzengeschwindigkeiten von 125 km/h. Etwa 20 Fahrer sind bei den Rennen am Start. „Die Rundstrecke ist deutlich schneller, und gegen andere Leute zu fahren und zu überholen macht mehr Spaß“, sagt Valentino, der mit fünf Jahren beim MC Haßloch mit Slalomfahren begonnen hat. Auch sein Vater fuhr damals Kart, er war anfangs eher dagegen, dass der Sohn auch einsteigt. „Ich wusste sofort, dass ich Kartfahren will“, sagt Valentino, den die RHEINPFALZ als Talent des Jahres 2014 in der Südpfalz auszeichnete. Nach drei Jahren Slalom wechselte er zu Rundstreckenrennen, will irgendwann den Schritt ins Auto wagen. „Das ist aber sehr teuer“, weiß er, „privat ist das nicht zu bezahlen, da muss man an Sponsoren rankommen.“ Für die empfiehlt man sich über sportliche Erfolge, und die kann Valentino nachweisen: Pfalzpokal, Rheinland-Pfalz-Meisterschaft, deutscher Vizemeister im Slalom 2014. Die Liste ist lang. Der Spagat zwischen Hobby und Schule „klappt momentan gut“. Was im Unterricht verpasst wird, wird im Hotel zwischen den Rennen nachgeholt. Trainiert wird meist alleine auf Rennstrecken wie in Liedolsheim. Mit Opa und Papa Catalano in der Box werden Runden gedreht, wird an der Technik gefeilt. Nach den Rennen wird großen Wert auf Datenanalyse gelegt. „Ich habe einen Bordcomputer, der Drehzahl, Temperatur, Geschwindigkeit und alles misst“, erzählt Valentino. „Da wird dann geschaut, ob wir was an der Übersetzung ändern müssen oder so. Mit der Zeit kennt man sich da auch als Fahrer aus.“ Daniel Gregor fährt in seiner dritten Saison Kart. Vater Joachim Gregor war selbst Kartfahrer und setzte seinen Sohn bei Kumpel Michael Zinner „einfach mal rein“. „Das Rennfahren habe ich wohl geerbt“, sagt Daniel. In den Sommerferien 2014 war das. Im Team Zinner lernte er das Fahren wenig später von der Pike auf. Wann wird eingelenkt, wann aufgemacht, wo liegen die Bremspunkte? Slalom ist Daniel nie gefahren, für ihn ging es direkt ins große Starterfeld mit anderen. „Das hat mir so viel Spaß gemacht und ich wurde auch immer schneller, da haben wir mal probiert, in einer Meisterschaft zu fahren“, sagt Daniel. Bei den Bambinis wurde er 2015 Baden-Württemberg-Meister und Zweiter beim Rhein-Main-Cup. Ein Jahr später folgten der vierte Platz bei den Süddeutschen Meisterschaften und Platz 5 im ADAC-Cup. „Da gehört viel Disziplin dazu“, lobt sein Vater, „allein der Umgang mit dem Kart. Die Beschleunigung zieht einen schon gut weg.“ Aktuell trennen Daniel zwei Punkte vom Spitzenreiter Philipp Damhuis aus dem Emsland. Als Neuling gewann er gleich die ersten vier Rennen. In Wackersdorf konnte er bisher immer gewinnen, fuhr damals auch Rundenrekord der Bambinis. 25 Punkte gibt es für den Sieger, 20 für Platz 2, 16, 13, elf und so weiter. Es wird spannend. Auch in der Cup-Serie liegt Daniel weit vorne, hat auf Platz 2 drei Punkte auf Damhuis auf Platz 3 gut. Der Führende hat aufgegeben, weiß Vater Joachim. Da habe Daniel „auch berechtigte Chancen auf den Titel“, sagt er. Sollte sein Filius beide Wettbewerbe gewinnen oder auf dem Treppchen landen, soll nächstes Jahr bei der X30-Euro-Series gestartet werden. Mit Rennen in Italien, Belgien, Frankreich, England, Spanien und Deutschland. Bei der WM in Le Mans wird Daniel nicht starten. Von Mitte September bis Mitte Oktober stehen die Rennen des Kart-Cups an, dann ist er jedes Wochenende auf der Strecke. Später einmal möchte er Tourenwagen fahren, vielleicht einmal auch in Le Mans oder in der Formel 1 im Cockpit sitzen. Er geht gerne Skifahren, Schwimmen, spielt Schach und hielt sich lange mit Aikido fit. Auch Boxtraining soll gut für Rennfahrer sein. In Neustadt geht er auf eine internationale Schule und spricht neben Englisch auch fließend Ungarisch, nachdem er knapp fünf Jahre in Budapest aufgewachsen ist. Mit seinem Vater hat er ein „Hamilton-Agreement“, frei nach Formel-1-Fahrer Lewis Hamilton, dem in seiner Jugendzeit von Mentor und McLaren-Teamchef Ron Dennis versprochen wurde: Solange er in der Schule gut ist, bekommt er jegliche Unterstützung. Leiden die Noten, muss mit dem Kartfahren eben eine Pause eingelegt werden. „Das ist die ultimative Motivation“, ist sich Vater Joachim sicher. Es klappt: In der Schule schreibt Daniel Einser und Zweier.

Cool: Daniel Gregor aus Leinsweiler.
Cool: Daniel Gregor aus Leinsweiler.
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