Sportstypen
Kirsten und Jürgen Boller sind weltweit als Volunteers im Einsatz
Die Olympia-Qualifikation der Handballerinnen in Neu-Ulm haben sie hinter sich, das Fußball-Euroleague-Endspiel in Dublin, Spiele der Fußball-Europameisterschaft in Stuttgart und die Olympischen Spiele in Paris noch vor sich. Kirsten und Jürgen Boller aus Edenkoben sind europaweit als Volunteers, als freiwillige Helfer, unterwegs.
Mindestens eine Großveranstaltung im Jahr haben sie auf dem Radar. Seit sie sich 2005 als Volunteers beim Confed-Cup in Frankfurt begegnet sind. Sie, seit 1994 im Ordnungsdienst beim 1. FC Kaiserslautern, war Gruppenleiterin im Besucherservice am Stadioneingang Wintersporthalle, er kam aus Aschaffenburg und war Novize. 2004 war er mit dem Auto nach Athen gefahren, um sich bei den Olympischen Spielen umzusehen. Er übernachtete auf einem Campingplatz. Und erlebte Volunteers. Bei der nächsten Gelegenheit wollte er sich um so eine Stelle bewerben. Später sind die beiden zusammengekommen und zusammengezogen. Seit 15 Jahren sind sie verheiratet. 2014 ist das Paar von Neustadt nach Edenkoben umgezogen.
Hotel selbst bezahlt
Wie war das in Neu-Ulm? Sie waren im Teamservice: Getränke und Essen, Kabinen in Ordnung halten, beim Seitenwechsel Klamotten und Taschen auf die andere Seite bringen. Am Montag sprangen sie spontan für einen Sonderauftrag ein: Fahrdienst. Sie fuhr im Kleinbus zwei Schiedsrichter aus Frankreich und einen Offiziellen aus Serbien nach München, er brachte fünf Kroaten nach Stuttgart.
Volunteers erhalten Verpflegung, wenn sie im Einsatz sind. Darüber hinaus – wohl nichts. Sie hätten die Übernachtung selbst organisiert und finanziert, erzählen die Edenkobener. Geschlafen haben sie in einem Hotel an der Autobahn. „Die Fenster waren gut, wir gucken schon, dass wir was Gescheites finden“, sagt Kirsten Boller (49), die im Jahr der Fußball-WM 1974 auf die Welt gekommen ist und in Pfeddersheim und Niederkirchen gekickt hat. Mit 18, ein Geburtstagsgeschenk, war sie zum ersten Mal auf dem Betzenberg. Und dachte sich: „Da werde ich doch Ordner, da kann ich umsonst zusehen.“ Sie machte das 28 Jahre.
Auch politisch engagiert
Sie ist Diplom-Sozialarbeiterin, Flüchtlingsberaterin und Integrationsmanagerin mit einer Stelle im Caritasverband in Karlsruhe. Ihr Mann (56) ist Sozialversicherungsfachangestellter im öffentlichen Dienst.
Die beiden scheinen seit 2005 überall gewesen zu sein: Handball-Europameisterschaften, Leichtathletik-Weltmeisterschaften, Champions-League-Finale in München, Eishockey, Fußball-EM der Frauen, Nordische Ski-WM, European Championships in München (er unter anderem beim Beachvolleyball, sie beim Straßenradrennen), Hockey-EM, Handball-Final-Four in Köln, Special Olympics, dazu Eintagesveranstaltungen. Bei den Weltspielen der Gehandicapten 2023 in Berlin waren sie Volunteers mit beeinträchtigten Volunteers. Als Tandems machten sie neue Erfahrungen. In der ARD lief ein Beitrag mit und über Kirsten Boller, die bei den Kommunalwahlen in Edenkoben die Liste der Grünen zum Verbandsgemeinderat anführt.
Traum: Finale in Dublin
Als Volunteers haben sie auch schon mal bei Privatpersonen übernachtet. Selten ist, dass Veranstalter Turnhallen für die Übernachtung anbieten. Sie haben die Erfahrung, immer wieder dieselben Leute zu treffen. Bei der Leichtathletik-WM 2009 in Berlin wurde Jürgen Boller enttäuscht: Extra Urlaub genommen und als Springer eingeteilt, sei er nicht eingesetzt worden und habe das Beste daraus gemacht und sich Wettbewerbe angesehen. Er spricht von „Seilschaften wie im wahren Leben“ bei der Vergabe der Posten. Das Familiäre sei ihm wichtig, ganz oben diesbezüglich Hockey, Handball, Volleyball und die Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf. Mit Trainern und Sportlern ein paar Worte zu wechseln. Ihm missfällt, wenn große Sportveranstaltungen nicht frei im Fernsehen empfangbar sind.
Wo gab es das beste Essen? In Frankreich, sagt Kirsten Boller. Was hat ihr großen Spaß gemacht? Maskottchen zu spielen wie bei der Fußball-EM der Frauen 2017 in den Niederlanden. Sie war Löwenweibchen Kicky: „Man wird nicht gesehen und kann ein bisschen Blödsinn machen.“ Was war sein Höhepunkt? „Das Kennenlernen meiner Frau“, sagt Jürgen Boller. Die Arbeit im Deutschen Hockey-Bund.
Sie haben Pressekonferenzen organisiert, Einlaufkinder betreut, sich im Merchandise eingebracht, als Chauffeure gearbeitet. Sie haben Pläne. „Hoffentlich mit Leverkusen“, sagt er zum Euroleague-Finale am 22. Mai in Dublin. Sie träumt von der Rad-WM im nächsten Jahr in Ruanda, er von der Reit-WM 2026 in Aachen – und von den Olympischen Spielen 2032 in Australien.