Fussball-WM-Talk RHEINPFALZ Plus Artikel Kazuaki Nishinaka und Christoph Schädler: „Wir gucken zusammen“

Christoph Schädler (links) ist 38, Kazuaki Nishinaka ist 29 Jahre alt.
Christoph Schädler (links) ist 38, Kazuaki Nishinaka ist 29 Jahre alt.

Am Mittwoch steigt die deutsche Nationalmannschaft gegen Japan ins WM-Turnier ein. Kazuaki Nishinaka spielt beim Landesligisten SV Büchelberg im Mittelfeld. Christoph Schädler, sein Chef in einem Wörther Sportgeschäft, war viele Jahre beim Bienwaldclub und beim TuS 08 Schaidt.

Welchen Stellenwert hat der Fußball in Japan?
Schädler (lacht): Ihr wollt doch nur Sumo-Ringen sehen.

Nishinaka (lacht auch): Bei den älteren Japanern ist es tatsächlich häufig so. Doch die junge Generation interessiert das eher weniger. Die wollen alle Fußball oder Baseball spielen.

Waren Sie mit der WM-Auslosung zufrieden?
Nishinaka: Nein, natürlich nicht. Mit Spanien und Deutschland haben wir zwei ganz harte Brocken. Fast alle Spieler beider Nationen spielen regelmäßig in der Champions League. Mir wären Katar oder die USA deutlich lieber gewesen.

Schädler: Es war klar, dass wir auf eine starke europäische Mannschaft treffen. Leichte Gegner gibt es sowieso nicht, das hat uns die Niederlage 2018 gegen Südkorea schmerzlich vor Augen geführt.

Was sind Stärken, was die Schwächen der Japaner?
Nishinaka: Wir haben viele technisch versierte Spieler, die sich durch ein anspruchsvolles Kombinationsspiel auszeichnen. Doch in den Zweikämpfen fehlt uns die Körperlichkeit, weil viele Akteure einfach zu klein sind. Wir brauchten noch einen mit dem Gardemaß eines Niklas Süle. Da haben wir außer Hiroko Ito vom VfB Stuttgart zu wenige im Team.

Hätten Sie den Kader auch so zusammengestellt?
Schädler: Ich hätte auf jeden Fall Mats Hummels mit seiner Erfahrung mitgenommen. Ich mochte solche Lautsprecher wie Matthias Sammer oder Stefan Effenberg, die deutlich ihre Meinung sagen. Hummels hätte keine Unruhe gestiftet, auch wenn er nur auf der Bank gesessen hätte. Er hätte ähnlich motiviert wie Lukas Podolski bei seiner letzten WM.

Nishinaka: Ich verstehe nicht, warum Genki Haraguchi von Union Berlin zu Hause bleiben musste. Er absolviert immer ein hohes Laufpensum und ist ein absoluter Kämpfer. Zudem hat der Coach für den verletzten Außenverteidiger Yuta Nakayama vom englischen Huddersfield Town mit Shuto Machino einen Stürmer nachnominiert. Völlig unlogisch.

Was halten Sie von den Trainern?
Nishinaka: Naohiro Takahara ist menschlich ganz in Ordnung. Doch er hat zu wenig taktisches Verständnis. Er greift zu selten aktiv ins Spielgeschehen ein und lässt unsere Jungs auf dem Feld häufig einfach machen, was sie wollen.

Schädler: Hansi Flick ist ein Topmann, er hat seine Qualitäten hinreichend unter Beweis gestellt. Bayern hätte ihn nie gehen lassen dürfen. Dennoch habe ich keine großen Systemveränderungen im Vergleich zu Yogi Löw festgestellt. Vorne fehlt weiterhin die Durchschlagskraft.

Hat die japanische Mannschaft einen Star?
Nishinaka: Unserem offensiven Mittelfeldspieler Takefusa Kubo sagen viele Fans eine große Karriere voraus. Er ist 21 Jahre alt und spielt bei Real Sociedad in der spanischen ersten Liga, wurde in der Akademie von Real Madrid ausgebildet. Von den acht berufenen Legionären aus der Bundesliga hat natürlich Daichi Kamada von Eintracht Frankfurt den höchsten Bekanntheitsgrad.

Wie weit kommen die Teams?
Schädler: Unser Anspruch muss es sein, Weltmeister zu werden. Unsere Spieler sind bei den größten Clubs der Welt unter Vertrag, haben zahlreiche nationale und internationale Titel errungen. Brasilien fährt ja auch nicht nach Katar und gibt als Ziel das Erreichen des Viertelfinals aus.

Nishinaka: Unser Trainer will ins Viertelfinale. Doch um die Vorrunde zu überstehen, müssen wir gegen Costa Rica gewinnen und gegen Spanien oder Deutschland einen Punkt holen. Vielleicht reichen vier Punkte zum Weiterkommen. Wichtig ist das Spiel gegen Deutschland, das dürfen wir auf keinen Fall verlieren.

Über die Umstände der WM-Vergabe wird viel diskutiert. Wie intensiv sind Sie dabei?
Schädler: Diese WM ist ein Spiegelbild des gesamten Fußballs, es geht nur noch um die Kohle. Es fehlt einfach das Flair. Ein solches Turnier gehört in den Sommer und in ein Land, wo die Menschen den Fußball lieben. Von der WM in Brasilien 2014 habe ich wirklich jedes Spiel gesehen. Das ist dieses Mal sicher nicht der Fall.

Nishinaka: Ich bin ein völlig unpolitischer Mensch, doch ich muss Christoph in vielen Punkten Recht geben. Es ist einfach ein komisches Gefühl.

Wie endet die Partie?
Schädler: Es wird ganz schwer, aber wir setzen uns knapp mit 2:1 durch.

Nishinaka: 1:1 und Daichi Kamada erzielt das Tor.

Wo sehen Sie sich das Spiel an?
Schädler: Wir gucken es auf jeden Fall zusammen. Es passt perfekt, weil wir mittwochs an den Nachmittagen geschlossen haben. Unser Freund Klaus Klöffer vom FC Bienwald Kandel hat uns eingeladen. Entweder gehen wir zu ihm oder zu mir nach Hause in Schifferstadt.

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