Die Sportlehrer RHEINPFALZ Plus Artikel Jens Dorst: Der Theorie und Praxis kennt

 Mit lauter Einsen auf der Brust den Teufelstisch-Trail gelaufen: Jens Dorst.
Mit lauter Einsen auf der Brust den Teufelstisch-Trail gelaufen: Jens Dorst.

Vom Verwaltungsfachangestellten zum Sozialkundelehrer, vom Fußballer zum Sportlehrer: Jens Dorst kann sich gut in Schüler hineinversetzen. Der 39-Jährige unterrichtet an der BBS Landau.

Mit der mittleren Reife begann Jens Dorst eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. Mitte des zweiten Lehrjahres reifte in ihm der Entschluss, noch etwas anderes zu machen. Nach einigen Monaten im Angestelltenverhältnis zog es ihn ans Wirtschaftsgymnasium nach Pirmasens. Er holte das Abitur nach und fing in Köln an, Sport und Sozialkunde auf Lehramt zu studieren.

Die Ausbildung nicht abgebrochen zu haben, davon zehrt Dorst (39) noch heute. „Es hätte schon aus persönlicher Einstellung nicht zu mir gepasst, etwas Angefangenes nach der Hälfte abzubrechen“, blickt er auf die Zeit zurück, als er noch gar nicht wusste, dass die erlernten Inhalte mal von großer Bedeutung sein würden. In der BBS profitieren wohl die Auszubildenden zu Verwaltungsfachangestellten am meisten, da ihr Lehrer den Beruf selbst erlernt hat. „Wenn ich nur Schule, Abitur und wieder Schule sehe, fehlt der Blick über den Tellerrand“, sagt er und geht auf Schwierigkeiten ein, die in den Ämtern oft vorhanden seien: „Auf der Zulassungsstelle beispielsweise wurden drei Monate einfach nur Dokumente in einen Ordner abgeheftet, da man selbst noch keine Zulassungen machen durfte. Wie soll man da nicht die Lust verlieren, selbst wenn die Motivation groß ist?“

Auf einer Wellenlänge mit Ausbildern

Dorst weiß um die Probleme seiner Schüler, da er sie in seiner Ausbildung selbst erfahren hat. Ein weiterer Vorteil sei der persönliche Kontakt zu den Ausbildern. Er könne sich mit ihnen auf einer Wellenlänge austauschen.

Im Sportunterricht spiegeln sich die allgemeinen Probleme der Heranwachsenden mit Bewegungsmangel und vermehrter Bildschirmzeit wider. Interessant sei, Schüler oft in einem anderen Kontext zu sehen, hat er bemerkt: „Sport taugt, wie sonst kaum ein anderes Fach, dazu, andere Fähigkeiten zum Vorschein zu bringen. So wird der weniger Motivierte an der Schulbank in der Sporthalle plötzlich zum Klassenbesten und zieht andere mit.“ Bestenfalls entwickele sich daraus eine Eigendynamik, in der sich Schüler gegenseitig motivierten. Auch im Fach Sozialkunde komme dies gelegentlich zum Vorschein.

Der größte Erfolg für den Lehrer

Ziel des Sportunterrichts sei es, Jugendliche zum Sport zu motivieren. „Die Leistungsstarken müssen wir nicht motivieren, die sind in ihrer Freizeit sowieso sportlich. Können von 20 Schülern drei die Begeisterung aus dem Unterricht in die Freizeit übertragen, ist das für uns der größte Erfolg“, sagt Dorst. Problem: Es fehlten Hallen, Stadien, Schwimmbäder und Sportplätze.

Eine Besonderheit stellt der Sport-Leistungskurs an der BBS Landau dar. Das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis sei ungefähr gleich gewichtet. Während in der Praxis Turnen, Leichtathletik, Schwimmen und Ballsportarten gelehrt werden, stehen in der Theorie Bewegungslehre, Trainingslehre und Taktikvermittlung auf dem Stundenplan. Aber auch sportpolitische Themen wie die Fußball-WM in Katar oder Doping im Leistungssport werden behandelt.

Der größte Erfolg als Fußballer

Dorst versucht, unsportliche Schüler nicht durch eine zu strenge Notengebung noch weiter sportlich zu demotivieren. Wer allerdings ständig fehle, dürfe keine Gnade erwarten.

Auch seine sportlichen Aktivitäten kann Dorst zu seinem Vorteil nutzen. 2001 feierte er den größten Erfolg seiner Fußballer-Laufbahn. Die A-Jugend des FK Pirmasens stand mit dem zentralen Mittelfeldspieler im DFB-Pokal-Finale gegen den VfB Stuttgart, der mit späteren Profis wie Kevin Kuranyi angetreten war. Obwohl das Spiel mit 1:5 verloren wurde, bleibt die Erinnerung an eine schöne Zeit, in der er Ausbildung und Fußball gut kombinieren konnte. Nach der Jugendzeit wechselte er mit seinem Trainer zur SG Bruchweiler, um dort drei Jahre in der Verbandsliga zu spielen. Mit Beginn des Studiums in Köln schloss er sich den SF Troisdorf an, um dort auf vergleichbarem Niveau agieren zu können.

Tennis hoch im Kurs

Nach dem Studium kehrte er zu seinen Wurzeln zurück nach Hinterweidenthal. Mittlerweile hat es den FCK-Fan auf den Tennisplatz gezogen. Er spielt beim TC Modenbachtal Hainfeld. Dorst lässt sich von Profis bei den Grand Slams inspirieren. So weit wie früher, als eine Niederlage oder eine schlechte Leistung schon mal das ganze Wochenende versauen konnten, geht der Ehrgeiz dann aber nicht mehr.

Die Erfahrungen aus dem Fußball könne er täglich nutzen: „Sowohl in der Schule, als auch auf dem Sportplatz hat man alle Gesellschaftsschichten beieinander. Das macht es leichter, unterschiedliche Reaktionen verstehen zu können.“

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