Lokalsport Südpfalz Interview mit Mittelstreckler Patrick Zwicker: "Nur alles oder nichts“
INTERVIEW: Mittelstreckler Patrick Zwicker hat seine Laufkarriere beendet. Bei einem schweren Sturz am 29. Januar 2015 beim Meeting in Düsseldorf erlitt er mehrere Bänderrisse und Verletzungen am Fußgelenk. Seitdem hat der Leichtathlet aus Offenbach immer wieder mit Rückschlägen zu kämpfen.
Eigentlich nicht, ich hätte das auch gerne nach hinten geschoben. Vor einem halben, dreiviertel Jahr kam der Gedanke, nachdem ich in der Hallensaison den Ermüdungsbruch erlitten habe. Da bekommt man ein zweites Mal auf die Fresse, die Sommersaison fällt ins Wasser und man wird auf den Boden der Tatsachen geholt. Und um die Zukunft muss man sich ja auch kümmern, nicht wahr? Dazu kamen dann noch andere Faktoren wie Studium und Beruf. Ich bin ein ehrgeiziger Typ, arbeite jetzt im Vertrieb und messe mich da auch mit meinen Kollegen. Jeder will der Beste sein, in dem Umfeld fühle ich mich wohl. Daher kann man schon sagen, dass ich dieselbe Leistungsorientiertheit aus dem Sport jetzt in den Beruf übertragen habe. Warum ich aufgehört habe: Ich konnte einfach nicht mehr die 100 Prozent geben. Bei mir gibt es nur alles oder nichts, mit 80 oder 90 Prozent wollte ich mich nicht zufrieden geben. Dazu kommen dann natürlich auch finanzielle Gründe, wenn sich Sponsoren zurückziehen. Wobei das bei mir nicht die große Rolle gespielt hat. Ich wollte auch einfach meinen eigenen Weg gehen. Wenn das Feuer noch gebrannt hätte für ein bestimmtes Ziel X, hätte ich vielleicht noch weitergemacht. So wie meine Karriere verlaufen ist, bin ich zufrieden. Wie geht es dem Fuß im Moment? Es ist alles okay, aber bei 100 Prozent bin ich noch nicht. Leistungssporttraining ist noch nicht machbar. Glauben Sie, dass Sie der Entscheidung irgendwann einmal nachtrauern? Ob es jetzt ein Jahr oder fünf Jahre dauert, ich bin mir sicher, dass der Tag irgendwann kommt. Aber aktuell ist es klar die richtige Entscheidung. Was bleibt am meisten in Erinnerung? Auf jeden Fall der U20-Europameister-Titel 2013 über die 800 Meter. Danach war man immer „der Europameister“, das macht einen schon extrem stolz. Wahrscheinlich jetzt nach der Karriere sogar noch mehr als während, weil man da ja immer nach dem nächsthöheren Ziel strebt. Das BWL-Studium haben Sie abgeschlossen und arbeiten jetzt in Frankfurt bei einem Vermögensverwalter. Ihr Traum-Job? Ich interessiere mich für ein breites Feld, deshalb habe ich auch BWL studiert. Ich bin ein vielschichtiger Mensch, kann mir auch vorstellen, mal beruflich im Sport tätig zu sein. Jetzt habe ich eine 60-Stunden-Woche, gehe darin völlig auf. Das liegt mir gut, mich tagtäglich anzuspornen. Man lernt auch immer wieder neue Menschen kennen, bekommt Einblicke in den Finanzmarkt. Aber wie gesagt, ich kann mir in Zukunft auch einen Job als Athletenmanager oder Veranstalter vorstellen. Hier in Frankfurt bin ich gut vernetzt, trainiere auch ab und zu mit den Sujew-Geschwistern Diana und Elina, die beide zum Bundeskader gehören. Hat die berufliche Zukunft auch eine Rolle bei der Entscheidung gespielt, mit dem Leistungssport aufzuhören? Ja. Im Sommer kamen die Jobangebote, da hatte ich die Qual der Wahl. Ich habe mich dann schon für das Abenteuerlichste entschieden, das liegt auch wieder an meiner ehrgeizigen Natur. Wie passt denn Büroarbeit zu einem Sportfreak? Ich spring hier schon auch rum, bin aber zurzeit nur im Innendienst. Wenn ich in den Außendienst komme, bin ich ja auch viel an der frischen Luft. Trotzdem wird mir nie langweilig. Abends kann ich ins Fitnessstudio hier im Büro. Meine Wohnung liegt am Main, da lässt es sich auch spät noch super laufen, anders als im kleinen Offenbach. Haben Sie im Frankfurter Raum einen Verein zum Trainieren gesucht? Mein Verein ist weiterhin die LG Region Karlsruhe. Für die werde ich auch laufen, sollte ich irgendwann mal wieder an den Start gehen. Aber es ist ganz klar ein Hobby. Und wenn es wieder kribbelt? Ich glaube, mein Trainer würde Freudensprünge machen, wenn ich ihm sage, ich möchte wieder auf ein bestimmtes Ziel hinarbeiten. Aber wie gesagt, das ist derzeit nicht absehbar. Wird man Sie weiterhin ab und zu bei Volksläufen in der Pfalz sehen? Das will ich nicht ausschließen, gerne würde ich auch in Offenbach starten. Aber ich kann nichts versprechen. | Interview: Daniel Meyer