Lokalsport Südpfalz Interview: Bienwald Backyard Ultra – 50 Stunden im Kreis laufen, wie das?
Wie bitte? 50 Stunden oder mehr im Kreis laufen, bis nur noch ein Mann oder eine Frau auf der Strecke ist? Michael Ohler organisiert das in Kandel, im Verein helfen viele mit, es soll eine schöne Veranstaltung werden. Ohler lehnt sich für den Bienwald Backyard Ultra an das Vorbild in Tennessee an. Er erzählt, wie er die Teilnehmer auswählt, und um was es geht.
Herr Ohler, wie verrückt sind die Männer und Frauen, die am 21. Juni bei dem von Ihnen organisierten „Last Man Standing“ antreten?
Das sind gestandene Ultra-Läufer. Vier Frauen sind dabei, eine ist abgesprungen. Eine kommt aus Schweden, eine ist Amerikanerin, die in Italien lebt. Die meisten wollen das Ticket für Tennessee. Dort lief der Sieger im vergangenen Jahr 68 Runden. Eine Frau war mit 67 Runden Zweite. Frauen haben ein enormes Stehvermögen. Ich habe den Lauf nach Rücksprache mit dem Gründer der Veranstaltung, Gary Cantrell, der ist eine Legende, auf Facebook gepostet und in den richtigen Foren platziert. Anmeldung ging nur über E-Mail an mich.
Sie selbst wollen nicht?
Nein. Ich würde gerne, aber ich laufe am Samstag die Deutsche Meisterschaft Ultratrail in Reichweiler mit anderen Südpfälzern und will bei der M50 etwas reißen. Außerdem: Ich könnte ja die Teilnehmer so auswählen, dass ich gewinne ... Im Ernst: Es ist eine Premiere, ich weiß nicht, was auf uns, den TSV Kandel, zukommt, und will allen einen guten Rahmen bieten. Vielleicht laufe ich mal einen anderen Backyard-Ultra, in Belgien oder so. Nach Reichweiler habe ich knapp zwei Wochen Endspurt für die Organisation.
Des Verständnisses wegen: Um 8 Uhr geht es an diesem Freitag los. Eine Stunde hat jeder, um eine 6,706 Kilometer lange Runde zu laufen. Um 9 Uhr hat er wieder an der Startlinie zu stehen, um 10 Uhr, um 11 Uhr, um 12 Uhr und so weiter. Wer nicht mehr antritt, ist raus. Am Sonntag, 23. Juni, um 10 Uhr wollen sie den Sieger küren – wenn der Lauf beendet sein sollte. Er ist zu Ende, wenn ein Läufer übrig ist. Dieser hätte dann in 50 Stunden gut 335 Kilometer laufend hinter sich gebracht. Sind Sie sich sicher, dass es so funktioniert?
Es wird Wellen geben, nach zehn Stunden, nach 16, 17 Stunden. Wer die erste Nacht durchsteht, hat Chancen. Es wird für den Kopf anstrengend, wir haben eine monotone Strecke gewählt. Es gibt bestimmt Grüppchen, bis noch vier unterwegs sind, dann zwei.
Die Rundenlänge ist an das Original angepasst, Sie nennen Big Dog’s Backyard-Ultra im Oktober in Tennessee, bei dem 24 Runden 100 Meilen entsprechen. Ihre Erfahrung als Ultraläufer: Ist es klug, ein Tempo einzuschlagen, das genau aufgeht, oder schneller zu sein, um nach jeder Runde 20 Minuten oder so pausieren zu können?
Das muss jeder für sich rausfinden. Ich glaube, dass sie am Anfang Energie sparen wollen, kurze Pausen machen werden, später mal 40-Minuten-Zeiten laufen, um sich zu waschen, umzuziehen. Im Schnitt gab es immer 48er-Runden. Es ist schwierig, wenn du lange gesessen bist. Gut ist es, dass du dann einen schnellen Gang einlegen kannst, langsam in den Trab übergehen, bis du wieder in den Fluss kommst. Es gibt beide Typen, die sich hinsetzen, die den Fluss brauchen.
Auf 30 Männer und Frauen beschränken Sie die Teilnahme. Der Proviant lässt sich kalkulieren. Was bieten Sie an? Und wo ist das Klo?
Wie bieten die Basics an, mal einen Blechkuchen, Salzstangen. Wenn jemand Bratwurst will: okay. Sonst ist jeder Selbstversorger. Eine fragte, ob wir eine Mikrowelle haben. Sie verträgt nicht alles und will sich Babykost erwärmen. Gut, haben wir auch. Das Klo ist im Stadion unter den Tribünen. Ich warne eindringlich vor Zecken an der Strecke ...
Haben Sie genug Helfer?
Im Schnitt drei, vier für Vier-Stunden-Schichten für die Verpflegung, für Grill, Getränke, und fünf für Fünf- und Sechs-Stunden-Schichten bei Streckenkontrolle und Zeitmessung. Hintenheraus werden weniger gebraucht.
Die Teilnehmer haben Sie nach einer Bewerbung ausgewählt. Schweden, Italiener, Franzosen, Niederländer sollen darunter sein. Wer ist der Erste, dem Sie absagen mussten?
Ich habe noch keinem absagen müssen. Einige haben gemeldet und aus privaten Gründen wieder abgesagt. Am Anfang sind viele skeptisch. Die meisten haben Begleiter dabei. Zu viel darf ich dem Bienwald nicht zumuten, wir laufen schmale Trails.
Am Tag wird durch den Bienwald gelaufen, in der Nacht auf Asphalt. Sie haben also zwei Runden vermessen?
Ja. Das hat eine Weile gedauert. In der Nacht laufen wir zuerst ans Schwimmbad und dann auf die Fünf-Kilometer-Runde der Deutschen Meisterschaft 100 Kilometer im September. Mit den Stadionbahnen lässt sich viel händeln, dass es passt.
Was passiert, wenn in diesen Tagen ein Unwetter mit Blitz und Hagel niedergeht?
Das werde ich abklären mit Gary Cantrell. Eine Option: raus aus dem Wald, dann wäre mal eine Gefahr gebannt. Vielleicht eine Unterbrechung. Es gäbe eine Entscheidung zum Wohle der Läufer.
Norden Ben Hassan von Eichis Laufladen ist der Lokalmatador. Hans-Jürgen Eichberger möchte den Siegerpokal überreichen. Wer wird das Rennen machen?
Georg Kunzfeld. Er hat gesagt, 50 Stunden könnte er. Norden ist auch eine harte Nuss. Er ist nicht der Schnellste, aber sehr, sehr standhaft. Wir werden ihn motivieren. Es sind ein paar gute Deutsche dabei. Ich bin gespannt.