VOLTIGIEREN
Hannah Steverding: „Gemerkt, dass ich was ändern muss“
Rheinland-Pfalz- und Pfalz-Meisterin, Fünfte bei der deutschen Meisterschaft, Top-Ten-Platzierungen bei internationalen Starts: Die sportliche Bilanz 2022 von Hannah Steverding fällt eigentlich gut aus. Wer die Wettkämpfe gesehen hat, weiß aber, dass da mehr drin war. Die 23-jährige Sportsoldatin hatte den Winter 2021/22 genutzt und intensiv an ihren Pflichtübungen gearbeitet. Das konnte sie in dieser Saison im Wettkampfzirkel umsetzen, erstmals erreichte sie im Pflichtbereich eine Note im Achter-Bereich. Was ihr allerdings fehlte, war die Konstanz im Wettkampf. Es ist Steverding über die gesamte Saison nicht gelungen, in einem Wettkampf alle drei Prüfungsteile auf gleich hohem Niveau zu präsentieren. Mal hakte es im Technikprogramm, mal in der Pflicht, mal lief die Kür nicht. Mit Vizeweltmeisterin Julia Sophie Wagner und der WM-Vierten Kathrin Meyer sind zwei Neulinge an Steverding vorbeigezogen. U21-Europameisterin Alice Layher erhöht den Konkurrenzdruck im deutschen Championatskader.
„Ich habe gemerkt, dass ich etwas ändern muss“, sagt Steverding im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Und ich habe gemerkt, dass ich gerne wieder Team machen würde, weil mich das weiterbringt“, fügt sie an. „Dann kam eins zum anderen“, ergänzt sie. In einem lockeren Gespräch mit den Trainern des Voltigiervereins Köln-Dünnwald brachte Steverding-Trainerin und Longenführerin Sophie Kuhn die Südpfälzerin als mögliches Kölner Teammitglied ins Gespräch. Denn das Team Norka, das 2022 Weltmeister in Herning wurde, ist im Umbruch. Drei der sechs Teammitglieder, darunter die Offenbacherin Chiara Congia, haben ihre Karrieren auf dem Höhepunkt beendet. Thomas Brüsewitz tritt künftig nur noch im Einzel an. Neben drei Pferdeturnern aus dem Kölner Juniorenteam komplettiert Steverding das Norka-Sextett.
Steverding Team-Älteste
„Ich bin mit relativem Abstand die Älteste“, sagt Steverding lachend. Sie wird Ende Januar 24, die zweitälteste im Team ist die 19-jährige Gianna Ronca, Team-Küken ist die zwölfjährige Larina Herpertz. „Wir verstehen uns alle gut, Gianna ist die Erfahrenste, was das Team angeht, und die Leitperson, die uns ranführt, wie das mit Teampferd Calli abläuft“, erzählt Steverding. Bela Lehnen, der 18-jährige Junioren-Einzeleuropameister, sei „für alle die Ansprechperson“, sie selbst müsse ihre Position erst finden. „Ich versuche meine Erfahrung einzubringen“, sagt sie. Steverding hat eine erfolgreiche Teamvergangenheit, mit dem VFZ Mainz-Ebersheim war sie 2016 Vize-Europameisterin geworden.
Das neue Kölner Team hat einen Altersdurchschnitt von knapp 17 Jahren. „Es gibt eine Kür, jeder hat seine Position und weiß, was für eine Aufgabe er hat. Das müssen wir jetzt auf dem Pferd kennenlernen“, erzählt sie. Wo die Reise hingehe, ob das Potenzial habe, um sich bereits im ersten Jahr international zu messen, sei noch nicht abzusehen.
Vier-Tage-Woche in Köln
Steverding wird künftig an vier Tagen in Köln trainieren, dafür zweimal dort übernachten. „Bisher habe ich das ganz gut hingekriegt“, sagt sie, ergänzt aber, dass es bislang noch keine normale Woche gegeben habe. „Wir hatten ein Trainingswoche, es war Bundeskaderlehrgang ...“ Steverding ist zuversichtlich, dass sie den Spagat Team in Köln und Einzel in Herxheim gut hinbekommt. „Ich habe das mit Torben (Jacobs, Trainer der Kölner) abgeklärt und mit Sophie (Kuhn, Heimtrainerin) zusammengesessen. Es soll nichts zu kurz kommen“, sagt sie. Möglicherweise ist es eine Befreiung für die 23-Jährige, wenn sie Teil einer Mannschaft ist und nicht alleine im Fokus steht. „Hannah macht sich selbst großen Druck“, sagt ihre Trainerin Sophie Kuhn.
Die Vorbereitungen auf das Einzel, wo sie nach wie vor für den Renn- und Reitverein Herxheim starten wird, sieht Steverding auf einem guten Weg. „Die Programme an sich stehen, das klappt auf dem Pferd auch ganz gut“, sagt sie. Sie wolle locker an die nächste Saison rangehen, in der sie „schon auf die Europameisterschaft“ blicke und die Qualifikation für die Titelkämpfe im schwedischen Flyinge als Ziel ausgibt. „Es sind viele kleine Schritte bis dahin“, sagt Steverding. Zunächst gelte es, „drei Umläufe gut durchzuziehen“.
Stallvertretung gesucht
Wenn Steverding nicht daheim trainiert, sondern in Köln beim Team ist, werden die Kölner Trainer Torben Jacobs und Elisabeth Simon ein Auge auf sie haben. „Da werde ich auch im Einzel gut betreut“, sagt die Herxheimerin lachend. Ihr Einzelprogramm wird sie dort überwiegend auf dem Movie trainieren, dem elektrisch galoppierenden Turnpferd.
Daheim im Herxheimer Stall wird sie fehlen. „Sie macht ja bei uns auch viel, sie ist Pferdepflegerin, mistet den Stall, bereitet das Futter vor“, bemerkt Sophie Kuhn. Für zwei ganze und zwei halbe Tage müssen diese Aufgaben neu vergeben werden. Kuhn hofft, dass ihr Schützling vom Team Norka profitiert. „Köln ist eine Ansammlung der kompetentesten Trainer, die es gibt“, sagt Kuhn mit Blick auf das Personal des Voltigiervereins Köln-Dünnwald. „Wir kommen voll gut mit allen aus und sind ihnen freundschaftlich verbunden“, ergänzt sie. Kuhn wird das eine oder andere Trainingswochenende in Köln verbringen, dann hat sie auch die beiden Pferde Steverdings, Royal Flash und Danzarino, dabei. Sie freut sich auf den regelmäßigen Austausch mit den Trainerkollegen. „Ich genieße es, in einer Gruppe von Trainern zu sein und nehme das auch gerne mit“, sagt sie.