Lokalsport Südpfalz Halten wie Edwin van der Sar
«RÜLZHEIM.»Diese Trends kündigen einen offenen Schlagabtausch heute um 19.30 Uhr an. Rülzheim kassierte zuletzt einen späten Gegentreffer und verlor durch das 1:1 gegen Phönix Schifferstadt zwei wichtige Zähler im Titelrennen. Davor verloren sie in Offenbach mit 1:2. Büchelberg schoss den Ludwigshafener SC mit 7:1 ab und trotzte am Sonntag Spitzenreiter FC Basara Mainz ein 1:1 ab. „Am Ende hätten wir eigentlich sogar gewinnen müssen“, sagt Houssam Nezhari, der Torwart der Büchelberger: „Wir waren endlich mal wieder als Mannschaft stark, ich hatte kaum was zu tun, aber vorne waren wir nicht konsequent genug. Da müssen wir zulegen“, sagt der 35-Jährige, der unweit vom Büchelberger Sportplatz mit seiner Frau und seinen beiden Kindern ein Haus gefunden hat. Aufgewachsen ist der im Außendienst für einen Leuchtenhersteller arbeitende Fußballer in Marokko, spielte dort in der U19-Nationalmannschaft und der ersten Fußball-Liga. „Ich wollte mehr können als nur Fußball“, sagte er zu den Beweggründen, nach Deutschland zu kommen und ein Elektrotechnik-Studium zu beginnen. „Mein Vater sagt heute noch, ich hätte in Marokko bleiben und als Fußballer Geld verdienen sollen.“ Nezhari ist inzwischen Deutscher und fühlt sich auch so: „Ich wollte mich integrieren, hatte hier kaum Kontakt zu Leuten, die auch aus Marokko stammen, und war so gezwungen, die Sprache schnell zu lernen.“ 2008 tauschte der 1,97 Meter große und 103 Kilo schwere Torwart die marokkanische gegen die deutsche Staatsangehörigkeit. Seine Frau mit kroatischen Wurzeln lernte er in Karlsruhe in einer Disco kennen. Mit dem SV Spielberg stieg er von der Verbands- in die Oberliga auf, über CfR Pforzheim kam er nach Büchelberg, wo er nach einer „Babypause“ seit März wieder die Nummer 1 ist und mit seinen fußballerischen Stärken und seiner Beidfüßigkeit das Spiel klug eröffnen kann. Früher habe er mal Probleme beim Herauslaufen gehabt. Schnee von gestern, sagt der „moderne Torwart“, der sich immer am Niederländer Edwin van der Sar orientiert hat. Für seine eigene Leistung braucht „Sam“ den Konkurrenzkampf: „Ein Torwart darf sich seines Platzes nie zu sicher sein, sonst kommen die Patzer“, sagt er und betont die gute Kameradschaft mit den anderen SVB-Keepern Julius Höpfner und Martin Böß. Mit Blick auf das Derby sagt er: „Wir haben nichts zu verlieren, haben wieder Spaß und mehr Leute im Training. An einem guten Tag ist da was drin für uns.“ Rülzheims Spielertrainer Patrick Brechtel weiß um die Gefahr, die von Büchelberg ausgeht: „Das ist eine gute Mannschaft, die zwischenzeitlich in einen Negativlauf kam, daher auf Platz elf schlechter dasteht als sie wirklich ist. Eine ambitionierte Aufgabe.“ Im Hinspiel setzte es für Rülzheim eine 2:4-Pleite beim Aufsteiger. Daniel Geiger fällt beim Tabellenzweiten weiter aus, Torwart Kadir Yalcin ist nach abgesessener Sperre heute wieder dabei. Zuletzt hatte Brechtel die Abwehr umgebaut. Steven Bendusch rückte von außen, wo ihn Maximilian Brechtel vertrat, nach innen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass dies nun so bleibt, denn der Coach war insgesamt zufrieden, auch wenn das späte Gegentor über Maximilian Brechtels Seite eingeleitet worden war. „Das kann immer mal passieren“, sagt Patrick Brechtel: „Die Konkurrenz in der Spitzengruppe hatte zuletzt auch so ihre Probleme. Schade ist nur, dass wir die Chance, uns ein Polster nach hinten zu schaffen, nicht genutzt haben. Aber wenn wir gegen Büchelberg gewinnen, stehen wir zum Jahreswechsel da, wo wir stehen wollten – auf Augenhöhe mit den Besten.“ Brechtel selbst verhalf sich gegen Schifferstadt unmittelbar vor der 1:0-Führung zum Comeback.