Lokalsport Südpfalz Glosse: Staff - neue Helden im Profisport
Fußball-Weltmeister, Deutscher Fußball-Meister - die Geschichte von Hans-Dieter „Hansi“ Flick ist wahrlich eine erfolgreiche. Doch der Erfolg des 55-jährigen Bayern-Coaches kommt nicht von allein. Er war wohl einer der Ersten, der in einem Interview davon sprach, dass Spieler, Trainerkollegen, Teammanager, Zeugwart, Balljungen, Physiotherapeuten und medizinische Betreuer genauso viel Anteil daran haben, und nicht dezidiert von allen sprach, sondern vom „Staff“. Jedenfalls verbinde ich das mit ihm.
Auch in Talkshows und sozialen Medien wird nun immer wieder vom Staff gesprochen. Was hat es damit auf sich? Wo kommt dieser Wunderfaktor auf einmal her? Und wieso haben Beckenbauer, Breitner und Co. nie von ihm gesprochen? Wir machen uns schlau.
Freund Google übersetzt den Begriff mit „Sachen“ oder „Zeug.“ Als Verb auch „füllen“ oder „ausstopfen.“ Meint Flick mit Staff also sich selbst, der nach dem Abgang Kovacs erst mal nur ein Lückenfüller sein sollte? Oder macht der FC Bayern im Training ganz besondere „Sachen?“ Das kann nicht stimmen. Das kann nicht die Bedeutung des neuen Zauberwortes sein. Ist sie auch nicht. Sondern die Übersetzung für „stuff“ - ähnlich geschrieben, ähnlich ausgesprochen.
Staff bedeutet „Mitarbeiter, Personal“ - also Teammanager, Physio, Platzwart. Alle eben. Warum dann nicht einfach Team? Oder Mitarbeiter? Oder jeden Beruf einzeln aufzählen? Letzteres wäre wohl zu aufwendig. Und ob Hansi Flick weiß, wer ihm beim wöchentlichen Bayernbankett das Wasser reicht? Wohl kaum. Unter dem Begriff Team verstehen die meisten nur die sportliche Mannschaft und durch den Begriff Mitarbeiter suggerieren die Obrigkeiten eine Höherstellung ihrer selbst.
Ein neuer Begriff muss also her. Einer, der jeden, der die immer komplexer werdende Profi-Fußball-Maschinerie mitantreibt, einschließt. Wie eine Familie. Kurz, klar, unmissverständlich. Ok, zumindest nach einer Google-Suche unmissverständlich. Staff.
Cool ist das aus dem Englischen eingedeutschte Wort auch noch. Und wenn sich Sky-Experte Lothar Matthäus, wie an jedem anderen Fremdwort auch, daran die Zähne ausbeißt, haben wir noch etwas zu lachen.
Die Profis sind Vorbilder. Was sie tun und sagen, überträgt sich auf die Amateurplätze. Gut möglich also, dass der Platzwart des FC Phönix Bellheim künftig gefragt, wird ob er zum Staff gehört. „Nein, ich mähe den Rasen“ - wird er beim ersten Mal noch entgegnen. Er wird sich an den Begriff gewöhnen müssen. Oder er gibt den Staffelstab an einen jüngeren Kollegen weiter. Jede Wette: Der Stuff macht die Runde.