Lokalsport Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Fußball: FC Bienwald Kandel hat in Landesliga alle Möglichkeiten – Warum läuft es so gut?

Mach doch Platz! Noah Beierle (weiß) mit energischem Einsatz gegen den Bodenheimer Dominik Lang.
Mach doch Platz! Noah Beierle (weiß) mit energischem Einsatz gegen den Bodenheimer Dominik Lang. Foto: Iversen

„Es ist schwer, etwas Negatives aus dem Hut zu zaubern, wenn man mit 40 Punkten in die Winterpause geht.“ Das sagt Marco Weißgerber, Cheftrainer der Landesliga-Fußballer des FC Bienwald Kandel, die an der Tabellenspitze überwintern. Ihm fallen dann doch noch kleinere Abzüge für die B-Note ein, die das gute Gesamtbild aber kaum trüben können.

Da wäre die Vorbereitung, die Weißgerber als katastrophal bezeichnet. Dies ist aber nur auf die Auftritte und Resultate in den Testspielen gemünzt. Richtig ist nämlich, dass Weißgerber seine Bienwald-Löwen da vor allem auch konditionell fit gemacht hat für die Runde. Zuvor hatte er offenbar eine treffende Analyse der Vorsaison gezogen und das Team genau dort verstärkt, wo es auch nötig war. „Die sieben Neuzugänge haben eingeschlagen, lediglich Valentin Lechner spielte bislang wegen seiner Verletzung keine Rolle“, resümiert Weißgerber.

Der Polizist in Leitungsfunktion formte eine Einheit aus Spielern, die er als „Wettkampfmannschaft“ beschreibt. „Pünktlich zum Rundenauftakt mit dem Pokalspiel in Rheinzabern waren wir auf der Höhe, erwischten dann auch einen guten Start in die Runde“, blickt er zurück. Vom Start weg mischte der FC vorne in der Spitzengruppe mit. Das alles, weil die Mannschaft als homogene Einheit auf dem Platz stehe. Selbst Ausfälle von Leistungsträgern wie den Kapitänen Janik Wagner und David Wagner sowie des Topscorers der Vorsaison, Sven Kollenda, konnte der Trainer auffangen. Die Chance, die sich durch Kollendas Ausfall bot, habe beispielsweise der aus Knittelsheim gekommene Lukas Bosch hervorragend genutzt.

Stadion: Aus der Not eine Tugend gemacht

Dass mit Blick auf die Torjägerliste der am Anfang der Runde noch an einer Verletzung laborierende Noah Beierle und Pascal Hüll herausstechen, schreibt Weißgerber auch dem Kollektiv zu: „Beide brauchen ja die Leute, die ihnen die Bälle auflegen oder die Standards rausholen, bei denen Hüll immer eine große Gefahr ausstrahlt.“ Oftmals seien es andere Spieler gewesen, die den „Dosenöffner“ gegeben hätten: Yannik Berdel oder Benedikt Brück hätten in wichtigen Spielen das 1:0 gemacht.

Aus der Not, dass zum Saisonstart nur der Kunstrasen neben dem Bienwald-Stadion bespielbar war, habe seine Elf eine Tugend gemacht: „Wir haben einen Glauben entwickelt, dass wir auf diesem Platz nicht zu besiegen sind“, erzählt Weißgerber. Die einzigen Punktverluste in Heimspielen gab es bei der kurzzeitigen Rückkehr auf den Stadionrasen gegen Bodenheim: 2:5 am 13. Oktober. „Wir bleiben jetzt bis zum Saisonende definitiv auf dem Kunstrasen“, will Weißgerber den Vorteil weiter nutzen.

Fit in der Schlussphase

Der zweite Punkt war die Stärke, Spiele in der Schlussphase umzubiegen oder zu entscheiden: Beim 3:2 in Herxheim und beim 2:1 in Geinsheim seien die Siegtreffer in der letzten Minute gefallen. In Grünstadt habe man kurz vor Ende aus einem 3:3 gar ein 5:3 gemacht, dazu in der Schlussphase unter anderem die Partie gegen Alzey gedreht. Das seien Beispiele für die Mentalität seiner Elf. Die wusste, dass ihr die Fitness in der Schlussphase einer Partie von Nutzen sein wird.

Höhepunkt für Weißgerber waren die souveränen Auftritte beim 5:1 im Derby gegen Büchelberg und beim 3:2 gegen Phönix Schifferstadt, das kurz vor Schluss noch Ergebniskosmetik in einer einseitig verlaufenen Partie betrieben hatte: „Da waren wir bärenstark, sind auch auf Platz eins gesprungen.“

Dominik Steinel habe in der Abwehr wie eine Bank gestanden, Yannik Berdel habe ihn mit viel Trainingsfleiß überzeugt. Im Winter wird der Kader leicht vergrößert: Aus Leimersheim kommt Torwart Marcel Weber, aus der A-Jugend des FSV Offenbach kehrt Nikolai Fritz zurück an den Bienwald, Carlos Taylor kehrt nach einem halbjährigen Intermezzo beim SV Büchelberg II „heim“. Den Abgang von Nik Strasser nach Billigheim hatte sich Weißgerber anders gewünscht: Der Spieler habe sich vom Team nicht verabschiedet und eine Vereinbarung mit dem TuS Schaidt ignoriert.

Mit Blick auf die Restrunde sagt Weißgerber: „Wir sind uns der großen Möglichkeiten bewusst, die sich uns jetzt bieten. Aber es sind immer mal wieder Mannschaften mit 40 Punkten eingebrochen. Von Platz eins bis fünf ist alles drin. Wenn der Aufstieg, den wir natürlich schaffen wollen, nicht klappen sollte, ist hier auch keiner böse.“ Am 1. März spielt Kandel gegen Gimbsheim.

Zwischenbilanz

Gesamt: 13 Siege – 1 Unentschieden – 4 Niederlagen; 51:29 Tore; 40 Punkte; Platz eins

Hinrunde: 11 – 0 – 4; 44:28; 33 Punkte; Platz eins

Heimbilanz: 8 – 0 – 1; 29:12; 24 Punkte; Platz eins

Auswärtsbilanz: 5 – 1 – 3; 22:17; 16 Punkte; Platz vier

Torschützen

15 Tore: Noah Beierle

12 Tore: Pascal Hüll

5 Tore: Lukas Bosch

4 Tore: Renaldo-Doru Balasa

3 Tore: Sven Kollenda, Lukas Seringer

2 Tore: Yannik Berdel, Kubilay Sahin

1 Tor: Benedikt Brück, Mert Murat Cetinkaya, Eugen Galkin, Marc Staiger, Dominik Steinel.

x