fangespräche
Freiburg, Bayern, Legenden und Phänomene
Spitzenspiel im erstmals ausverkauften neuen Europa-Park Stadion: Am Samstag (15.30 Uhr) empfängt der Rangfünfte SC Freiburg in der Fußball-Bundesliga Spitzenreiter Bayern München. Bayernfan Heinz Trauth schaut sich das Spiel von der Tribüne an, Herman Baumgart unterstützt seine Freiburger zu Hause am Bildschirm.
Herr Trauth, Herr Baumgart, Bayernfans gibt es überall, Freiburgfans sind in der Südpfalz eher rar. Wie sind Sie zu den Vereinen gekommen?
Hermann Baumgart: Das ist meine Heimat. Ich stamme wie Christian Streich aus dem Markgräflerland. Mein Onkel Hans hat beim SC gespielt. In einer Partie gegen den 1. FC Nürnberg erzielte er beim 2:1-Sieg einen Treffer gegen den legendären Heiner Stuhlfauth. Die Erzählungen meines Vaters haben mich fasziniert. Als aktiver Spieler des SV Rot-Weiß Buggingen hieß mein Trainer Günter Nageleisen, der zugleich beim SCF spielte.
Heinz Trauth: Ich war fünf Jahre alt und habe immer der Sportschau am Samstag entgegengefiebert. Dann hat Gerd Müller vier Tore gegen Fortuna Düsseldorf erzielt. Das hat mich fasziniert.
Wie weit geht Ihre Vereinsliebe?
Trauth: Ich bin seit 41 Jahren Mitglied, seit 1985 war ich bei fast jedem Spiel dabei, auch im Europapokal. Ich war einer der ersten Auswärtsdauerkarteninhaber. Ich bin Vorsitzender des Fanclubs Champions 94 Kandel. Der frühere Bayern-Spieler Peter Kupferschmidt ist mein bester Freund.
Baumgart (lacht): So arg ist es bei mir nicht. Doch ich bin früher zu mehreren Spielen von der Pfalz in den Breisgau gefahren und habe die Auswärtsspiele auf dem Betzenberg besucht. Als Wahlpfälzer schlägt mein zweites Herz für natürlich den FCK.
Was schätzen Sie am anderen Verein?
Baumgart: Bei den Bayern stimmt einfach alles. Die Vereinsführung hat den Übergang zu Oliver Kahn sehr gut gelöst. Es ist weltweit der einzige Topverein ohne Schulden. Beeindruckend war, wie sie 1860 mit der Stadionübernahme finanziell aus der Patsche geholfen haben. Zudem ist Thomas Müller für mich der beste deutsche Spieler. Nur die Verbindung mit Katar gefällt mir nicht.
Trauth: Es ist einfach ein sympathischer Verein, der in 30 Jahren nur vier verschiedene Trainer verpflichtete. Mit dem bescheidenen Etat ist der sportliche Erfolg beeindruckend. Wenn sie gefallen sind, sind sie immer wieder aufgestanden.
Wie fanden sie das Nationalmannschaftsdebüt von Nico Schlotterbeck gegen Israel?
Baumgart: Trotz seines Schnitzers am Schluss war er für mich der beste deutsche Spieler. Dass ihm TV-Experte Per Mertesacker Arroganz unterstellt hat, fand ich völlig daneben.
In der Startelf stand mit Jamal Musiala nur ein Bayern-Spieler.
Trauth: Bundestrainer Hansi Flick hat gegen einen schwächeren Gegner die jungen Spieler aus der U21 gebracht. Das war richtig so. Bei der WM in Katar werden wieder sechs Spieler der Bayern im Kader stehen, da bin ich mir sicher.
Schlotterbeck wird mit den Bayern in Verbindung gebracht.
Baumgart: Er hat noch ein Jahr Vertrag und ich hoffe, dass er den erfüllt. Wenn er clever ist, bleibt er in Deutschland. Dann kommt nur Bayern infrage. Ein Wechsel nach England käme noch zu früh.
Trauth: Ich freue mich, wenn wir wieder mehr deutsche Spieler verpflichten. Doch ich weiß nicht, ob es jetzt schon für einen Stammplatz reichen würde.
Wie erklären Sie sich das Phänomen Christian Streich ?
Baumgart: Ich glaube, dass er eben viel mit seinen Spielern spricht. Er kommt total authentisch rüber und ist sehr geerdet. Er geniert sich auch nicht, vor den Mikrofonen in seinem südbadischen Dialekt zu sprechen.
Er wurde immer mal wieder bei den Bayern gehandelt.
Trauth: Das hätte auch gepasst. Streich hätte es hinbekommen. Er bringt viel Erfahrung mit, und ich spreche ihm die gleiche hohe Kompetenz wie Julian Nagelsmann zu.
Was bringt Freiburg das neue Stadion?
Baumgart: Die Freiburger sind wahnsinnig stolz auf das neue Stadion. Es ist rundum geschlossen, ein echter Fußballtempel. Das Dreisamstadion hatte einen besonderen Flair, ideal in die Landschaft eingebettet. Unsere Bundesliga-Frauen und die zweite Mannschaft in der Dritten Liga spielen ja weiter dort.
In der Allianz-Arena wird von Operettenpublikum gesprochen.
Trauth: Es sind häufig viele Touristen im Stadion. Zudem fehlt die lautstarke Unterstützung der Ultragruppen, die ja immer noch die Spiele boykottieren. Bei den Auswärtsspielen ist es im Gästeblock deutlich lauter, da sind nur die echten Fans dabei.
Wie zufrieden sind Sie?
Baumgart: Es ist bisher optimal gelaufen. Ich bin wirklich positiv überrascht und hätte auf keinen Fall gedacht, dass wir uns gegenüber dem Vorjahr nochmals steigern können. Es kann für die Champions League reichen, weil wir unglaublich konstant agieren. Doch in diesem Fall müsste wegen der Doppelbelastung der Kader verbreitert werden.
Trauth: Wir haben einige Punkte unnötig liegen lassen, haben auch mehr Verletzte als im Vorjahr. Manche Differenzen wie im Fall Boateng sollten nicht in der Öffentlichkeit ausgetragen werden. Ich habe keinen Zweifel an der zehnten Meisterschaft in Folge. Denn auf einen Patzer von uns folgt regelmäßig ein Ausrutscher der Konkurrenz.
Wie geht es am Samstag aus?
Baumgart: Wir müssen einen guten Tag erwischen und die Bayern einen schlechten. Ich hoffe auf ein 1:1.
Trauth: Es wird schwer. Mit unserer offensiven Spielweise dürfen wir uns keine Konter einfangen. Aber wir gewinnen 2:1.