handball RHEINPFALZ Plus Artikel Felix Werling und die Deaflympics in Brasilien

Felix Werling (links) mit Sebastian Klein und seiner Medaille.
Felix Werling (links) mit Sebastian Klein und seiner Medaille.

29 Jahre nach dem letzten Titelgewinn bei den Deaflympics erreicht die Nationalmannschaft des Deutschen Gehörlosen-Sportverbandes in Brasilien wieder das Finale. Zum dritten Mal gewinnt der Wörther Felix Werling eine Medaille.

Es dauerte einen Moment, bis die erste Enttäuschung über die verpasste Goldmedaille verflogen war. Dann strahlte auch Bundestrainer Alexander Zimpelmann. Der 51-jährige Freinsheimer nahm seinen Schützling Felix Werling in die Arme und verdrückte einige Freudentränen. Auch deshalb, da er auf das Corona-Virus positiv getestet wurde und die Spiele gegen Kenia und Brasilien in der Quarantäne verfolgen musste.

Diesem Schicksal entging Felix Werling. Der 31-Jährige vom TV Wörth war noch vor dem Abflug positiv auf das Corona-Virus getestet worden und konnte erst mit dreitägiger Verspätung nach Brasilien reisen. „Ich hätte mir nicht vorstellen können, nicht dabei zu sein“, sagte Werling rückblickend.

Nur Kroatien stärker

Die deutsche Mannschaft durfte lange auf Gold hoffen. Aber in der zweiten Spielhälfte war sie gegen die „kroatischen Bären“ ohne Chance. Sie verlor mit 21:32 (7:12). Souverän wie noch nie war sie mit den Siegen gegen Serbien (30:25), Kenia (43:17) und Brasilien (43:20) durch die Vorrunde gekommen. Im Halbfinale besiegte sie die Türkei mit 34:20.

Imitator und Abwehrchef

„Nach dem enttäuschenden vierten Platz in der Türkei, Bronze in Taiwan und in Bulgarien freue ich mich sehr über die Silbermedaille, wenn ich auch gerne mit Gold nach Hause gefahren wäre. Die Kroaten waren uns aber im Angriff überlegen. Mit einem guten Mix aus jungen und auch älteren, erfahrenen Spielern konnten wir ein tolles Turnier bestreiten und so die Silbermedaille erreichen“, sagte Werling. Der 31-jährige Rückraumspieler erzielte 18 Tore und war einer der Zuverlässigsten in der deutschen Auswahl. Sebastian Klein (21/GSC Trier) und Jörg Tomaschweski (30/Hamburger GSV) waren noch erfolgreicher.

Ansprachen am Frühstückstisch

„Persönlich konnte ich mich sowohl spielerisch als auch technisch weiterentwickeln“, so der Maschinenbautechniker bei Daimler. „In der Gehörlosen-Nationalmannschaft bin ich der Abwehrchef ,Gandalf’, der für Ansprache und Motivation sorgen soll. In Wörth bin ich für Tore und Siebenmeter zuständig.“

Werlings Ansprachen am Frühstückstisch vor der Mannschaft sind legendär. Sie beflügeln und sorgen für viel Spaß in der Mannschaft. Der Blondschopf versteht es, andere zu imitieren. Er ist auch abergläubisch. Bei jedem Spiel trug er unter seinem Nationaltrikot das Superman-Shirt.

2000 Zuschauer beim Finale

„Felix ist eine ganz wichtige Persönlichkeit im Team“, sagte der Bundestrainer. Nach Kapitän Sven Lauckner und Daniel Kinnnback ist der Wörther der Dienstälteste im Kader.

Werling und Co genossen in Brasilien die Sympathien der einheimischen Fans und der deutschen Delegation. Mit über 2000 Zuschauern war das Finale ausverkauft, 450 waren an den Geräten bei SprungwurfTV. Selbst in vielen Kneipen war die Partie zu sehen.

Weiter geht’s mit Renovieren

„Es war eine sehr schöne Atmosphäre. Die vielen brasilianische Fans haben uns unterstützt, baten uns um gemeinsame Fotos und Autogramme“, erzählte Zimpelmann. Werling ist froh, dass es bei seiner vierten Teilnahme an den Deaflympics eine andere Medaille als Bronze gab. Es ist die fünfte Medaille für Deutschland seit der Aufnahme von Handball als Disziplin bei den Deaflympics im Jahre 1969. Und zugleich zum ersten Mal Silber.

Werling hat sich nach fünf Partien innerhalb von zehn Tagen zunächst Regeneration angeordnet. „Als jüngster von drei Handball spielenden Brüdern werde ich in den nächsten Wochen meine blauen Flecken verblassen lassen und mein Haus weiter renovieren, das ich vor Kurzem gekauft habe, damit ich es bald bewohnen kann“, beschrieb er seine nächste Aufgabe. Ans Aufhören denkt er nicht. 2025, wenn die Deaflympics in Tokio stattfinden werden, will er wieder dabei sein. „Vielleicht klappt es irgendwann doch noch mit Gold.“ Er hat schon das nächste Länderspiel im Blick. Am letzten September-Wochenende steht die Partie gegen Frankreich in Frankenthal auf dem Plan.

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