Lokalsport Südpfalz Dreckige Angelegenheit
«HERXHEIM.» Auf die Straße kann Marco König so nicht. Würde er trampen wollen, kaum einer würde anhalten, der 23-Jährige ist vom Kopf bis zu den Füßen mit Dreck verspritzt. Sein rotes Crossrad hat er mit Wasserstrahl gesäubert. „Sauberer wird’s nicht“, sagt er zu seiner Begleiterin. König ist der König des Cyclocross-Rennens des RSV Herxheim: Das sechste Crossrennen ums Herxheimer Waldstadion, er gewinnt zum fünften Mal.
Der Wind bläst, am Horizont drehen sich Windenergieräder, im Waldstadion flattern Absperrbänder. Es ist trüb und regnerisch am Sonntag. Nach der Einführungsrunde und den ersten Runden legt sich die Rennleitung fest: Sieben Runden sind heute zu fahren. Nach 1:01 Stunden wird König zum letzten Mal am Start/Ziel vorbeikommen. Danach beginnt das Warten auf den Zweiten, es ist Luis Neff von Tura Untermünkheim, der Sieger vor acht Tagen in Rheinzabern. Um den dritten Platz könnte es einen Dreikampf geben. Pascal Laukamp von BWM SG München kann sich dann doch noch absetzen auf dem weichen Boden. „Ich bin ein Matchfahrer, da kann ich auftrumpfen“, sagt der 28-Jährige aus Nürnberg über seinen ersten „Treppchenplatz“ mit Lizenz. Bis vor dieser Saison war er Hobbyfahrer. Der Sieger wusste nicht, ob er so auftrumpfen könnte. Nach dem Cross in Offenbach fühlte er sich schlapp, verpasste die Landesmeisterschaft in Wiesbaden und das Rennen in Rheinzabern. „Jetzt geht es wieder, ich bin wieder fit, grundlegend“, sagt er, der nach Reichenbach umgezogen ist, ein paar Kilometer vom Elternhaus in Weilerbach entfernt. Bei Opel in Kaiserslautern arbeitet er in der Qualitätssicherung. Nach dem Start wartet König ab, wie es läuft. Eine Zeit lang kann Neff, der 21-jährige Zottishofener, der in Karlsruhe studiert, ihm folgen. „Irgendwann konnte ich nicht mehr mithalten, er ist ein Crossspezialist, das merkt man“, sagt der Zweitplatzierte nach dem dreckigen Rennen. Der Match hat ihm Spaß gemacht. Er bemerkte, dass die Lücke hinter ihm größer wurde, konzentrierte sich darauf, keinen Fehler zu machen: nicht wegrutschen, nicht stürzen, sich keinen platten Reifen einhandeln. Der Nürnberger Laukamp ist mit einem Kumpel, mit Mike Stangl, der parallel das Crossrennen in Bensheim fährt, zu BMW SG München gewechselt. Warum er in die Südpfalz kommt? „Bei uns sind vier Rennen weggebrochen“, erzählt er, allein drei durch den Abriss der Steherbahn in Reichelsdorfer Keller. Dort würden nun Wohnungen gebaut. Am vergangenen Wochenende ist Laukamp die bayrische Meisterschaft in der Jachenau gefahren. Nun hat der Lagerist 300 Kilometer Autobahn auf dem Heimweg vor sich. Um 1 Uhr beginnt sein e Arbeit bei Edeka. Einen kurzen Weg hat Patrick Lechner, der Herxheimer vom Team Bike Aid, der schon mal im Saarland wohnte. Er hat das Rennen auf dem achten Platz vor Fabian Genuit beendet. Von 21 Startern beenden 19 das Rennen. Für Seriensiegerin Messane Bräutigam von der RSV Rheinzabern war das Rennen der Schülerinnen U15 gestern schnell vorbei. Auf dem Weg von der Einführungsstrecke ins Stadioninnere fuhr sie außen, sah den zur geöffneten Schranke gehörenden Pfosten wohl erst im letzten Moment, prallte dagegen und überschlug sich, ihr Schutzhelm soll gebrochen sein. Die Sanitäter vor Ort legten ihrem Vater nahe, sie zur Untersuchung ins Krankenhaus zu fahren. Am frühen Abend gab Nils Bräutigam Entwarnung: Messane sei in Kandel geröntgt worden, nun sehe sie sich schon wieder Sport im Fernsehen an und mache sich Gedanken über die Schule.