Lokalsport Südpfalz Die Sache mit dem Kopf

Die C-Jugend ist an der Reihe, auf dem Speed Court ist Andreas Benz. Rechts Jugendtrainer Heiko Pabst. Links hinten Lutz Landgra
Die C-Jugend ist an der Reihe, auf dem Speed Court ist Andreas Benz. Rechts Jugendtrainer Heiko Pabst. Links hinten Lutz Landgraf bei einem Jugendlichen.

«OFFENBACH.» „Handballspielen beginnt im Kopf“, sagt Lutz Landgraf gefühlt jedes Mal, nachdem er eine neue Übung erklärt hat. Für vier Termine hat der TVO ihn engagiert, vierteljährlich reist der Handball-Fachmann mit Sack und Pack an und verwandelt die Halle in ein High-Tech-Trainingszentrum. Mit Tablet läuft Landgraf umher, filmt alles, was ihm auffällt, und kann es in Echtzeit oder verzögert in Zeitlupe auf einer Leinwand der Trainingsgruppe vorspielen. Landgraf gibt Tipps zum Thema Technik und Eins-gegen-Eins, lässt Torwürfe mit der Wurfplane üben oder misst Geschwindigkeiten und Reaktionszeiten mit Lichtschranken und den sogenannten „Fit Lights“. Zum ersten Mal am Samstag im Einsatz: der Speed Court, eine etwa vier mal vier Meter große Fläche mit kleinen Feldern in den Ecken, der Mitte und an den Seiten, die durch Auftreten mit dem Fuß ein Signal geben. Bei verschiedenen Übungen wird auf einem Monitor dann vorgegeben, in welche Richtung der Sportler sich bewegen, oder welche Muster er ablaufen soll. Dadurch werden nicht nur Muskeln leistungsfähiger und Sportler schneller gemacht, sondern auch der Kopf trainiert. Situationen können besser antizipiert, Zeitverluste minimiert oder die Präzision von Handlungen gesteigert werden. Ein Training, das vor allem im Jugendalter große Leistungssprünge bezwecken soll. „Dadurch wollen wir einfach ein zusätzliches Training für unsere Talente anbieten“, sagt Heiko Pabst, Sportlicher Leiter Jugend beim TV Offenbach. Was beim normalen Training oft hinten abfallen muss, weil die gruppentaktischen Dinge im Fokus liegen, wird hier nachgeholt. „Jetzt gilt es, solche Dinge in unser wöchentliches Training einzubauen. Das alles nur einmal zu trainieren, bringt nichts. Man muss immer wieder daran arbeiten“, so Pabst. Ohne den teuren Speed Court könne man das gleiche etwa mit Markierungen und einer Stoppuhr simulieren. „Das gehört dazu wie Torwart-Training“, sagt Pabst, der selbst immer mehr mit Tablet in seiner D-Jugend arbeitet und so seinen Spielern direkt Fehler zeigen und Verbesserungen anschaulicher erklären kann. Das macht auch Landgraf im Training mit den C-Jugendlichen des TVO. „Nun müsst ihr euch sechs Zahlen merken und die dann auf dem Court ablaufen“, erklärt er. Wenn die Spieler die erste Zahl aktivieren, verschwindet die Reihenfolge auf dem Monitor. Wer sich die Reihenfolge clever einprägt, kann sich also mehr auf die Schnelligkeit konzentrieren. Das klappt unterschiedlich gut. Andreas Benz hat die undankbare Aufgabe, als Erster die neue Übung zu meistern. Er braucht 1:43 Minuten, verläuft sich und muss immer wieder neu anfangen. Bei Tamino Heller klappt das schon besser, er ist nach knapp 44 Sekunden durch. Landgraf ist unzufrieden, er vermisst die Cleverness der Spieler. „Warum geht ihr nicht gleich an die erste Zahl vor dem Start, so müsst ihr euch nur noch fünf Zahlen merken? Ihr startet ja alle in der Mitte“, sagt er. Nationaltorwart Andreas Wolff habe das gleiche Spielchen mal in einer TV-Sendung spielen müssen. „Da hat er sich sogar zehn Zahlen merken müssen und das über die Rückennummern seiner Mitspieler gemacht.“ Wolff habe die Übung mit immer wieder wechselnden Reihenfolgen fünf Minuten durchgehalten, bis er seinen ersten Fehler gemacht habe. Nach dem Training gibt der Experte den Jungs einen Fragebogen zum Ausfüllen mit, um die Leistungsentwicklung überprüfen zu können. „SRTTT“ steht darauf, und in diese fünf Themen sind die Fragen auch untergliedert: Situative Spiellösungen, Reaktion, Torgefahr, Timing und Tempo. Aber das Wichtigste haben die Spieler an diesem Tag oft genug zu hören bekommen: „Handballspielen beginnt im Kopf!“

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