fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Der Litauer im saarländischen Exil

Tomas Cerniauskas
Tomas Cerniauskas

Der TuS Knittelsheim und der VfB Hochstadt eröffnen den zwölften Spieltag der Fußball-Bezirksliga (Samstag, 17.30 Uhr). Viel spannender wird es am Sonntag, wenn der VTG Queichhambach den punktgleichen 1. FC 08 Haßloch zu Gast hat (15.30 Uhr). Hier geht es um die Qualifikation zur Aufstiegsrunde. Ein aus Litauen stammender Pfälzer im saarländischen „Exil“ könnte den Ausgang maßgeblich mitbestimmen.

Als Dreijähriger kam Tomas Cerniauskas mit seinen Eltern aus der Baltenrepubik nach Klingenmünster. Später spielte er in der Jugend des SC Hauenstein, stand auch im Oberliga-Kader. Ein Intermezzo beim TB Jahn Zeiskam und die Rückkehr zum SC folgten. Seit vier Jahren ist er in Queichhambach. Er fühlt sich so wohl, dass er dem Klub die Treue hält, obwohl er seit einem Jahr in Saarbrücken lebt und am August-Wilhelm-Scheer-Institut an digitalen Innovationen und künstlicher Intelligenz arbeitet. „Der Beruf ist auch meine Leidenschaft. Ich lese in meiner Freizeit sehr viel über diese Dinge“, sagt der 28-Jährige.

Training in Blieskastel

Ein Wechsel, beispielsweise zum saarländischen Landesligisten FC Bierbach, bei dem er unter der Woche mittrainiert, sei zumindest in der laufenden Runde kein Thema: „Der VTG ist mir sehr wichtig, er ist sehr familiär, es wird einem viel gegeben. Ich freue mich jeden Freitag auf die Jungs, wenn ich zum Abschlusstraining fahre, sie zu sehen, mit ihnen zu plaudern. Gerade in der Corona-Phase wäre ein Wechsel sehr unangebracht gewesen.“

Der Mann für die Kabinenmusik

„Cerni“, wie ihn alle nennen, ist auch verantwortlich für die gute Stimmung. Selbst immer gut gelaunt, legt er die Kabinenmusik auf: „Von Latin über House und Black ist da alles dabei. Die Ballermann-Hits überlasse ich aber Jan Wachter“, sagt der zentrale Mittelfeldspieler, der laut Trainer Edin Pita den Kurz- und Doppelpass ebenso beherrscht wie die Schnittstellenbälle. Dies hat dem VTG zu Rundenbeginn gefehlt, als „Cerni“ verletzt war. Auch für die richtigen Aufgüsse in der Sauna ist der Allrounder verantwortlich.

Cerniauskas sieht kein Problem darin, dass er nur einmal wöchentlich mit dem Team trainiert: „In Bierbach ist das Niveau etwa gleich hoch. Und ich bin so ehrgeizig, dass ich auch selbst noch zusätzliche Übungen absolviere. Die Mitspieler beim VTG kenne ich schon teils seit der Jugend, da gibt es spielerisch gar kein Handicap.“ Das gibt es eher beim Verstehen des saarländischen Dialekts: „Teilweise musste man mir dreimal sagen, was man von mir wollte“, sagt er mit einem Lachen. Aber die pfälzischen Saarländer-Witze könne er nicht ganz nachvollziehen. Er sieht eher Gemeinsamkeiten – bis auf die Aussprache eben.

Weihnachten bei Verwandten

Weihnachten wird in der Regel mit Verwandten im südlichsten der drei Balten-Staaten gefeiert. „Wir sind eigentlich eine Basketball-Nation“, sagt „Cerni“, der immer dafür zu haben ist, auch mal ein paar Körbe zu werfen. „Außerdem sind wir stolz, dass wir unsere Unabhängigkeit von der damaligen UdSSR durchsetzen konnten. Das trägt bis heute jeder in sich. Die Menschen dort sind rau, aber offen und fleißig, bitten einen auch zu Tisch. Und der ist immer gut gedeckt“, erzählt er von seinem Heimatland, für das er in der U17- und U18-Nationalmannschaft aufgelaufen ist. Auch deshalb habe er noch fußballerische Kontakte zu Landsleuten.

Während Cerniauskas am Sonntag im Kader stehen wird, fehlt Julien Memmer (Mandeloperation). Edin Pita wurde nach einem Trainingssturz an der Schulter operiert. „Aber ich coache das Team“, sagt er, der es im Aufwind sieht. Wie auch Cerniauskas. Er geht nicht davon aus, dass dem VTG wie im Hinspiel nach „einer überragenden ersten Hälfte“ und 4:0-Führung wieder „die Kraft ausgeht“ und das Spiel abermals 4:4 enden wird: „Bei uns ist der Flow wieder im Kommen, was auch mit der Rückkehr von Janik Lelle zu tun hat.“

x