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Der Junge aus Kasachstan
Der FC Bayern München sicherte sich sechs Titel im Jahr 2020. Nicht schlecht. Waldemar Barbe hat drei Pokalgewinne innerhalb eines Monats geschafft.
Sein jüngster Erfolg: der 4:1-Sieg im Endspiel der Ü40-Senioren gegen die SG Dammheim/Mörlheim. Barbe (42) stand im Tor der SG Rheinzabern/Neupotz. Mitte Juli gehörte er zum Kader der ersten Mannschaft des SV Olympia Rheinzabern, die in Neuburg das Finale gegen den FC Bavaria Wörth gewann. Er war wenige Tage zuvor von der TSG Jockgrim zu den Olympioniken gewechselt. Sein bester Freund Marco Weigel hatte dort als Trainer angeheuert und brauchte nach zahlreichen Abgängen noch Verstärkung und Erfahrung in der Mannschaft.
Unmögliche Bälle rausgeholt
Beim dritten Pokalsieg stand Barbe im Mittelpunkt. Im Ü32-Finale traf die SG Rheinzabern/Neupotz auf die SG Neuburg/Berg. Barbe machte das Spiel seines Lebens. „Er hat in der Verlängerung zwei unmögliche Bälle rausgeholt. Ich weiß nicht, wer die sonst hätte kriegen können“, sagt Mitspieler Ralf Jäger. Im Elfmeterschießen parierte Barbe zwei Schüsse, seine Mannschaft gewann mit 4:2.
Barbe ist eigentlich Stürmer. Im Alter von 13 Jahren kam er mit seinen Eltern aus Kasachstan hierher. Er erzählt: „In meiner kasachischen Heimat gab es keinen organisierten Jugendfußball. Da haben wir immer nur zum Spaß gekickt.“ Die Familie wohnte zwei Jahre in Bellheim, ehe sie nach Wörth zog. Der kleine Waldemar schloss sich der D-Jugend in Knittelsheim an. Dies half ihm, die Sprache zu lernen. Seine Trainer waren Frank Wiegerling und Wolfgang Trauth. Der frühere Torjäger Trauth prägte ihn: „Er hat mich immer in Wörth mit dem Auto zum Training und zu den Spielen abgeholt. Und er hat mir beigebracht, beidfüßig zu schießen.“
15 Jahre Pause
In Knittelsheim spielte er noch ein Jahr aktiv. Dann wechselte er für drei Jahre zum FC Berg. In den nächsten 15 Jahren hatte er wenig mit Fußball am Hut. Er ging zur Bundeswehr, heiratete, wurde Vater. Mit seinem ältesten Sohn kam er 2015 wieder zum Fußball. Barbe wurde sein Trainer bei den E-Junioren der TSG Jockgrim.
Bei einer Dorfmeisterschaft fehlte einem Team ein Torhüter. Barbe erklärte sich bereit. Fortan spielte er entweder im Tor oder in der Sturmspitze. Im Spiel der A-Klasse SV Viktoria Herxheim II gegen SV Olympia Rheinzabern (2:0) wurde er in der 76. Minute als Stürmer eingewechselt.
Beide Söhne spielen in Jockgrim: der 19-jährige Michael in der zweiten Mannschaft, der 16-jährige Dominik bei den B-Junioren. Ihr Vater verfolgt ein großes Ziel: „Ich möchte mit ihnen in einer Mannschaft auflaufen. Das dauert noch drei Jahre, so lange spiele ich auf alle Fälle noch.“ Barbe hat Industriemechaniker gelernt und als Werkzeugmacher gearbeitet. 2010 wagte er den Sprung in die Selbstständigkeit. 2014 erkrankte er und konnte über ein Jahr nicht arbeiten. Heute ist er Schlosser in einem Betrieb für Stahl- und Metallbau.