Lokalsport Südpfalz
Bewegte Kinder: Warmmachen mit Basketballerin Nora Zoller
Wann er zum letzten Mal Sport gehabt hat? Jan Wisser muss gar nicht überlegen: am Morgen in der Schule. Tennis. Den Basketball hatte er auch dabei. Mit Freunden geht er bei Gelegenheiten ins Mann-gegen-Mann-Dribbling. Sein Glück: Frau Bott, die Lehrerin am Alfred-Grosser-Schulzentrum in Bad Bergzabern, ist Basketballerin. Das jüngste Basketball-Training im Verein ist lange her. Um zu demonstrieren, wie kleine Basketballer Koordination trainieren können, schaut heute Nora Zoller bei ihm vorbei. Das Warm-up bei tristem Mai-Wetter ist erledigt: den Ball tippen, dann dribbeln. Um Gefühl in die Fingerspitzen zu bekommen.
Jan ist zehn Jahre alt. Wenn es weitergeht im Verein, spielt er in der U12. Nora Zoller ist 20, studiert in Landau im zweiten Semester Politik und Sport auf Gymnasiallehramt, trainiert beim TV Bad Bergzabern die Mädchen U16 und ist die jüngste Spielerin der TVB-Frauenmannschaft. „Gerade im frühen Kindesalter, von sechs bis zehn, sollte darauf geachtet werden, dass Kinder koordinative Fähigkeiten erlangen“, erklärt sie. Danach beginne die Schlüsselphase des späteren Bewegungskönnens, könnten erste Techniken vermittelt werden.
Sockenknäuel statt Ball
Schon kommt ein Tennisball geflogen. Sie wirft ihn Jan in Ellbogenhöhe auf die linke Körperseite zu, während der mit rechts einen Ball dribbelt. Den kleinen Ball zu fangen und den großen nicht zu verlieren, ist anspruchsvoll. Gelingt ihm das, passt er den kleinen Ball zielgenau zurück. Im Idealfall entwickelt sich eine flüssige Bewegung: prellen, fangen, prellen, zurückwerfen, prellen, fangen. Zoller erklärt: Die Konzentration wird vom Dribbeln auf eine andere Aktion gelenkt. Dribbeln wird selbstverständlicher, automatisiert sich. Dabei den Kopf immer schön hoch halten, alles im Blick haben. Alternativ für den Tennisball nimmt Zoller ein zusammengeknäultes Paar Socken. Das geht auch.
Im Dezember und Januar hatte sie Trainingspläne fürs Team erstellt und ihm Videos gesendet, die auf Portalen im Internet laufen. Dazu kam alle zwei Wochen ein Onlinetraining, das alle zusammen absolvieren konnten. Bald merkte sie, dass bei den Kindern die Motivation nachließ. Jetzt schickt sie dem Team kleine Karten über Whatsapp mit Anleitungen: „Ich kann ja nicht mit ihnen Dribbeln üben.“
Kopplungsfähigkeit
Eine andere Übung: den Ball tippen, mit links, mit rechts, dabei auf beiden Beinen stehen, dann nur auf dem linken Bein, dann auf dem rechten. Ziel des Ganzen: Arme und Beine koordinieren zu können und dabei das Gleichgewicht zu halten. Nora Zoller spricht von Kopplungsfähigkeit.
Jan kann mit seinen Geschwistern im kleinen Hof vor der Haustür Basketball spielen. Zwei Korbanlagen sind da, eine für die kleine Schwester Klara, eine für ihn und Sophia. Die Wissers sind eine Basketballerfamilie. Die Kinder waren schon immer dabei, wenn Papa Michael auflief. Sophia spielt in der U16, Klara in der U10.
Lahmes Internet
Die Jüngste bekommt ihre Schulaufgaben noch auf Papier. Was einen Vorteil hat: „Zwei Homeschooling-Kinder zu Hause, schon das funktioniert nicht“, sagt Susanne Wisser. Wegen des schlechten Internets. Online-Basketballtraining mit einer normalen DSL-Leitung? Schwierig im Ort.
Reales Training? Geht sogar im Haus. Den Basketball über den Kopf hinter den Rücken werfen und fangen. Sich einzustellen, dauert ein bisschen. Der Trainerin geht es um Reaktions- und Orientierungsfähigkeit.
Lernfortschritte kontrollieren
Der Lernfortschritt kann kontrolliert werden. Sind die Übungen beim zweiten Mal leichter gefallen? Vater und Mutter, die ihre Kinder beobachten oder sich mit ihnen ins Koordinationstraining stürzen, können eine Einschätzung sagen. „Man ist oft zu sich selbst kritischer“, bemerkt Zoller. „Das hast du gut gemacht. Super“, lobt sie Jan.
Eine weitere Übung: Zwei kleine Bälle in die Hände nehmen. Den Ball in der rechten Hand hochwerfen und – der Ball in der linken Hand wird inzwischen zur anderen gespielt – und mit der linken Ball fangen. Im Idealfall gibt es eine fließende Bewegung. Dann wechseln: Den Ball in der linken Hand hochwerfen und – der Ball in der rechten Hand wird zur anderen gepasst – und mit der rechten Hand fangen. Wenn das klappt, es mal mit einem Basketball versuchen. Zoller übt das zwei Minuten lang. Nach einer kurzen Pause geht’s weiter. Und es gelingt schon viel besser.
Erste Schiri-Lizenz mit 16
Ihr Team pausiert. Jede Spielerin macht was für sich selbst. „Jeder wartet darauf, dass es endlich wieder losgeht“, sagt Zoller, die in Bad Bergzabern aufgewachsen ist und nun in Landau wohnt. Eine Umfrage hat ergeben: Der größte Wunsch der Basketballer ist, dass sie wieder in die Halle, wieder trainieren und spielen können. „Aber ich kann ihn ja nicht erfüllen“, bedauert die 20-Jährige, die auch Schiedsrichterin ist. Mit 16 machte sie die erste Lizenz, mit 18 die zweite. Damit kann sie Männerspiele in den unteren Klassen bis Bezirksliga leiten.