Fussball
Auf den Spuren von FCK-Legende Miro Klose
„Let's play – Zwei Partnerregionen, ein Team“ steht auf den schwarzen Shirts der 30 neun bis zwölf Jahre alten Kinder, die auf drei Feldern parallel auf dem Fußballplatz der Sportschule in Edenkoben kicken – ganz im Sinne der Gemeinschaft zwischen Nachwuchsfußballern aus zwei Ländern.
Vorne läuft die Partie der vierten Runde Polen gegen Spanien mit Jasmin und Tymoteusz, die sich gefunden haben. Er bereitet Tore vor, sie macht sie. Er ist von der Miro-Fußballschule Oppeln in der polnischen Großstadt, die ein Zentrum der deutschen Minderheit im Land ist. Sie ist von der Realschule plus Edenkoben. Die 30 Schüler sind zwei volle Tage zusammen in der Sportschule: kicken, frühstücken, essen zusammen, besuchen das Hambacher Schloss, waren schwimmen im kleinen Hallenbad der Sportschule. Eine Begegnung in der 25 Jahre alten Partnerschaft Rheinland-Pfalz-Oppeln.
12 Stunden Busfahrt für die Nachwuchsfußballer aus Polen
Mateusz Bachem ist von der SWFV-Sportschule angetan. Mit einem mit 22 Personen besetzen Bus ist seine Gruppe gekommen. Zwölf Stunden Fahrt. Der 33-Jährige hat in der Dritten Liga gespielt, trainiert die U15 in Oppeln und leitet die Miro-Fußballschule, in der 26 Trainer an zwölf Standorten arbeiten.
Fußballlegende Miroslav Klose (48), in Oppeln geboren, Fußballer beim 1. FC Kaiserslautern, SV Werder Bremen, FC Bayern München und Lazio Rom, Rekordtorschütze der deutschen Nationalmanschaft seit der WM in Brasilien, gibt seinen Namen für die Fußballschule mit zweimal Training in der Woche. Die Idee hatten die Gründer nach der WM 2014. Klose, heute Trainer in Nürnberg, wird die größte Rolle in einem Quiz spielen, für die die Schüler am Mittwoch vor dem Mittagessen zusammenkommen. Thema: „Mein Sport-Vorbild.“
Das große Vorbild des Trainers? Oliver Kahn
Sein Vorbild? „Oliver Kahn“, sagt der frühere Torhüter Bachem. Er hat sofort das Champions-League-Finale 1999 FC Bayern München gegen Manchester United (1:2) vor Augen. „Ich hatte jedes Trikot“ von Kahn.
Der 33-jährige Bachem absolvierte Praktika bei Bayern München, in Düsseldorf, Köln, Bilbao und stuft die SWFV-Sportschule als beste erlebte Anlage nach dem Campus der Bayern ein, wo er ein krasses Erlebnis hatte. Ein Mittagessen an der Säbener Straße, in der Kantine saßen Uli Hoeneß, Nagelsmann, Kimmich, Goretzka und andere zusammen. Bachem wird das nie vergessen.
Das Projekt in Edenkoben werden die 30 Kinder nicht vergessen. Wobei:„Sie würden gerne noch mehr kicken. Sie wussten, es ist kein Sportcamp, es ist mehr Integration als Sport“, sagt Bachem. Mädchen hat er keine dabei. Frauenfußball sei in Polen nicht so beliebt. Geschätzt werde die fünffache deutsche Meisterin Ewa Pajor, die nach ihrer Zeit in Wolfsburg in Barcelona spielt.
25 Jahre andauernde Partnerschaft
Unter den 500 Kindern an den Standorten der Miro-Fußballschule seien vier, fünf Mädchen. Es seien schon mal mehr gewesen. Von der Realschule plus Edenkoben sind acht Jungen und sieben Mädchen dabei, mit den Lehrern Daniel Doury, der in Haßloch gekickt hatte, und Lena Fuchs, früher Handballerin in Ketsch.
Bettina Münch-Rosenthal ist Leiterin der Stabstelle Europa der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) und mit Schulsport-Referatsleiter Stefan Kölsch da. Sie erinnert an die Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages zwischen Rheinland-Pfalz und der Woiwodschaft Oppeln vor 25 Jahren mit dem damaligen Ministerpräsidenten Kurt Beck in Hambach. Beim jüngsten Besuch im November in Oppeln sei das Camp in Edenkoben vereinbart worden. Die polnischen Kinder gehörten alle der deutschen Minderheit in Schlesien an, jedes spreche ein bisschen Deutsch. Was sie unter anderem in der Miro-Fußballschule lernen. Alle Teilnehmer seien für die Tage vom Schulunterricht freigestellt, finanziert über einen Antrag beim EU-Programm Erasmus+.
In Edenkoben sei das Camp beim Hallenfußballturnier im Januar vorgestellt worden, erzählt Doury. Die Schüler hätten sich darauf gefreut. Jetzt stecken sie „zimmerweise“ die Köpfe beim Miro-Klose-Quiz zusammen, das Michael Lazarou von der ADD leitet. Nach wem ist die Miro-Fußballschule benannt, wo ist Klose geboren, für welche Nationalmannschaft spielte er, für welche Vereine, wie viele WM-Tore erzielte er? Wodurch wurde Klose noch bekannt? Lazarou erzählt, wie Klose 2012 im Spiel Lazio Rom gegen Neapel gegenüber dem Schiedsrichter einräumte, ein Tor mit der Hand erzielt zu haben. Und fragt die Kinder, welche Eigenschaften ein Vorbild auszeichne. „Fairplay“ und „Ehrlichkeit“ wird genannt, auf dem Platz Entscheidungen zu akzeptieren. Lazarou hakt immer nach. Haben die Nachwuchskicker noch andere Vorbilder? Jakub „Kuba“ Blaszczykowski, acht Jahre bei Borussia Dortmund, polnischer Nationalspieler, wird wegen seiner Stiftung genannt. Basketballer Michael Jordan. Fußballer Carles Puyol. Die Kinder sollen erklären, warum sie auf diese Personen kommen.
Fragen zu Miro Klose
Wie viele Bundesligatore Klose erzielt hat? „Und, welche Antwort nehmen wir?“, stupst Lena Fuchs ihren Lehrerkollegen an. „287“ wählt er aus den vier Antwortmöglichkeiten aus. Stimmt nicht ganz. Sie hätten die Schüler gebrieft und gemerkt, wie vergänglich Ruhm sei, erzählt er. Bettina Münch-Rosenthal macht sich an die Quiz-Auswertung.
Ganz vorne sind: Die Zimmergruppe Elias, Joschua und Nils und die Gruppe Tobiasz, Antoni und Kacper. Das Ergebnis „ist ,gefaked’ bei den Mädchen“, nachgebessert, stellt Münch-Rosenthal sofort fest. „So viel zur Ehrlichkeit“, amüsiert sich Kölsch.
Inken aus Neustadt, Jasmin aus Edenkoben, Tymoteusz und den anderen ist es egal. Sie setzen nach dem Mittagessen das Fußballturnier fort.