Kreis Germersheim Schneider-Halle wird neu gebaut
Nach einer Stunde Beratung, teils emotionaler und kontroverser Diskussion vor rund 20 Zuhörern hat sich der Gemeinderat Bellheim am Donnerstagabend mehrheitlich (14 Ja-, neun Nein-Stimmen) in namentlicher Abstimmung entschieden: Die Schneider-Halle wird wie von der CDU beantragt abgerissen und einem Neubau Platz machen. Die Verwaltung wurde beauftragt, die Planung vorzubereiten. In einer in Kürze stattfindenden Ausschusssitzung soll darüber beraten werden, wer ausschreiben und wie das Raumkonzept aussehen soll. Gemäß Ergänzungsantrag der SPD soll sich der Neubau an der von Architekt Bernd Butz, Lustadt, ausgearbeiteten Variante 1 (vier standen zur Disposition) orientieren (zwölf Ja-, acht Nein-Stimmen, drei Enthaltungen): Diese Variante sieht einen Komplettabriss samt Anbau mit Gaststätte und Küche vor, wobei das Kellergeschoss erhalten werden soll. Die Nettogrundfläche des Neubaus soll knapp 1700 Quadratmeter betragen. Die Kostenschätzung liegt bei 6,13 Millionen Euro brutto. Architekt Butz schätzte die Bauzeit auf vier, fünf Jahre und zwei Jahre für die von der FWG favorisierte Sanierung. Zuvor hatte die freie Architektin Anneliese Zill aus Kaiserslautern ihre Wirtschaftlichkeitsberechnung dem Rat präsentiert, der diese als Entscheidungsgrundlage eingefordert hatte. Als Basis dienten ihr ermittelte Kosten für eine Generalsanierung der Schneider-Halle in Höhe von 5,54 Millionen Euro. Davon entfielen rund 4,4 Millionen auf die eigentliche Sanierung der 2700 Quadratmeter umfassenden Halle; hinzu käme rund eine Million für einen 328 Quadratmeter großen Anbau, um Barrierefreiheit herzustellen. Nach Zills auf Indexwerten beruhenden Berechnungen würde ein Neubau analog zum Bestand, inklusive des geplanten Anbaus, 8,27 Millionen Euro kosten. In der Folge würden die Energiekosten um 30 Prozent sinken, bei einer Sanierung um 20 Prozent. Hochgerechnet auf die üblicherweise zugrunde zu legende Nutzungsdauer von 50 Jahren ergäben sich für einen Neubau Gesamtkosten von 29,2 Millionen und 24,5 Millionen bei einer Sanierung. Was eine Differenz von 4,7 Millionen ergäbe. Damit würden die Sanierungskosten 84 Prozent der Neubaukosten betragen. CDU-Fraktionssprecher Hermann Josef Schwab sah es damit als gegeben an, dass die Sanierung der Schneider-Halle unwirtschaftlich ist. Das Land betrachte eine Sanierung bereits ab einem Anteil von 80 Prozent als unwirtschaftlich. Deshalb beantragte er einen Neubau, zumal der im Hinblick auf die Kosten überschaubarer sei als ein Neubau, was Architekt Butz bestätigte. Ortsbürgermeister Paul Gärtner (FWG) erinnerte daran, dass nicht nur ein Architekt die Halle untersucht habe, sondern auch ein Statiker, welcher der Halle nach ihrer Sanierung eine Lebensdauer von weiteren 50 Jahren attestiert habe. Sebastian Weinheimer (FWG) ergänzte, dass die Schneider-Halle wohl die bestuntersuchte Halle im Landkreis sei, er die Kosten für realistisch halte. „Wir sind für die Sanierung der Halle.“ Gärtner fügte hinzu, dass bei einem Neubau nicht zwangsläufig eine Punktlandung bei den Kosten erfolgen wird. Zudem müsse man sehen, dass an der Halle der Spiegelbach vorbeifließe und es durchaus möglich sei, dass neue Hallenteile deshalb auf Stelzen gesetzt werden müssten. Außerdem, so sagte er der RHEINPFALZ nach der Sitzung, habe der Statiker deutlich gemacht, dass der Statiker nicht unterschreiben werde, also keine Haftung übernehmen werde, wenn auf den alten Keller die neue Halle gebaut werden sollte. Ins gleiche Horn stieß Verbandsbürgermeister Dieter Adam (FWG). Er kritisierte die auf Indizes, noch dazu einer mittleren Größenordnung beruhenden Kostenberechnungen für den Neubau. Zum einen hätten sich diese Richtwerte als nicht realistisch erwiesen, zum anderen wisse man nicht, nach welchem Konzept die neue Halle gebaut werden soll. Vor dem Hintergrund, dass die Kosten angenommen und nicht kalkuliert seien, sagte er: „Also bitte nicht überrascht sein, wenn die Kosten am Ende anders aussehen.“ Laut Adam muss nun ein Planer beauftragt werden, der die europaweite Ausschreibung des Bauprojekts vorbereitet, da die Verwaltung so etwas noch nicht gemacht habe. Rainer Strunk (SPD) erinnerte daran, dass anfangs von einer Hallensanierung für geschätzte 770.000 Euro die Rede gewesen sei. Diese Schätzung habe sich schrittweise auf zuletzt fünfeinhalb Millionen erhöht. Deshalb sei es richtig gewesen, die konkreten Kosten ermitteln und die Wirtschaftlichkeitsberechnung anstellen zu lassen. Wochen-Spitzen