Kreis Kusel
Sturmtief Sabine: Im Landkreis Kusel nicht so schlimm wie befürchtet
„Über eineinhalb Stunden lang sind Anrufe eingegangen, wurden Schüler abgemeldet.“ So wie im Sekretariat der Realschule plus Lauterecken/Wolfstein stellte sich die Situation am Montagmorgen überall im Landkreis dar: Nachdem die Schulen am Sonntagabend den Schulbesuch ins Ermessen der Eltern gestellt hatten – die Förderschulen hatten vorsorglich ganz geschlossen –, waren die Zahlen vielerorts „sehr dürftig“, wie Katja Albert, Leiterin der Realschule plus in Altenglan, formulierte. „Um die 30 Schüler sind da, von 350“, sagte sie zur Mittagszeit am Montag.
Ähnlich ausgedünnt waren die Reihen an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Schönenberg-Kübelberg / Waldmohr. In den fünften und sechsten Klassen waren laut Schulleiter Uwe Steinberg 44 von über 200 Kindern anwesend, in den siebten bis zehnten 48 und in der Oberstufe 15, von zusammengerechnet über 500. Eine für Montag geplante Fahrt zum Bewerbertraining sei auf Dienstag verschoben worden. Von knapp über 100 Abmeldungen berichtete das Lauterecker Veldenz Gymnasium.
Wo überhaupt Unterricht gehalten werden konnte, setzten die Lehrer auf Wiederholungen.
Busse fahren, Züge stehen
Für die Berufsbildende Schule in Kusel zeichnete Schulleiter Michael Riefer ein zweigeteiltes Bild: Während sehr viele Schüler nicht erschienen seien, „sind die Berufsschüler im dualen System fast alle da“. Wer eine Ausbildung mache, habe keinen Ermessensspielraum gehabt, erläuterte Riefer. Der einfache Grund: „Schulzeit ist Arbeitszeit, das heißt, der Arbeitgeber muss einen Tag Urlaub genehmigen.“
An fehlenden Schulbussen lag der mangelnde Besuch offenbar nicht. Der Kreisverwaltung lagen laut eines Sprechers der Fachabteilung keine Rückmeldungen über ausgefallene Busse vor. Die Züge fuhren im Berufsverkehr und bis in den Nachmittag hinein jedoch nicht, das Chaos auf den Schienen löste sich nur langsam auf. „Die Lokführer sind nicht da, wo sie hingehören, die Züge sind nicht da, wo sie hingehören, und das, was fährt, fährt mit verminderter Geschwindigkeit“, sagte ein Sprecher des Zweckverbands Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd mit Sitz in Kaiserslautern.
Strom weg in elf Dörfern
Autofahrern machten umgestürzte Bäume und auch Stromausfälle zu schaffen – „mein Garagentor ging nicht auf“, erzählte etwa ein Mitarbeiter der Kreisverwaltung. Komplett ausgefallen war der Strom laut einer Information der Pfalzwerke in Bettenhausen, Liebsthal, Haschbach, Henschtal, Wahnwegen, Sangerhof und Rehweiler, teilweise ohne Elektrizität waren demnach Rammelsbach (267 Einwohner betroffen), Gimsbach (159) und Konken (19). Der Versorger OIE meldete einen teilweisen Stromausfall in Reichweiler am Sonntagabend.
Bäume machen Probleme
Die Feuerwehren rückten vor allem aus, um lose Dachziegel zu bergen und Bäume oder Äste von Fahrbahnen zu entfernen, seltener waren Leuchtreklamen, Fassadenverkleidungen und Baustellensicherungen beschädigt. 30 Einsätze gab es in der Verbandsgemeinde Lauterecken/Wolfstein, 23 in Kusel-Altenglan, 32 im Oberen Glantal.
Zwischen Kusel und Rammelsbach war die B 420 bis Montagmorgen gesperrt, auch die Route von Elschbach nach Gries war zwischenzeitlich unpassierbar. Glück im Unglück hatte ein Autofahrer, dessen Wagen bei Patersbach von einem herabfallenden Ast getroffen wurde: Es blieb laut Polizei bei Sachschaden. In Ulmet machte nicht der Sturm, sondern der Regen Probleme: Sechs Keller wurden von der Feuerwehr leergepumpt.
Feuerwehren gut vorbereitet
Trotz 85 Einsätzen kreisweit herrscht bei den Wehrleitern Einigkeit, dass das Orkantief Sabine den Feuerwehren nicht den Großeinsatz beschert habe, der befürchtet worden war. „Wir waren gut vorbereitet, glücklicherweise sind die Befürchtungen nicht wahr geworden“, sagte etwa Stefan Reichhart, stellvertretender Wehrleiter in der Verbandsgemeinde Oberes Glantal.