Wallhalben / Homburg RHEINPFALZ Plus Artikel Worauf ein Stadtgärtner im eigenen Garten achtet

Stephan Landwehr aus Wallhalben nimmt auch 2023 an der Aktion „Das offene Gartentor“ teil.
Stephan Landwehr aus Wallhalben nimmt auch 2023 an der Aktion »Das offene Gartentor« teil.

Stephan Landwehr lädt wieder nach Wallhalben in seinen Garten ein. Worauf er beim Gestalten achtet, woran er den Klimawandel merkt und warum er keinen Fernseher mehr braucht.

Herr Landwehr, Sie sind Gärtnermeister bei der Stadt Homburg. Haben Sie ihr Hobby zum Beruf gemacht?
Ja, schon in frühester Kindheit war Gartenarbeit Thema Nummer eins. Ich glaube, ich war drei Jahre alt, als ich das Unkraut vom Vermieter in Reihen angelegt habe, weil ich einen Gemüsegarten haben wollte.

Was ist der Unterschied zwischen Ihrer Arbeit und dem Hobby?
Auf der Arbeit gibt’s immer wirtschaftliche Zwänge. Die Grünanlagen sollen gut aussehen, aber so günstig wie möglich und so schnell wie möglich gepflegt sein.

Kommt da die Kreativität zu kurz?
Es ist in den letzten Jahren tatsächlich besser geworden, und ich plane auch mehr und kann Ideen umsetzen. Aber das, was ich hier privat habe, kann ich auf der Arbeit natürlich nicht verwirklichen. Das sind dann doch eher Spielereien.

Haben Sie bei der Gartengestaltung eine Philosophie oder ein bestimmtes Konzept?
Entscheidend ist erstmal der Standort. Hier ist es ein sonniger Hang mit Sandboden, dadurch sind bestimmte Pflanzen schon mal ausgeschlossen, die hier nicht wachsen. Bei der Gestaltung lege ich Wert auf die Farben, das heißt, welche Farbkombinationen passen zueinander. Spannend ist es, wenn ein Beet im Laufe der Saison komplett die Farbpalette wechselt. Was ich mag, sind Farben Ton in Ton, wenn in einem Beet zum Beispiel blau, violett, rosa und weinrot vorkommt im nächsten dann weiß, gelb, orange und rot. Ich habe es auch gerne, wenn es durchblüht. Hier blüht eigentlich immer was im Garten. Es geht im Januar mit den Schneeglöckchen los und dauert bis Dezember.

„Was ich mag, sind Farben Ton in Ton, wenn in einem Beet zum Beispiel blau, violett, rosa und weinrot vorkommt im nächsten dann
»Was ich mag, sind Farben Ton in Ton, wenn in einem Beet zum Beispiel blau, violett, rosa und weinrot vorkommt im nächsten dann weiß, gelb, orange und rot«, erklärt er.

Sie machen regelmäßig beim Offenen Gartentor mit. Sieht Ihr Garten jedes Jahr anders aus?
Ja. Nicht nur bei der Bepflanzung. Es kommen auch solche Elemente, wie das Fenster aus dem Sudhaus der Parkbrauerei dazu. Auch die Ziegelsteine sind von dort.

Was mögen Sie lieber, das Planen und Werkeln oder das Genießen der fertigen Anlage?
Das Planen und Werkeln! Wenn die Arbeit getan ist, denke ich schon wieder: Und jetzt? Ich habe immer wieder neue Ideen.

Wie lange sind Sie da täglich zu Gange?
Die letzten drei bis vier Wochen so ab 17 Uhr, bis es dunkel wurde. Mein Fernseher ist vor acht Wochen kaputt gegangen, ich habe ihn bis jetzt nicht vermisst.

Merken Sie eigentlich Auswirkungen des Klimawandels?
Ja. Es gibt Pflanzen, von denen hätte es man während meiner Lehrzeit nicht für möglich gehalten, dass die hier wachsen. Der Lavendel zum Beispiel wächst heute in allen Mauerritzen, der Feigenbaum trägt Früchte, die Palme steht ausgepflanzt hinterm Haus, und die Bananenstaude schiebt dieses Jahr erstmals einen Blütentrieb. Problematisch ist auch die Zunahme der Wetterextreme. Da sind Pflanzen, die während des Sommers quasi geruht haben. Im September haben sie durch die Feuchtigkeit einen Wachstumsschub erfahren. Und in den ersten Frostnächten Ende November, da waren sie noch nicht ausgereift, kam es dann zu Frostschäden.

Wie ökologisch ist Ihr Garten?
Ich arbeite mit Kompost und Mist im Gemüsegarten, verwende fast keine Pflanzenschutzmittel. Hier wird nichts gespritzt. Das Einzige, wobei ich mich der Chemie bediene, ist bei der Schneckenbekämpfung. Ohne Schneckenkorn hätte ich keine Chance. Bei akuten Mangelerscheinungen kommt auch Mineraldünger zum Einsatz.

Es gibt also auch einen Nutzgarten?
Ich hatte und habe immer noch einen Nutzgarten unten im Dorf, da sind jetzt nur noch Erbsen und Kartoffeln drin. Seit zwei Jahren gibt’s jetzt auch hier beim Haus einen Gemüsegarten auf dem angrenzenden Grundstück, das ich vom Nachbarn gepachtet habe.

Auch einen Gemüsegarten hat der Wallhalber Gärtnermeister.
Auch einen Gemüsegarten hat der Wallhalber Gärtnermeister.

Würden Sie noch weiter expandieren wollen?
Ideen hätte ich noch viele, man muss es aber auch bewältigen können.

Info

Der Garten von Stephan Landwehr in der Bergstraße 8 in Wallhalben öffnet am Sonntag, 4. Juni, von 10 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon 0170 6376746. Der Eintritt ist frei. Zu sehen ist ein ländlicher Garten auf 500 Quadratmetern an einem Tagelöhner-Haus von 1849, mediterrane Gehölze, Sandstein-Trockenmauern, Rosen und Stauden, eine Geraniensammlung und ein Gemüsegarten. Besucher sollen nicht mit dem Auto in die Bergstraße fahren, sondern am Busbahnhof in der Ortsmitte parken. Stephan Landwehr schätzt, dass er mittlerweile zum 16. oder 17. Mal beim Tag des Offenen Gartentors mitmacht. Zuletzt kamen bis zu 500 Besucher.

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