Kreis Südwestpfalz „Wir sind ein Ort des Lebens“
Lebensqualität bis zuletzt erhalten, dieses Ziel hat sich das stationäre Hospiz Emmaus in St. Wendel auf die Fahnen geschrieben. Die von der gleichnamigen GmbH getragene Einrichtung ist neben Pirmasens eines von wenigen Hospize in der Region. Am Mittwoch feierten die Mitarbeiter den 15. Geburtstag der Einrichtung.
Hospiz, das heißt für die allermeisten Endstation. Das bedeute aber nicht, dass die Hospiz-Gäste, wie Geschäftsführer Winfried Schäfer die Patienten liebevoll nennt, dort nur im Bett liegen und auf den Tod warten. Einige machten auch mal einen Ausflug in die Stadt – „das kann am nächsten Tag aber schon vorbei sein“, weiß Schäfer. Dennoch: Hospiz sei nicht gleichbedeutend mit Bettlägerigkeit. Es gibt ein gemeinsames Wohnzimmer, von dem aus man zurzeit ein fleißiges Eichhörnchen beobachten kann, das seine Wintervorräte im Blumenkasten am Fenster vergräbt. „Wir sind ein Ort des Leben“, illustriert Schäfer, dass keineswegs nur Trauer und Schwere über den Hospiz-Fluren hängen. Neben Pflege und medizinischer Versorgung – Palliativmediziner besuchen die Einrichtung täglich – würden unter anderem Krankengymnastik und Lymphdrainage angeboten. Derartige Therapien sollen nach Angaben von Schäfer die Lebensqualität der Patienten erhalten. Dafür sorge unter anderen auch eine ehrenamtliche Helferin, die regelmäßig – auch unter Beteiligung der Bewohner – traditionelle saarländische Gerichte koche. Zum Festakt am Mittwoch kamen die saarländische Sozialministerin Monika Bachmann, Landrat Udo Recktenwald und Bürgermeister Peter Klär aus St. Wendel zu Besuch. Ein Programmpunkt war der Beitritt des Hospizes zur „Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen“. Die Charta setzt sich für Menschen ein, die aufgrund einer fortschreitenden, lebensbegrenzenden Erkrankung mit Sterben und Tod konfrontiert sind. Seit dem Start des Hospizes am 1. November 2000 haben die derzeit 20 Mitarbeiter und zehn Ehrenamtlichen durchschnittlich mehr als 200 Personen pro Monat im Sterben begleitet – der jüngste 17 Jahre, wie Schäfer berichtet. Die Hauptamtlichen seien ausschließlich qualifizierte Palliativkräfte. Auch gebe es zwei Seelsorger. Die Patienten kämen aus einem Umkreis von etwa 60 Kilometern aus den Regionen um Idar-Oberstein, Zweibrücken, Hermeskeil, Saarbrücken sowie aus dem Landkreis Kusel. Aufgenommen würden Menschen mit jeder Krankheit, die meisten seien jedoch Tumorpatienten im Endstadium. Fast alle haben eine Pflegestufe, erläutert Schäfer, so dass Pflege- oder Krankenkasse die Kosten des Aufenthalts zahlen. Eine Eigenbeteiligung gebe es nicht. Voraussetzung für die Aufnahme im Hospiz sei eine Verordnung des Hausarztes, wonach „in absehbarer Zeit“ der Tod eintrete. Statistisch blieben die Todkranken 14 Tage in der Einrichtung. „Von zwei Stunden bis zu neun Monaten“, zählt Schäfer Beispiele der verbleibenden Lebenszeit im Hospiz auf. Pflegedienstleiter Thomas Löffler schätzt, dass rund fünf Prozent der Schwerstkranken wieder nach Hause geschickt werden, „wenn die Versorgung gesichert ist“. Für die allermeisten sei das Hospiz allerdings letzte Station. Und zwar eine Station, bei der keiner alleingelassen werden soll. „Unser Gesundheitssystem vergisst diese Leute“, moniert Löffler. Dabei bräuchten gerade sie am meisten Hilfe. Diese zu leisten, ist für Schäfer „unser gesellschaftlicher Auftrag“. Unabhängig von ihrer Religion, nehme die christliche Einrichtung Patienten auf. „Natürlich kann auch einmal ein plötzlicher Tod eintreten“, schildert Pflegedienstleiter Löffler. Doch in den allermeisten Fällen könnten die Mitarbeiter die beginnende Sterbephase erkennen und rechtzeitig Angehörige informieren. Ihnen in ihrer Trauer beizustehen, ist ein weiteres Anliegen im Hospiz. Während der Tod andernorts oft ein Tabu ist, werde im Hospiz offen darüber gesprochen, berichtet Psychologe Schäfer. Lange setzte er sich mit den Themen Sterben, Tod und Trauer auseinander, arbeitete in der Erwachsenenbildung sowie in der Palliativstation in Völklingen. 1997 wechselte er zum ambulanten Hospizdienst nach St. Wendel. Neben der Versorgung im häuslichen Bereich hätten damals zusätzliche stationäre Betten gefehlt, schildert der 61-Jährige seinen Einsatz für die Entstehung des Hospizes im ehemaligen Schwesternheim der Franziskanerinnen. Nach zweieinhalb Jahren war es dann soweit, und das zweite stationäre Hospiz im Saarland eröffnete, auch dank der Förderung als Bundesmodellprojekt. Im vergangenen Jahr wurde die Einrichtung in Nachbarschaft des Marienkrankenhauses von bisher acht auf zehn Zimmer erweitert. Zwei sind als Appartement ausgebaut, in dem der Patient mit seinen Angehörigen wohnen kann. Für die Aufnahme der Patienten gilt eine Warteliste. „Ich wäre froh, wenn ich jeden sofort aufnehmen könnte“, sagt Schäfer. Dennoch sieht er mit Blick auf ambulante sowie Angebote in Krankenhäusern nicht grundsätzlich einen Mangel. „Vieles ist jetzt neu im Entstehen“, weiß der Geschäftsführer. Neu werden ab Dezember auch die Zimmer gestaltet, kündigt der Geschäftsführer an. 120 000 Euro würden investiert. Fernsehlotterie und Landkreis St. Wendel unterstützen die Renovierung. Weitere Hilfe kommt aus dem Kreis Kusel: Im September hatte der Gesangverein Frohsinn aus Dittweiler ein Benefizkonzert zugunsten des Hospizes in Altenkirchen veranstaltet.