Althornbach RHEINPFALZ Plus Artikel Willi Schmidt bekommt die höchste Auszeichnung – und Kurt Beck verrät ein paar Geheimnisse

Der frühere SPD-Bundesvorsitzende Kurt Beck (links) ehrte Willi Schmidt mit der Willy-Brandt-Medaille in Gold, die Althornbacher
Der frühere SPD-Bundesvorsitzende Kurt Beck (links) ehrte Willi Schmidt mit der Willy-Brandt-Medaille in Gold, die Althornbacher SPD-Vorsitzende Ute Klein übergab ihm die goldene Ehrennadel des Ortsvereins.

Willi Schmidt aus Althornbach war einer der führenden Politiker in der Südwestpfalz. Am Dienstag bekam er die höchste Ehrung der SPD. Ein bekannter Weggefährte verriet, welchen Spitznamen Schmidt hatte und dass er Mitglied einer Geheimloge war.

87 Jahre alt ist der Althornbacher Willi Schmidt, und noch immer blitzt aus seinen Augen ein gewisses spitzbübisches Leuchten. Der ehemalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident und Ex-SPD-Parteichef Kurt Beck überreichte dem Althornbacher Politik-Urgestein am Dienstagabend im Dorfgemeinschaftshaus die Willy-Brandt-Medaille in Gold, die höchste Auszeichnung, die die SPD zu vergeben hat.

Während der Feierstunde, die mit Musik eines Blasorchesters aus acht Mitgliedern der Zweibrücker Stadtkapelle umrahmt wurde, plauderte Beck ein wenig aus dem Nähkästchen. Denn er und Willi Schmidt waren 1979 Listennachbarn auf den Plätzen zwölf und 13 auf der SPD-Wahlliste für den Mainzer Landtag, und beide gewannen ihren Wahlkreis und fingen somit zeitgleich als Neulinge im Mainzer Landesparlament an. Von der geheimen parteiübergreifenden Skat-Loge im Landtagskeller, wo Schmidt des Öfteren zu finden war, über sein Engagement für Schilf-Kläranlagen in einer Zeit, als Umweltschutz noch kaum ein Thema war, berichtete Beck. Was Willi Schmidt eigenen Aussagen zufolge in Mainz den Spitznamen „Schilf-Willi“ einbrachte. „Willis Idee hat den Bürgern auf dem platten Land viel Geld und viele Kilometer Abwasserkanal gespart“, resümierte Beck über Schmidts Vorschlag, der damals noch belächelt wurde.

Er „rettete einmal den Schachclub Althornbach vor dem Tod“

Auch auf Willi Schmidts Gabe, lange Gedichte zu rezitieren, kam der ehemalige Landesvater vor rund 30 Teilnehmern zu sprechen. 17 Jahre lang war Willi Schmidt Landtagsabgeordneter für die SPD in Mainz. Er hatte laut Beck in langen Jahren so ziemlich alle Posten und Positionen in der Partei inne, die es in der Lokalpolitik gibt, war 24 Jahre lang Bürgermeister, hat sich aber darüber hinaus aber auch außerhalb der Politik im Dorf engagiert. Er engagierte sich in diversen Vereinen und „rettete einmal den Schachclub Althornbach vor dem Tod“, wie es Kurt Beck ausdrückte.

1973 bereits wurde der Lehrer Mitglied im Ortsgemeinderat Althornbach, dann Beigeordneter, 1977 Vorsitzender des Ortsvereins, und auch Unterbezirks-Vorsitzender der SPD war er jahrelang. Schmidt habe sich immer „mit beiden Beinen auf der Erde und einem gerüttelten Maß an Erfahrung“ und auch in seinem politischen Ruhestand immer wieder mit Rat und ab und zu auch mit Tat eingebracht. Nicht nur die Sozialdemokratie habe Willi Schmidt viel zu verdanken, zeigte sich Beck überzeugt. Für sein nahezu lebenslanges Engagement überreichte er Willi Schmidt schließlich die goldene Willy-Brandt-Ehrennadel samt Urkunde.

Ute Klein wollte ihm den Rekord lassen

Ute Klein, Schmidts Nachfolgerin als Ortsbürgermeisterin, sagte, sie sei absichtlich nach 22 Jahren abgetreten, „um Willi den Rekord zu lassen“. Sie übermittelte Grüße von weiteren Weggefährten Schmidts, die nicht anwesend sein konnten. Und zeichnete ihn zugleich mit der goldenen Ehrennadel des SPD-Ortsvereins Althornbach aus, dessen Vorsitzende sie ist. Diese Ehrung für 50 Jahre Mitgliedschaft habe Willi Schmidt eigentlich vor einem Jahr bereits zugestanden, doch bei der letzten Zusammenkunft vor Corona im Jahr 2019 seien die 50 Jahre noch nicht voll gewesen, so Klein. Und 2020 habe Corona eine Mitgliederversammlung verhindert.

Doch auch am Dienstagabend im Bürgerhaus hat sich Willi Schmidt über diese Ehrung gefreut. Auch bei seine r Frau Lintrud, die ihm jahrzehntelang zur Seite stand, wenn er die Woche über in Mainz war, und zuhause die Anrufe für ihn entgegennahm, bedankte sich Ute Klein mit einem Blumenstrauß.

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