Vinningen / Pirmasens-Land Wie Vinningen den Volkstrauertag zur Brücke zwischen Deutschland und Frankreich macht

Deutsche und Franzosen legen gemeinsam am Vinninger Ehrenmal einen Kranz nieder.
Deutsche und Franzosen legen gemeinsam am Vinninger Ehrenmal einen Kranz nieder.

In der Alten Kirche in Vinningen kamen Deutsche und Franzosen zusammen, um 80 Jahre nach Kriegsende ein starkes Zeichen der Versöhnung zu setzen.

Eine kraftvollere Botschaft zum Volkstrauertag und zur Völkerversöhnung hätte kaum formuliert werden können: „Vive l'Allemagne, vive la France et vive l'Europe“. Übersetzt: Es lebe Deutschland, es lebe Frankreich und es lebe Europa. Diese Worte sprach David Suck, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bitscher Land, bei der ersten gemeinsamen Gedenkveranstaltung 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges am vergangenen Sonntag in der Alten Kirche in Vinningen.

Die überwältigende Anteilnahme von französischen und deutschen Vertretern zum Volkstrauertag überraschte den Bürgermeister der Verbandsgemeinde Pirmasens Land, Klaus Weber, positiv. Das Kulturzentrum Alte Kirche platzte aus allen Nähten. Vertreter der Kommunen des Bitscher Landes und Pirmasens Land standen Seite an Seite, freundschaftlich vereint. Während bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges oft von Erbfeindschaft die Rede war, ist daraus eine enge Partnerschaft und Freundschaft entstanden. „Aus Trennung wird eine lebendige Verbindung“, sagte Weber. Er betonte jedoch auch, dass Hitler-Deutschland für das Leid des Zweiten Weltkrieges verantwortlich war: „Der Krieg hat Menschen Tod und Leid gebracht“, sagte er. Die Lehren der Vergangenheit machten bewusst, welche Verantwortung die Gesellschaft für Frieden, Zusammenhalt und Menschlichkeit trägt. „Gedenken heißt nicht vergessen und nicht vergessen heißt, Verantwortung zu übernehmen“, stellte Weber fest.

Aufbau Europas „ein täglicher Kampf“

Sein französischer Amtskollege David Suck sprach – in deutscher Sprache, so wie alle Redner aus Frankreich – von einem „Moment der Besinnung“. Er erinnerte daran, wie viel Blut die beiden Völker vergossen haben. Den Aufbau Europas bezeichnete er als „täglichen Kampf“. Es brauche ein politisches und weniger technokratisches Europa. Gleichzeitig mahnte Suck, dem aufkommenden Rechtsextremismus wachsam zu begegnen.

Christian Schwalbach, Bürgermeister von Walschbronn, betonte ebenfalls die Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft. Es seien die Früchte der Arbeit des ehemaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer und des früheren französischen Premierministers Robert Schuman, die als Gründungsväter des geeinten Europas gelten. Schwalbach beschrieb die beiden Staatsmänner als „Architekten des Friedens“. Die Harmonie beider Länder beruhe auf einem gemeinsamen Bekenntnis zum Frieden. Seine Rede endete mit den Worten: „Es lebe die deutsch-französische Freundschaft.“

Schülervortrag in zwei Sprachen

Auch Willy Diemert, Ortsbürgermeister von Vinningen, sprach das Leid der beiden Weltkriege an. „Erinnerung verpflichtet uns – heute und für kommende Generationen“, sagte er. Die Geschichte der Gemeinde Vinningen sei Teil des nationalen und europäischen Gedächtnisses. Frieden sei keine Selbstverständlichkeit, sondern vielmehr ein Auftrag.

Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkfeier vom Männerchor Vinningen und dem Musikverein Trulben. Schülerinnen und Schüler der Vinninger Konrad-Adenauer-Schule hielten in Deutsch und Französisch ein Plädoyer für ein geeintes Europa und Frieden auf der Welt. Die Kranzniederlegung erfolgte durch eine Abordnung der Bundeswehr und Einsatzkräften der französischen Nachbarn, nachdem Pfarrer christliche Anmerkungen zum Gedenken gemacht hatten. Am Ende erklangen, interpretiert vom Musikverein Trulben, die französische und deutsche Nationalhymnen, gefolgt von der Europahymne „Ode an die Freude“.

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