Hauenstein RHEINPFALZ Plus Artikel Wie eine Predigt das Karmelkloster auf den Weg brachte

Rund 2000 Menschen begleiteten die Karmelschwestern am 26. Oktober 1958 auf dem Weg von der Christkönigskirche hoch in das neue
Rund 2000 Menschen begleiteten die Karmelschwestern am 26. Oktober 1958 auf dem Weg von der Christkönigskirche hoch in das neue Kloster. Vorne rechts ist Schwester Benedicta, die langjährige Pfortenschwester zu erkenne.

Mit einem Pontifikalamt und einem Empfang werden am Sonntag ab 10 Uhr die Hauensteiner Karmelitinnen, deren Kloster aufgelöst wird, verabschiedet. Ein Blick in die Geschichte des Klosters und darauf, wie sehr der Karmel Teil Hauensteins war.

Eine Szene vom vergangenen Samstag: Der etwa achtjährige Junge kommt in den Klosterladen des Hauensteiner Karmel. Und ist enttäuscht: „Keine Kerzen mehr?“, fragen seine traurigen Augen. Zu gerne hätte er sich noch eine Kerze für die im nächsten Jahr anstehende Erstkommunion ausgesucht. Allein: Der Klosterladen ist bereits ausgeräumt, die beliebten Motivkerzen aus der Herstellung der Ordensschwestern gibt es nicht mehr. Denn: Am kommenden Sonntag werden sich die Schwestern von ihrem Kloster, von Hauenstein und der gesamten Region verabschieden.

Damit geht eine 65-jährige Geschichte zu Ende. 65 Jahre lang gehörte das Kloster unweit der Katharinenkapelle zur Schuhgemeinde, war „ein Teil von Hauenstein“, wie es viele Hääschdner formulierten. Der klein gewordene Konvent verlässt das Kloster, die Schwestern treten in Gemeinschaften in Speyer, Wemding, Essen und im lettischen Ikskile ein. Sie lassen ein herrlich gelegenes Klostergebäude, dessen Folgenutzung nach wie vor offen ist, zurück und auch den Klosterfriedhof im weitläufigen Garten: „Wir werden unsere verstorbenen Mitschwestern im Herzen mitnehmen in unsere neue Klosterheimat und auch dort ihr Andenken bewahren“, sagt Schwester Elia, die Priorin des Klosters.

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Jahrzehntelang eine innige Verbindung von Dorf und Kloster

Seit 1958 Heimat am Ortsrand

Heimat war das Kloster am Hauensteiner Ortsrand für die Karmelitinnen seit 1958. Die Geschichte des Karmelklosters in der Pfalz geht aber noch gut zehn Jahre weiter zurück. Schwester Agnes, die aus Herxheim stammte und im Kölner Karmel eine Mitschwester der Heiligen Edith Stein war, „mit ihr zusammengelebt, gearbeitet und gebetet“ hat, wie es Bischof Wiesemann ausdrückte, hatte 1947 in Königsbach einen kleinen Konvent gegründet, der eine provisorische Bleibe in einem Bauernhaus gefunden hatte. Weil die Gemeinschaft wuchs, weil das Haus klösterliches Leben nur unzureichend zuließ, suchten die Schwestern „nach einem richtigen Kloster“, wie es in der Königsbacher Chronik heißt.

Unterstützung fanden sie in dem aus Merzalben stammenden Bischof Isidor Markus Emanuel, der sich zum Fürsprecher der Karmelitinnen machte und in der ganzen Diözese nach einem geeigneten Standort forschte. Irgendwann kam Hauenstein ins Gespräch. Die Idee wurde konkreter und man überlegte, ob man das neue Kloster vielleicht an die Bartholomäuskirche anbauen könnte. Wegen der engen Bebauung dort und wegen des Friedhofs ließ man den Plan aber fallen.

„Karmelpredigt“ ebnet den Weg

Bei einer Besichtigung vor Ort aber fiel, so wird berichtet, der Groschen: „Als ich am 19. September 1956 da drunten stand und heraufschaute zur Kapelle, da schien mir der rechte Platz für das Kloster gefunden“, berichtete der Bischof. Und er suchte Mitstreiter, fand sie im damaligen Hauensteiner Bürgermeister Hermann Seibel und im gerade nach Hauenstein versetzten Pfarrer Aloys Schirmer. Hermann Seibel stellte die Weichen, die die Gemeinde bewegen konnte, der Pfarrer hielt am 3. November 1957 die „Karmelpredigt“, in der er den „Pfarrkindern“ den Wunsch des Bischofs ans Herz legte, die Schwestern in Hauenstein aufzunehmen und den Bau des neuen Klosters ideell, materiell und finanziell zu unterstützen.

Die Gemeinde ließ sich nicht zweimal bitten, die Schwestern aufzunehmen und ihren Teil zum Klosterbau beizutragen. Binnen kurzer Zeit brachte man 75.000 Mark auf: Frauen und Männer aus der Gemeinde waren von Haus zu Haus gegangen, um die Summe in wöchentlichen oder monatlichen Raten zu „erbetteln“. Zudem wurden im Dorf auch „Bausteine“ verkauft. Den Bauplatz für das Kloster stellten Hauensteiner Bürger durch Schenkungen sowie durch Tausch zur Verfügung, wobei die Kirchenstiftung das Tauschgelände bereitstellte.

Klosterbau begann im März 1958

Die Vorbereitung des Baus ging sehr schnell vonstatten: Bereits am 31. Januar 1958 wurden die Baupläne besiegelt. Am 7. März wurde der Auftrag zum Angebotspreis von 200.000 Mark vergeben. Bereits am 14. März rollten die Maschinen. Und weitere zwei Tage später – am 16. März – wurde feierlich der erste Spatenstich vollzogen, am 27. April der Grundstein gelegt – jeweils mit großer Beteiligung der Menschen aus dem Dorf.

Die Bauarbeiten machten – heute so unvorstellbar – so rasante Fortschritte, dass bereits nach knapp neun Monaten Bauzeit – am 26. Oktober 1958 – elf Schwestern einziehen konnten. Der gesamte Ort bereitete ihnen ein überwältigendes Willkommen. Wie der „Hauensteiner Bote“ berichtete, habe „eine riesige Menschenmenge“ die Schwestern von der Christkönigskirche hinauf zum Kloster begleitet: „Mehr als 2000 waren versammelt, als der Musikverein mit dem Lied ,Lobet den Herren’ die Feier eröffnete…“ Kinder trugen ein Gedicht vor, das „de Apotheker“ Lorenz Wingerter zum festlichen Anlass verfasst hatte, Kirchenchor und Männergesangverein gestalteten die Feier musikalisch und Bürgermeister Seibel begrüßte die Schwestern offiziell im Namen der Gemeinde.

Gebet steht im Mittelpunkt

Seit jenem Tag leben die Ordensfrauen ihr kontemplatives Leben auf dem Hügel oberhalb der Wasgaugemeinde. Sie leben nach der strengen Ordensregel, deren „Herzstück“ die Anweisung ist, „Tag und Nacht im Gesetz des Herrn betrachten und im Gebet wachen, um ständig mit Gott zu leben und sich selbst in seinem Dienst zu verschenken durch ein Leben der radikalen Nachfolge Christi“, wie es die Schwestern selber ausdrücken. Das Gebet steht im Mittelpunkt. Es wird begleitet von strenger Klausur und der Hände Arbeit, die den Lebensunterhalt des Klosters sichert.

In den 80er Jahren sorgte diese kontemplative Lebensform für so viele Neueintritte ins Kloster, dass in Speyer ein weiteres Karmelkloster gegründet werden konnte, von dem wenige Jahre später die weitere Klostergründung in Wemding (Bistum Eichstätt) ausging. Nachwuchs für den Orden hat es in den letzten Jahren aber kaum mehr gegeben. Und das ist der Hauptgrund dafür, dass die Schwestern ihr Kloster aufgeben mussten, dass Hauenstein und die Region am Sonntag eine kirchliche Institution verabschieden muss – mit viel Wehmut, wie zahllose Kommentare im Gästebuch des Klosters belegen.

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