Waldfischbach-Burgalben
Wie eine Geiselberger Firma weltweit Windräder schützt
Wenn ein Gewitter tobt, meide hohe Bäume, denn da schlägt der Blitz zuerst ein. Das lernt jedes Kind. Aber warum sind dann eigentlich Windräder – auf weiter Flur die mit Abstand höchsten Bauten – nicht betroffen von Blitzschlägen? Die Antwort lautet: Sind sie doch. Aber eine Geiselberger Firma sorgt dafür, dass dabei kein Schaden entsteht.
Weldcom aus der Verbandsgemeinde Waldfischbach-Burgalben hat gerade sein 20. Jubiläum gefeiert mit heute 60 Mitarbeitern. Ursprünglich hatte das Unternehmen nur aus den beiden Gründern, Christian Günther und Herbert Pfeiffer, bestanden.
Das Interesse von Energiefirmen, Windkraftanlagen zu bauen, sei groß. „Nach zwei Jahren hat sich eine Sechs-Megawatt-Anlage inzwischen amortisiert“, sagt Firmenchef Günther. Die Anlagen zum Schutz der Windräder von Weldcom seien gut mit dem Blitzableiter am Wohnhaus zu vergleichen, erklärt Günther. Das Blatt hat mehrere Empfängerstellen – zum Beispiel an der Spitze –, wo der Blitz erfahrungsgemäß am häufigsten einschlägt. Kabel leiten den Blitzstrom dann zum Gehäuse und von dort in die Erde.
Bis 80 Prozent Umsatz in Asien
Wo möglich, kauft Weldcom Materialien regional ein, erzählt Günther. Lieferanten sitzen zum Beispiel in Zweibrücken und Donsieders. „Das ist teurer, aber wir haben in Krisen keine Probleme mit der Unterbrechung der Lieferketten. Und es macht uns flexibler.“ Die Vorteile überwiegen für den 52-Jährigen deutlich.
Doch auch wenn in Deutschland eingekauft wird, macht Weldcom seine Geschäfte vor allem im Ausland. „Wir hängen nicht am deutschen Markt.“ China und Indien zusammen sorgen mittlerweile für 70 bis 80 Prozent des Umsatzes. Günther vermutet, dass die Europäer durch die chinesische Konkurrenz in der Windkraft-Branche in den kommenden Jahren einen leichten Rückgang verzeichnen werden, „aber dann werden sich die europäische Qualität und Sicherheitsstandards durchsetzen“.
Auch nach Europa – Italien, Spanien, Polen, Portugal, Dänemark – und in die USA liefert Weldcom. Inzwischen auch wieder nach Südamerika – ein Markt, der zwischenzeitlich eingebrochen sei, sich aber erhole. Im eigenen Land gibt es für die Geiselberger Firma allerdings keinen Markt. „In Deutschland wird kein einziges Rotorblatt in dieser Größe mehr gebaut.“ Im Jahr produziere die Firma Blitzschutzsysteme für rund 15.000 Rotorblätter, das heißt für etwa 5000 Anlagen. Zum Vergleich: In Deutschland werden jährlich vielleicht 30 Anlagen gebaut.
Sprung ins kalte Wasser
Weldcom beliefert Firmen, die ganze Windräder bauen, sowie Zulieferer, die nur Rotorblätter fertigen. Vor Ort in den Fabriken „werden dann unsere Materialien ins Blatt eingebaut“, erklärt Günther. Zu Beginn der Firmentätigkeit ging es um Rotorblätter von rund 40 Metern. „Mittlerweile sind wir bei 126 Metern.“ Wo genau ihre Anlagen installiert werden, ist unklar, aber Günther vermutet stark, dass Blitzschutz aus Geiselberg auch in den Anlagen auf der Hermersberger Höhe steckt. „Wir sind weltweit der einzige Anbieter für die Varianten mit diesem Blitzschutzkonzept.“
Christian Günther hat ursprünglich Elektromechaniker auf der Meisterschule in Kaiserslautern gelernt und dort zudem eine Ausbildung als Zimmermann gemacht, wo er die Abschlüsse als Meister und Techniker anhängte. Eine Ausbildung zum Hochbautechniker kam hinzu. Bis 2005 arbeitete er als Zimmermann, zuletzt in Geiselberg bei Höh.
Die Idee zur Firmengründung 2005 kam von Herbert Pfeiffer, der damals schon 55 Jahre alt war. Er schlug seinem Freund Christian Günther eine Partnerschaft vor „Das war eine sehr schwere Entscheidung – ein Sprung ins kalte Wasser. Es hätte auch schiefgehen können“, blickt der Schmalenberger zurück.
Dann doch Produktion
Bei der Gründung war Weldcom im alten Feuerwehrhaus zwischen Geiselberg und Heltersberg untergebracht. Dass die junge Firma 2005 nur den kleinen Mannschaftstrakt anmietete, hatte einen einfachen Grund: „Produktion war nie angedacht“, sagt Günter und lacht. Es gab zwei Büros, eine kleine Küche und ein bisschen Lagerraum für den Vertrieb von Form und Granulat, um Drähte zusammenzuschweißen. „Doch der Weg zur Produktion war recht kurz, die ersten Kontakte hatten wir schon 2007“, erzählt Günther. Zum Glück waren die Hallen nebenan leer. Weldcom mietete immer mehr Fläche an, bis 2014 die Entscheidung fiel, etwas Eigenes müsse her. Weil der Kompagnon inzwischen in Rente war, ging Günther diesen Weg alleine. Ein Bürogebäude, zwei Hallen, ein Lager: Ab Frühjahr 2015 wurde auf dem Grundstück am Geiselberger Dorfrand immer wieder gebaut.
Vor Kurzem kaufte Weldcom das Nachbargrundstück. Doch Günther will mit dem Bau einer neuen Halle warten. Wie andere Unternehmer lässt ihn die unsichere politische Lage weltweit vorsichtig an Investitionen herangehen. „Im Moment ist es eng, aber noch kommen wir mit dem aus, was wir haben. Zu investieren ist in der aktuellen Situation schwierig und will gut überlegt sein“, erklärt der Firmenchef.
