Leimen
Wie eine 25-Jährige der alten Leimer Kirche digitales Leben einhaucht
Die ehemalige Kirche Sankt Katharina, 1782 erbaut, kann in ihrer vollen Größe, mit Anbauten betrachtet werden. Es ist dies dem persönlichen Einsatz von Constanze Littig zu verdanken, die sich für ihre Bachelorarbeit mit dem alten Gotteshaus und der Umgebung um 1900 befasst hat. Sie habe eine „Affinität zu alten Gemäuern“. So habe sich die alte Kirche, die seit 1933 zunächst in ein Frisörgeschäft, später in ein privates Wohnhaus umgewandelt wurde, angeboten, um sie digital zu rekonstruieren.
Die 25-jährige Leimerin studierte Virtual Design an der Hochschule Kaiserslautern. „Ich wollte hauptsächlich etwas Kreatives studieren und ich bin eher über Zufall über diesen Studiengang gestolpert. Aber im Endeffekt hatte das Fach perfekt zu mir gepasst“, stellt Constanze Littig zufrieden fest. Seit sie sich erinnern könne, habe sie sich für alte Bauwerke fasziniert. Daher habe sie sich gerne Dokumentationen über Rekonstruktionen und über alte Städte oder Gebäude angesehen. Das ehemalige Kirchlein in Leimen kam für sie wie gerufen.
150 Jahre Dorfmittelpunkt
„Ich wollte das alte Gotteshaus in Form der Visualisierung bearbeiten, um es für zukünftige Generationen zu erhalten“, erklärt die 25-Jährige. Ziel sei es gewesen, aufzuzeigen wie der Wert einer historischen Rekonstruktion für die Geschichte einer Dorfgemeinde festzulegen ist. Immerhin sei die Kirche 150 Jahre der Dorfmittelpunkt gewesen.
Zunächst sei sie ziemlich theoretisch an die Arbeit herangegangen. Sie habe mehrmals im Landesarchiv Speyer recherchiert, um einige Dokumente durchzulesen und sich Notizen zu machen. Danach habe sie versucht, alles zu sortieren und eine erste schriftliche Thesis zur Grundsteinlegung der Arbeit auszuarbeiten, erzählt Littig. Nachdem sie dann ihre Forschungsfrage ausgearbeitet hatte, ging es an den praktischen Teil: „Ich habe mich auf die digitale 3D-Rekonstruktionen konzentriert.“ Dabei hielt sie sich nah an den Fotos, die ihr zur Verfügung gestellt wurden, ebenso an Dokumente. Dennoch habe sie sich einen gewissen Raum für wissenschaftliche Interpretation gelassen, da zum Beispiel nur wenige Fotos von der damaligen Kirche vorhanden seien und diese Bilder nur wenig Aufschluss über Details geben.
Ein Schwerpunkt sei es auch gewesen, die Kirche mit der Umgebung aus dem 19. Jahrhundert darzustellen. So sollte ein stimmiges Bild erzeugt werden. Sie habe die Kirche nur auf diese Weise komplett visualisieren können. „Ich legte aber großen Wert darauf, die Umgebung nur abstrahiert darzustellen, damit der Fokus weiterhin auf der Kirche liegt und man erkennen konnte, wie sie sich in die damalige Dorfmitte eingegliedert hat“, betont Constanze Littig. Orientiert habe sie sich hierfür an gängigen Architekturmodellen.
Die größte Problematik sei gewesen, an ausreichend Informationen zu kommen. Leider gäbe es nur wenige Bilder und aus diversen Dokumenten konnte man nur wenige Informationen zum Aussehen der Kirche ableiten, befand Littig. Das bedeutete, dass die Kirche mehrere Iterationen durchlief und auch abgeändert wurde, wenn zum Beispiel eine neue Information zugänglich wurde.
Viel Material aus Speyer
Das für ihre Bachelorarbeit nötige Material, berichtet Littig, habe sie überwiegend vom Landesarchiv Speyer und vom Bistumsarchiv Speyer bekommen. Diese Archive böten eine Sammlung an wertvollen Dokumenten, die ihr glücklicherweise zur Verfügung gestellt worden seien. Einige weitere Fotos, die im Endeffekt sehr wichtig waren, habe sie von Michael Schwarz vom Heimatverein Leimen bekommen.
Die Prüfung an der Hochschule ist mittlerweile bestanden. Was passiert nun mit ihrer Arbeit? Geplant ist, dass die Arbeit als Webanwendung umgesetzt wird und somit auf einer Internetseite präsentiert werden kann, sagt Littig. So würde sie für fast jeden zugänglich sein und könne ein interaktives Erlebnis mit Informationen um die Kirche, ihre Architektur und der Geschichte liefern. Sollte das klappen, könnten Anwender sich frei bewegen, die Umgebung anzeigen lassen und die Geschichte der Kirche durchleben. Eingebunden sind Fotos, besondere architektonische Merkmale und ein Panoramabild des Innenraums, welche grob rekonstruiert wurde. Eine andere Möglichkeit könnte es sein, die Anwendung als App zu gestalten. Angedacht wurde von Constanze Littig auch das Erstellen eines Magazins mit allen bildlichen Präsentationen und mit den nötigen textlichen Inhalten dazu. „Mein Wunsch wäre, es jedermann zugänglich zu machen. Man sieht das heute so nicht mehr, dass es hier eine Kirche gab. So wäre das Nachvollziehen mit meiner Arbeit jedermann möglich“, erklärt Constanze Littig. Wie sieht der Berufswunsch der jungen Frau aus? „Ich möchte 3D-Artistin werden.“