Merzalben RHEINPFALZ Plus Artikel Wie ein verschwundener Weihnachtsbaum die Gemeinde umtreibt

Dass kein Weihnachtsbaum mehr in Merzalben steht, erhitzt die Gemüter.
Dass kein Weihnachtsbaum mehr in Merzalben steht, erhitzt die Gemüter.

In Merzalben hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die für die Aufstellung eines Weihnachtsbaums am traditionellen Standort in der Hauptstraße kämpft. Jetzt hat sie Ortsbürgermeister Michael Köhler eine erste Liste mit 180 Unterschriften überreicht.

Schon 2022 war der Unmut in der Gemeinde groß, dass kein Weihnachtsbaum am Ursprungsort, auf dem Hof an der Hauptstraße, aufgestellt wurde. Zunächst suchten die Merzalber vergebens einen beleuchteten Baum, bis sie einen „halben Weihnachtsbaum“ in einer Ecke an der unteren Hauptstraße auf einem Privatgrundstück entdeckten. Wer von Münchweiler kommend in den Ort hineinfuhr nahm den Privat-Christbaum nicht wirklich wahr, allerhöchstens mit Blick in den Rückspiegel. Daraus bildete sich eine Bürgerinitiative „Erhalt des Weihnachtsbaumes“ für dieses Jahr.

Ausschlaggebend, dass Bürger um einen Weihnachtsbaum an traditioneller Stelle auf dem Hof an der Hauptstraße kämpfen, war eine Antwort von Bürgermeister Michael Köhler im Gemeinderat zu diesem aktuellen Thema. Ratsmitglied Rüdeger Eser (SPD) fragte zum Abschluss der öffentlichen Sitzung, ob der Weihnachtsbaum so wie im vergangenen Jahr bleibt. Woraufhin, so sagte Eser auf RHEINPFALZ-Nachfrage, dies Köhler klar bejaht habe. Köhler habe informiert, dass der Baum auf dem Privatgelände mit fünf weiteren Lichtersträngen verstärkt werde, die eine Firma aus dem Nachbarort noch zusätzlich anbringen werde, so dass er nun rundum leuchte.

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Was den SPD-Fraktionssprecher umtreibt, ist die Tatsache, dass im vergangenen Jahr nicht über eine Baumaufstellung gesprochen wurde, weil man allgemein von der bisher gepflegten Handhabung ausging. „Die Aktion, dass ein Privatbaum auf privaten Grundstück als gemeindlicher Weihnachtsbaum dienen soll, wurde weder im Rat besprochen, noch beschlossen,“ ärgert sich Eser. Dass nun diese Vorgehensweise mit der erneuten Begründung auf Nachhaltigkeit eine Wiederauflage erfahren soll, findet er „einfach lächerlich“, so Eser.

Danach breitete sich Unmut aus. Mittels eines Informationsblattes ging eine Liste durchs Dorf. Die Unterschriftenliste zeigte am Donnerstagabend 178 Befürworter für den Weihnachtsbaum an alter Stelle. Die Stimmen kamen in nur wenigen Tagen zusammen. „Ich habe mich gefragt, wieso kein Weihnachtsbaum aufgestellt ist,“ erzählt eine 80-jährige Bürgerin. Sie habe sich bei ihrer Nachbarin erkundigt und diese habe von ihrem Anwesen auf den Weihnachtsbaum in einem Eck gezeigt, so die der Redaktion namentlich bekannte Frau. „Der bisherige Weihnachtsbaum war von weithin sichtbar. Wenn man zum Dorf hereinfuhr, begrüßte er einem schon. Und am späten Abend glaubte ich noch, seine Lichtwärme zu spüren, wenn ich aus dem Fenster hochschaute zum Baum auf dem Hof,“ schildert sie ihre positiven Eindrücke. Nein, sie habe absolut kein Verständnis, dass der Baum nun nicht mehr an seinem traditionellen Platz stehen soll.

Nachhaltigkeit als Begründung lässt BI nicht gelten

Die Bürgerinitiative argumentiert unter anderem damit, dass das Gelände zur Baumaufrichtung bisher gemeindliches Terrain mit entsprechender Vorrichtung zur Stromkoppelung mit den Straßenlaternen gewesen sei. Auch erinnerte man an den Dorfnachwuchs, der den Weihnachtsbaum mit Wunschzetteln und selbstgebastelten Weihnachtsartikeln schmückte.

Den Aspekt der Nachhaltigkeit – so begründete die Gemeinde das Vorgehen bereits im vergangenen Jahr – lässt die Bürgerinitiative nicht gelten. Sie verweist einerseits auf die teils rabiaten Einschnitte beim Baumfällen im Wald mit Einsatz von Harvestern. Auch die Aussage, dass kaum noch stattliche Tannen im Wald zu finden seien, sei absolut unglaubwürdig, argumentiert die BI. Außerdem stellt sie die Frage, ob alle anderen Gemeinden rundum sich nicht nachhaltig verhalten, nur weil sie einmal im Jahr einen stattlichen Weihnachtsbaum zur Freude der Bürger aufstellen.

Bürgermeister Michael Köhler nimmt die Unterschriftenliste von Monika Schnellbacher, Klaus-Peter Reeber und Nicole Neuberger ent
Bürgermeister Michael Köhler nimmt die Unterschriftenliste von Monika Schnellbacher, Klaus-Peter Reeber und Nicole Neuberger entgegen (von links).

Zur Übergabe der Unterschriftenlisten erschienen Klaus-Peter Reeber, Nicole Neuberger und Monika Schnellbacher. Michael Köhler zeigte sich überrascht über die Zahl der Baumbefürworter und verwies erneut auf die Nachhaltigkeit. Auch hätten die Gemeindearbeiter keinen geeigneten Baum finden können; ebenso befand er die Lösung vom letzten Jahr als gut, verteidigte sich der Ortsbürgermeister. Und was geschieht nun mit den Listen? Köhler: „Ich werde mit der Gemeindeführung dies besprechen. Wir werden sehen, ob wir einen Baum für die Aufstellung auf dem Hof bekommen. Bürger, die einen Baum anzubieten haben, können sich bei mir melden,“ sagt Köhler.

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