Rieschweiler-Mühlbach
Wie drei harmlose Bankräuber neue Wanderstrecken ums Dorf entdeckten
Es begann mit einer morschen Ruhebank, die Mitgliedern des Heimatvereins in Rieschweiler-Mühlbach ein Dorn im Auge war. Kurzerhand wurde angepackt, die Bank instand gesetzt. Aber damit nicht genug. Was einmal klappt, klappte auch zweimal. Und dreimal. Mittlerweile hat es fast 70-mal geklappt: Das Team hat Bänke an 66 Standorten überarbeitet. Und ist noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen.
Mit einer kaputten Bank fing es an
Es sei eigentlich „eine ganz harmlose Sache“ gewesen, berichtet Gabriele Poller, die Kulturwartin des Heimatvereins. „Die Männer haben angefangen, Bänke zu reparieren.“ „Die Männer“, das sind Willi Stauch und Klaus Burkhardt. Die erste Bank am Weg zum Sportgelände von Rot-Weiß Höhmühlbach wurde um den Jahreswechsel herum aufgehübscht. Wenige Tage später folgten die nächsten Bänke, entlang des Radwegs im Ort, erinnert sich Poller. „Dann war der Ehrgeiz geweckt.“ Und ein Name für die Truppe war auch geboren: die Bankräuber. Bankräuber deshalb, weil zur Reparatur die Bänke oder wichtige Teile davon manchmal kurzerhand für einige Tage verschwunden waren – und dann wieder auftauchten: frisch gestrichen und mit neuen Brettern.
Das Bankräuber-Duo Stauch und Burkhardt wuchs schnell auf ein Trio an, Jürgen Poller sei kurzerhand ins Team aufgenommen worden. Er zeichne für die aus Baumstämmen gefertigten Sitzgelegenheiten verantwortlich, die seit einiger Zeit im Programm der Bankräuber sind und bereits einige Rastplätze aufgewertet haben.
Die Männer mussten den Überblick behalten
Um den Überblick zu behalten, welche Bank denn bereits renoviert worden ist, seien Listen geführt worden. Aus Renovierungen und Buchhaltung sei die nächste Idee entstanden: Gedankliche Linien zwischen den Bänken zu ziehen, wie sich die Stellen geschickt ablaufen ließen. „Man bekommt auch einen Überblick, von welchen Stellen aus man schöne Aussichten auf die Ortslage hat.“ Im Laufe der Zeit sei auch die Gemeinde ins Boot geholt worden; einige Bänke stehen nur in der warmen Jahreszeit, werden über Winter von der Gemeinde eingelagert. Bürgermeister Peter Roschy habe das Engagement des Vereins ausdrücklich begrüßt, berichtet Poller. Das Material – Holz und Schrauben etwa – sei durch Spenden finanziert, die Farbe für die Bänke kommt vom Heimatverein.
Aus den zunächst gedanklich gezogenen Linien sind mittlerweile sechs Wandertouren entstanden. Wobei auch hier das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sei, berichtet Poller. „Noch zwei, drei Touren kommen.“ Schließlich fehlten auch noch ein paar Bänke, die noch nicht renoviert sind. 66 Bänke wurden laut der Liste mittlerweile aufpoliert, wobei es bei genauerem Hinsehen deutlich mehr sind: „Wir haben nur die Plätze gezählt, an denen Bänke stehen.“ Die beiden Friedhöfe etwa zählten als jeweils nur ein Standort, auch wenn auf den beiden Arealen weitaus mehr Bänke stehen, erklärt Poller. Zudem gebe es Stellen mit Sitzgruppen, etwa am Wasserbassin am Ende des Hohlwegs im Ortsteil Rieschweiler. Ein Platz, der laut Poller offenbar lange nicht genutzt worden sei – sich mittlerweile aber wieder großer Beliebtheit erfreue.
60 Wanderer kommen zur Bankräuber-Tour
Vor einer Woche lud der Heimatverein rund um die neue Vorsitzende Denise Florl zur ersten Bankräuber-Tour ein. 60 Neugierige folgten der Einladung zur Wanderung, die streng nach Hygiene-Vorgaben abgelaufen sei, berichtet Poller. „Wir sind in Zehnergruppen mit Abstand gelaufen, haben Listen geführt.“ Auch beim abschließenden Picknick sei darauf geachtet worden, Abstandsregeln zu befolgen. Ein zweiter Termin sei zwar noch nicht ins Auge gefasst, eine Wiederholung schließt Poller aber nicht aus.
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