Kreis Südwestpfalz „Wer soll denn sonst krähen?“

CONTWIG.29 Hähne und Hähnchen schickten Züchter aus dem Landkreis Südwestpfalz und dem Saarland gestern beim dritten Hähnekräh-Wettbewerb ins Rennen. Jeder Hahn hatte eine halbe Stunde Zeit, um so oft wie möglich zu krähen. Hahnenmeister August Stadler, Kreisvorsitzender der Geflügelzüchter und stellvertretender Vorsitzender des Rassegeflügelzuchtverein Stambachs, erzählt von dem ungewöhnlichen Wettbewerb.
Im Saarland gibt es das schon länger, da dachte ich, wir sollten das auch mal in Angriff nehmen. Jeder Züchter denkt, sein Hahn kräht am meisten. Der Gewinner bekommt eine Belohnung; eine Flasche Schnaps oder so. Und der nachbarfreundliche Hahn, also der, der am wenigsten kräht, der bekommt auch einen Preis. Nachbarfreundlich ist ein gutes Stichwort. Richten Sie den Wettbewerb im Vereinsheim in Stambach aus, weil es weit weg ist von der Wohnbebauung? Nein. Das ist unser Vereinsheim. Es bietet sich einfach an, weil wir hier die Käfige haben. Der Marktplatz ist keine Alternative? Doch schon, aber das wäre ein riesiger Aufwand. Dann müssten wir die ganze Käfige transportieren, die Toilettenfrage stellt sich, und die Verpflegung funktioniert auch einfacher. Das ist ein Wettbewerb, bei dem nur Tiere mitmachen dürfen? Wer soll denn sonst krähen? Es könnte ja sein, dass ein Züchter das auch kann... Nein, solche haben wir keine dabei. Wie wird bewertet? Die Hähne werden aufgeteilt. Ein Zähler übernimmt zwei oder drei Hähne und macht eine Strichliste, wie oft der jeweilige Hahn in einer halben Stunde kräht. Die Hähne sind eingeteilt in große Hähne, Zwerghähne und in die Kategorie Jugendliche. Heute sind aber keine Jugendlichen dabei. Lautstärke spielt keine Rolle? Nein, sie müssen nur krähen. Es geht um die Häufigkeit, ob die laut oder leise krähen, spielt keine Rolle. Und es gibt tatsächlich keinen, der einen Krähruf nachmachen kann? (lacht) … Es heißt ja Hähne-Wettkrähen und nicht Männer-Wettkrähen. Aber das wäre mal was Neues. So wie beim Hirschröhr-Wettbewerb. Kommt der Gewinner-Hahn, der am meisten kräht, in die Pfanne, und der Nachbar freut sich über die Ruhe? Nein. Es sind ja schon ein paar Zuchthähne dabei. Warum kräht ein Hahn eigentlich? Warum röhrt ein Hirsch? Warum bellt ein Hund? Der Hahn kräht, um die Henne anzulocken und um sein Revier zu verteidigen, um zu zeigen, dass er hier der Chef ist. Kann man das unterscheiden? Nein. Wenn in einem Hof ein Hahn kräht, gibt ein anderer Hahn, der in der Nähe ist, immer Antwort. Damit stecken die Hähne ihr Revier ab. Jetzt stehen 29 Hähne in einer Käfigreihe vor dem Vereinsheim, die müssten ja jetzt eigentlich dauerkrähen? Normalerweise schon, aber die Umgebung ist ihnen fremd. Die waren ein Jahr lang nicht in einem Käfig. Es kann passieren, dass ein Hahn zu Hause gut kräht, aber hier schüchtern ist. Außerdem gibt es ängstliche Hähne und forsche. Hähne braucht man nur, um den Nachwuchs zu produzieren? Ja. Hähne braucht man für den Nachwuchs, und wir machen auch Ausstellungen, in denen die Hähne prämiert werden. Jedes Jahr ist in Stambach Lokalschau mit 200 Tieren. Sie hören sich also das Krähen von Hähnen an. Haben Sie nichts Besseres zu tun? Nein. Das ist unser Hobby. Was sollen wir sonst machen? Das ist doch schön.