Kleinsteinhausen
Wenn’s so gut schmeckt, wie’s aussieht, ... – Helga Freyers kunstvoll gestaltete Backrezepte
Nicht nur Backwaren wie Torten und Plätzchen können kunstvoll verziert werden – auch ihre Rezepte selbst können zu einem Kunstwerk werden. So in dem neuen kalligrafischen Backbuch, das im Juli bei der saarländischen Sommerakademie entstand – diesmal wegen Corona in Homburg, nicht in Blieskastel. Unter dem Motto „Schreibtisch trifft Backbuch“ haben Kalligrafinnen wie Helga Freyer aus Kleinsteinhausen ihre Lieblingsrezepte künstlerisch gestaltet. Das Buch ist der Nachfolger des 2015 erschienenen kalligrafischen Kochbuchs, dessen Erstauflage bereits nach kurzer Zeit vergriffen war, wie Helga Freyer erzählt.
Enthalten sind Backrezepte aus aller Welt und unterschiedlicher Art – von süßem Teegebäck, über Weihnachtsplätzchen, französischen Tartes und Pasteten bis zu herzhaften Kuchen – „die Lieblingsrezepte von uns Teilnehmern“, fasst Freyer zusammen. Oft handelt es sich dabei um alte Familienrezepte, die die Teilnehmerinnen gerne weitergeben möchten. Freyer selbst hat ihre Arbeit in der Akademiewoche unter anderem dem Thema Teatime gewidmet. „Meine älteste Tochter lebt in England“, stellt die 82-Jährige den Bezug zu diesen Backwaren her. So sind beispielsweise die Rezepte für Scones und Shortbread aus ihrer Feder, aber auch das ein oder andere Weihnachtsgebäck ist mit dabei.
In Kleinsteinhausen läuft der Ofen heiß
Seit das Backbuch erschienen ist, läuft Freyers Ofen heiß, doch alle Rezepte des Buchs konnte sie noch nicht ausprobieren. Noch könne sie nicht sagen, welches ihr Lieblingsrezept ist. „Ich habe aber schon zweimal das algerische Mandelgebäck von Brigitte Jenner gemacht, das schmeckt wirklich köstlich“, schwärmt sie.
So unterschiedlich die Rezepte sind, so einzigartig sind sie auch gestaltet: Schrifttypen wie die englische Schreibschrift Anglaise, Fraktur, Bastarda, Minuskel, Unziale oder die humanistische Kursive wechseln sich ebenso ab wie die künstlerische Ausgestaltung der Seiten. „Richtig schwer zu lesen ist das Rezept in Sütterlinschrift“, gesteht Freyer. Zudem hat jede der Kalligrafinnen ihre Rezepte um Zeichnungen, Radierungen, Aquarelle und Fotografien ergänzt. Manche Rezepte enthalten eine separate Auflistung der Zutaten, bei anderen sind diese in den Fließtext eingebettet. Auch wurde mit unterschiedlichen Schreibwerkzeugen gearbeitet: mit Federn, Pinseln, Stempeln und sogenannten Lettering Pens.
Ursprünglich wurden die kalligrafischen Kunstwerke auf Din-A3 angefertigt. Nach dem Ende der Sommerakademie hingen sie für einige Wochen in der Galerie der Stiftung Schriftkultur in Homburg und ergänzten dort Piepers Ausstellung „Kalligrafische Art Culinaire“, heißt es im Vorwort zum Buch. Für den Druck wurden die Werke schließlich verkleinert, ergänzt Freyer.
Mit 96 Seiten ist das Backbuch etwas größer als das Kochbuch. Darin enthalten sind 82 kunstvoll gestaltete Rezepte, Sprüche und kleine Gedichte rund ums Backen von insgesamt 17 Kalligrafinnen. Elf Rezepte stammen aus der Hand von Helga Freyer. Die Künstlerinnen kommen aus der gesamten Pfalz, aus Saarlouis, Sulzbach, Mannheim und Dessau. Nicht alle konnten in diesem Jahr an der Sommerakademie teilnehmen, doch bot ihnen Pieper die Möglichkeit, ihre Lieblingsrezepte dennoch beizusteuern. Den weitesten Weg hatten hier die Rezepte von Hildegard Mohrbach, die dem Vorwort Katharina Piepers zufolge sogar aus Brasilien eingeflogen wurden.
Wie Freyer erzählt, ist sie bereits seit rund 20 Jahren bei den Sommerakademien in Blieskastel mit dabei. „Es macht immer sehr viel Spaß, gemeinsam zu arbeiten. Es ist aber auch ganz schön anstrengend“, blickt sie auf die Woche im Sommer zurück. „Wir haben in der Woche so konzentriert zusammen gearbeitet, da konnte man manchmal sogar eine Stecknadel fallen hören“, schildert sie ihre Erlebnisse.
Über der Arbeit vergessen, den Kaffee zu trinken
Manchmal hätten die Teilnehmer über ihrer Arbeit sogar ganz vergessen, den gekochten Kaffee zu trinken und den mitgebrachten Kuchen zu essen. „Wir waren alle ganz wild aufs Schreiben“, erzählt sie schmunzelnd. Traditionell kümmern sich die Teilnehmer selbst um die Verpflegung. Jeder bringt etwas zu Essen mit, in diesem Jahr hat der selbstgebackene Kuchen in Form des Buchstaben K von Pia Paul nicht nur die künstlerische Arbeit der Teilnehmer versüßt, sein Bild hat es sogar auf die Titelseite des Backbuchs geschafft.
Seit dem Ende der Sommerakademie ist Freyer aber nicht nur oft am Backen. Sie hat bereits ein neues kalligrafisches Projekt in Arbeit: Derzeit bearbeitet sie Indianertexte, die sie mit Radierungen, Zeichnungen oder auch selbst gemachten Fotos von einer Amerikareise kunstvoll gestaltet. Die Corona-Pandemie habe dazu inspiriert, über Themen wie Frieden, Welterhaltung und das Leben nachzudenken. Hierzu gebe es genügend Texte, nicht nur indianischen Ursprungs, sie ist auch in der deutschen Literatur fündig geworden. Was sie mit den fertigen Kunstwerken einmal machen will, weiß sie noch nicht. Doch könnte sie sich vorstellen, diese dann im Kloster Hornbach auszustellen.
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