Hauenstein RHEINPFALZ Plus Artikel Wenn „Hooriche“ und „Rostige Ritter“ locken

Jeden Donnerstag treffen sich im Hauensteiner Pfarrheim Seniorinnen und Senioren zum gemeinsamen Mittagstisch. Die Einrichtung g
Jeden Donnerstag treffen sich im Hauensteiner Pfarrheim Seniorinnen und Senioren zum gemeinsamen Mittagstisch. Die Einrichtung gibt es seit 30 Jahren.

Jeden Donnerstag treffen sich knapp 40 ältere Mitbürger – die Jüngsten sind gerade 70, die Ältesten über 90 Jahre alt – im Hauensteiner Pfarrheim in der Marienstraße. Zum Mittagstisch. Was es damit auf sich hat und warum es am vergangenen Donnerstag eine Überraschung gab…

„Ich freue mich jede Woche auf den Donnerstag“, sagt Veronika Meyerer: „Dann muss ich nicht alleine essen, muss nicht kochen und auch nicht spülen“, fährt die 86-Jährige, die bei Hauensteiner Mittagstisch von allem Anfang an dabei war, fort. „Und wichtig ist mir vor allem auch die Gemeinschaft und die Gesellschaft, die ich hier erleben darf.“ Theo Busch ist ein Jahr älter und kommt regelmäßig mit seinem Nachbarn Karl Reichert ins Pfarrheim. Sie sehen den Mittagstisch ähnlich: „Das ist eine schöne Gemeinschaft, in der jeder willkommen ist und in der man sich einfach wohlfühlt.“

Rund 40 Männer und Frauen waren am Donnerstag ins Pfarrheim gekommen. Für sie hatte Koch Bernd Becker eine Spargelcreme-Suppe als Vorspeise und „Dampnuudle“ mit Wein- und Vanillesoße zubereitet. Die Freude an dem Pfälzer Traditionsgericht – rund 120 Dampfnudeln hatte die Küche vorbereitet – war an den Tischen unübersehbar, die Platten leerten sich zusehends. „Es schmeckt uns hier immer“, sind sich die Gäste an den Tischen einig.

Hausmannskost, nichts Ausgefallenes

Hausmannskost vor allem gibt’s, „gut bürgerlich und nichts Ausgefallenes“, stellt Elke Feith fest, die seit einigen Jahren und in der Nachfolge von Gabriele Wesselmann-Pauly und Marianne Meyerer für den Mittagstisch und die jeweils dienstags offene „Begegnungsstätte“ im Pfarrheim verantwortlich zeichnet. Alle drei Monate wird der Speiseplan erstellt: Die Gäste können Wünsche äußern, die dann von Bernd Becker, seinem „Sous-Chef“ Rainer Weitzel und jeweils zwei Helferinnen umgesetzt werden. Oft sind’s traditionelle Speisen, die zu Hause nicht so oft auf den Tisch kommen: rostige Ritter etwa oder Pichelsteiner, „Hooriche“ oder „Gäälerriewestambes“, der mit Gulasch als „Weiherles“ auf dem Speiseplan steht…

Einen Nachtisch erwartete am Donnerstag niemand. Denn: „Entweder gibt es eine Suppe als Vorspeise oder eben einen Nachtisch“, hieß es an den Tischen. Am Donnerstag gab’s dennoch beides. Denn: Als Platten und Teller geleert waren und man noch zum gemütlichen Plausch beisammensaß, erschienen Pfarrer Ulrich Nothhof und Gemeindereferentin Amanda Baiersdörfer – mit einer Überraschung: einer überdimensionalen Torte, die mit der großen Zahl 30 verziert war. Der Anlass: Den Mittagstisch gibt es nun seit 30 Jahren und mit der Torte als Nachtisch, mit Sekt und Säften und mit Blumen für die Verantwortlichen wurde das Jubiläum noch ein bisschen gefeiert.

Gemeinschaft der Tischgenossen

Es sei ihm wichtig, „allen, die vor und hinter den Kulissen jede Woche die viele Arbeit erledigen“, zu danken, sagte der Pfarrer, der diese Einrichtung der Pfarrei überaus wertschätzt, wie er sagte. „Und diese Wertschätzung für alle, die den Mittagstisch am Laufen halten, ist wichtig“, sagte Karl Meyerer, seit 25 Jahren Gast beim Mittagstisch: „Denn hier fühlt man sich geborgen, aufgehoben, hier begegnet man Kirche“, führte er aus. Und wenn man sich an den Tischen umhörte, der Tenor war so, wie ihn Meyerer beschrieb: Er empfindet die Gemeinschaft der Tischgenossen wie eine „große Familie, in der jeder wichtig ist“. Wenn jemand fehle, mache man sich Sorgen, kümmere sich. „Man ist füreinander da, teilt Freude und Leid. Und das ist in meinen Augen Seelsorge!“

Auch Elke Feith, die Leiterin des Mittagstisches, unterstreicht die Bedeutung der Tischgemeinschaft: „Die Gemeinschaft ist für alle eigentlich wichtiger als der volle Magen“, beschreibt sie ihren Eindruck: „Für viele ist das Treffen im Pfarrheim das einzige Event der Woche, denn viele sind alleine zu Hause. Sie freuen sich auf den Tag.“ Deshalb hätten viele den Mittagstisch während der coronabedingten Pause sehr vermisst. „Nach dem Neustart am 24. März waren auch alle wieder da“, berichtet Feith, der es „Freude macht, den Männern und Frauen eine Freude zu machen.“ Sie betont aber auch: „Ohne die ehrenamtlichen Helfer wäre der Mittagstisch nicht möglich.“ Wenn Hilfe gebraucht wird, „dann springen alle ein. Es ist halt eine schöne Gemeinschaft!“

Mehr zum Thema
x