Hirschthal / Schönau
Weniger als 50 Stimmen: Eine Urne geht auf Reisen
„Wir hatten es gut, wir wussten ja vorher schon, dass wir keine 50 Stimmzettel bekommen“, erzählt Yvonne Darsch, die Hirschthaler Bürgermeisterin. 70 Wahlberechtigte gibt es im Dorf im Dahner Felsenland kurz vor der französischen Grenze. Von ihnen haben 23 vor dem Wahltag per Brief gewählt. Blieben also noch 47 potenzielle Urnenwähler. Von denen finden über den Tag verteilt 34 den Weg ins Wahlbüro in der Hauptstraße.
Der letzte Stimmzettel des Tages fällt kurz vor halb fünf in die Urne, seither sitzen Wahlvorstand und Helfer tatenlos im Saal des ehemaligen Schulhauses. In zwei Schichten zu je vier Helfern wird der Wahltag abgewickelt, einmal sind fünf Helfer da. „Wenn man schon den ganzen Tag hier hockt, sollte man auch auszählen dürfen“, bemerkt einer der Helfer. Die Regelung, dass zur Wahrung des Wahlgeheimnisses bei weniger als 50 abgegebenen Stimmzetteln nicht mehr vor Ort ausgezählt werden darf, stößt hier auf Unverständnis. „Da muss man schon fragen, ob man dann überhaupt noch einen Gemeinderat braucht“, sieht der Helfer die kommunale Selbstverwaltung in Frage gestellt.
Um 18 Uhr schließen die Helfer das Wahllokal, die Wahlscheine werden in einen Umschlag verpackt, der wird versiegelt. Die verschlossene Urne wird in den Kofferraum eines Autos gepackt und geht auf die gut zwei Kilometer lange Reise in den Nachbarort.
Im Gienanthhaus in Schönau warten sie schon. Als die zwei Fahrzeuge aus Hirschthal um 18.15 Uhr eintreffen, schauen Bürgermeister Rudolf van Venrooy und seine Wahlhelfer bereits wartend aus den Fenstern der ersten Etage. In Hirschthal wären sie um diese Zeit mit dem Auszählen der 34 Stimmzettel wohl schon fertig geworden. So rutschen um 18.17 Uhr die 34 Hirschthaler Stimmzettel zu den 108 Schönauern. Von den 350 Wahlberechtigten in Schönau haben 192 per Brief bereits gewählt, 158 hätten noch zur Urne gehen können.
Noch drei andere Urnen, in denen weniger als 50 Stimmzettel liegen, reisen an diesem Abend: die aus Nothweiler werden in Rumbach ausgezählt, die aus Lemberg-Salzwoog in Langmühle und die aus Labach in Knopp.