Kreis Südwestpfalz Weiteres Standbein im Saarland
Der Holzgroßhandel Videre-Alsfasser in St. Wendel hat den Besitzer gewechselt. Seit Monatsbeginn gehört der Standort zur Becher-Firmengruppe, die auch eine Filiale in Blieskastel-Blickweiler betreibt. Alle 20 Mitarbeiter wurden nach Angaben des Wiesbadener Unternehmens übernommen. Ihre Filiale in Saarlouis werde die Holzhandlung jedoch zum Jahresende schließen. Die dort betroffenen Mitarbeiter würden in St. Wendel übernommen.
Der Standort in St. Wendel soll nach Mitteilung der Becher-Gruppe zum Zentrallager ausgebaut werden. Damit verfüge das Unternehmen künftig über vier Zentrallager – die anderen sind in Frankfurt, Köln und Oberhausen – sowie 13 Standorte. „Das Saarland und Rheinland-Pfalz mit dem Standort in Bitburg gehören seit vielen Jahren zu unseren wichtigsten Regionen. Ich freue mich, dass wir jetzt den Standort St. Wendel erwerben und so unsere Präsenz in dieser Region deutlich verstärken können“, sagt der Beiratsvorsitzende Gerhard Becher. St. Wendel mit 21 000 Quadratmetern Fläche und seinen Stärken bei Schnitt- und Konstruktivholz habe einen guten Ruf. Im April habe man das Sortiment erweitert, ergänzt Becher-Geschäftsführer Michael Köngeter. Für die nächsten Monate seien Modernisierungen geplant, vor allem im Ausstellungsbereich. Im Saarland ist die Becher-Gruppe seit 1990 in Blickweiler und seit 2008 in Saarlouis präsent. 2017 sei bundesweit ein Umsatz von 96 Millionen Euro erzielt worden. Zum Kernsortiment der Gruppe mit 400 Mitarbeitern zählen Plattenwerkstoffe, Türen, Bodenbeläge und Terrassendielen. Der Holzhandel in St. Wendel blickt auf eine lebhafte Geschichte zurück. 1938 wurde in Neunkirchen eine Grubenholzhandlung gegründet. Mit dem Wechsel nach St. Wendel schloss sich 1942 der Bau eines Sägewerks an, das überwiegend Buchen- und Nadelschnittholz für den Bergbau und die holzverarbeitende Industrie produzierte. Im Zweiten Weltkrieg galt das Werk als größte Tankholz-Produktionsstätte westlich des Rheins für Lastwagen und Autos mit Holzvergasern. Nachdem das Werk von Bomben getroffen wurde, wurde es nicht wieder aufgebaut. Später wurde das Säge- zugunsten eines Hobelwerkes und einer Leistenfabrik aufgegeben. Die Produktion lief bis zum Verkauf des Geländes 1972. Seither fand der Holzhandel in der Jahnstraße statt. Alsfasser vertrieb im Groß- und Einzelhandel Laub- und Nadelschnittholz, Plattenwerkstoffe, Innentüren, Böden, Laminat, Leimholz und Hobelware sowie Gartenholzprodukte. Der Stammsitz in St. Wendel-Bliesen wurde 2013 und 2014 unter anderem durch eine Lagerhalle und Bürogebäude erweitert. Im Gegenzug schloss das Unternehmen damals den zweiten Standort in St. Wendel. Mit mehr als 50 Mitarbeitern gehörte das Holz-Zentrum Alsfasser nach eigenen Angaben zu den führenden mittelständischen Holzgroßhandelsbetrieben im Saarland, Rheinland-Pfalz und der Benelux-Großregion. Im März 2016 hatte die Erich Alsfasser Holzhandlung einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das Holzzentrum wurde von dem neuen Unternehmen Videre-Alsfasser unter Geschäftsführer Paul Kuhn weitergeführt. Zusätzliche Standorte betreibt Videre-Alsfasser in Remshalden und Abtsgmünd in Baden-Württemberg.