Höheinöd RHEINPFALZ Plus Artikel Was es mit dem Hobby Aquascaping auf sich hat

Aqualounge-Inhaber Jürgen Wuerz beobachtet wie "The Shrimp King", wie Chris Lukhaup ob seines Fachwissens rund um die Garnele in
Aqualounge-Inhaber Jürgen Wuerz beobachtet wie »The Shrimp King«, wie Chris Lukhaup ob seines Fachwissens rund um die Garnele in Fachkreisen genannt wird, eine Landschaft gestaltet, in der sich Garnelen wohl fühlen. Aquascaping nennt sich das.

Aquascaping, die Gestaltung von möglichst makellosen Landschaften im Aquarium, hat in den vergangenen zehn Jahren an Bedeutung gewonnen. Seit fünf Jahren führt der Weg von Aquarienbesitzern aus ganz Deutschland auf die Sickingerhöhe, wenn sie eine Landschaft gestalten wollen. Top-Aquascaper zeigten jetzt, wie Profis das machen und ließen erahnen, dass es nicht ungefährlich ist, ein Garnelen-Spezialist zu werden.

Die Nummernschilder verraten es: Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Saarland, Hessen, natürlich Rheinland-Pfalz und Frankreich sind vertreten. Seit fünf Jahren betreibt Jürgen Würz die Aqualounge in Höheinöd. Zum Geburtstag schenkt er sich und den Aqualounge-Freunden zwei Tage Aquascaping.

Gerade steht Chris Lukhaup am leeren Becken. „The Shrimp King“, wird er in der Szene genannt. Wenn es um Garnelen geht, macht dem Unterwasserprofi, der in Rumänien geboren wurde, in Waiblingen aufgewachsen ist und mittlerweile in Hinterweidenthal beheimatet ist, kaum jemand etwas vor. Auf seinen Tourneen durch die Welt – Lukhaups weitere Leidenschaft gilt neben der Malerei und Fotografie der Rockmusik – hat er den musikalischen Beruf, „wann immer es ging mit dem Hobby Garnelen verbunden“, erzählt er.

Erst mal ein Opfer für den Berggott

Landschaften, in denen sich Garnelen zu Hause fühlen, gestaltet er am liebsten. Er hat Bücher geschrieben, fotografiert, die Welt über und unter Wasser kennengelernt. Während er eine Aquarienlandschaft gestaltet, nimmt er die Gäste mit auf Abenteuerreisen. Nach Hongkong zum Beispiel. Dort habe er eine bestimmte Garnelenart in freier Natur entdecken wollen. Dazu nahm er sich einen ortskundigen Führer mit. Der habe ihm nach einer längeren Tour erst mal gesagt, dass zuerst dem Berggott ein Opfer zu bringen sei. Es brauche dessen Erlaubnis, um die Garnelen besuchen zu dürfen. Nach einer Stunde sei er unruhig geworden und wollte wissen, wo die Garnelen sind. Es ging zurück Richtung Auto. Aber es wurden Garnelen gefunden. „Es ist schon der Hammer, wenn du irgendwo in China bist und plötzlich siehst du die kleinen schwarz-weißen Garnelen in ganz klarem Wasser“, bringt er die Begeisterung für die wirbellosen Bewohner vieler Aquarien zum Ausdruck.

Aquascaping heißt das Gestalten der Unterwasserlandschaft. „Aquascaping hat die Aquaristik komplett verändert“, sagt Matthias Kessel. Tags zuvor hat er mit Roman Ehrhardt in der Aqualounge eine Landschaft in einem Aquarium gestaltet. Die Herangehensweise, „ist bei uns etwas anders als bei Chris“, sagt Kessel.

Ohne Schmiergeld geht nichts

Und doch sind die Grundarbeiten gleich. Es fängt mit dem Boden an. Hardscape wird die Gestaltungsgrundlage genannt. „Ich verwende am liebsten Soil“, sagt Lukhaup und lässt, während er Soil einbringt, noch Geschichten von Garnelensuchen in Papua oder Brasilien einfließen. Da muss schon mal alle 30 Minuten Schmiergeld bezahlt werden, um auf heiligem Boden Garnelen beobachten zu können, wird auch schon mal scharf geschossen. Langweilig ist das Leben als Garnelen-Experte offensichtlich nicht. Die Experten trifft man immer wieder in der Aqualounge. Gute Geschichte, „gehören neben der Beratung immer dazu“, verspricht Jürgen Würz.

Aber die Besuche in den ursprünglichen Lebensräumen sind wichtig. Es geht darum, Erkenntnisse zu sammeln, zum Beispiel über den Salzgehalt des Wassers. Nur so lassen sich auch in Deutschland den Garnelen perfekte Lebensbedingungen bieten. Und nur so, „können wir hier auch ausgefallenere Arten züchten“, sagt Lukhaup.

Zudem werde es immer schwieriger Garnelen in ihrem natürlichen Lebensumfeld zu besichtigen. Weil ihr Lebensumfeld immer kleiner wird. „Wir müssen schnell sein“, sagt Lukhaup. Die Palmöl-Industrie zerstöre viele der natürlichen Lebensgrundlagen der Garnelen.

Heizen oder nicht?

Der Garnelen-Fachmann gestaltet, wie seine Aquascaping-Kollegen, Unterwasserlandschaften, die geeignet sind, den Betrachter in diese ursprünglichen Welt zu ziehen. Dass sich rund um die natürlichen Lebensräume der Garnelen und Fische Abenteuer abspielen, lässt sich beim Blick auf manche Unterwasserlandschaft erahnen. Kies und Sand sind weitere mögliche Grundlagen. Dazu Wurzeln und Felsen. All das hat Würz in seiner Aqualounge vorrätig. „Jürgen, was hast du an Wurzeln da“, will Lukhaup wissen. Würz zeigt auf seine Wurzelauswahl: „Such dir was aus.“ Die Wurzel passt zur Größe des Aquariums. Es geht um Tiefenwirkung, um die richtige Beleuchtung, die längst auch auf LED-Technik setzt, und die Frage: heizen oder nicht? An letzterer Frage scheiden sich die Geister. Ich heize nicht“, sagt Lukhaup und will von Würz wissen: „Jürgen verkaufst du Heizer?“ Würz nickt. Für jeden Geschmack das Passende.

Wichtig sei bei der Gestaltung des Aquariums aber auch, „dass ich später die Garnelen sehen will“, sagt Lukhaup. Das ist wichtig, wenn es um das Softscape geht. Unter Softscape verstehen die Spezialisten die Pflanzen. An diesem Tag setzt Lukhaup vor allem auf Moos als Softscape. Nicht zu viele verschiedene Pflanzen ins Aquarium. Darüber herrscht Einigkeit. Weniger ist mehr sorgt für harmonische Unterwasserlandschaften. Die gestaltet auf höchstem Niveau auch Oliver Lindemann. Aus Castrop-Rauxel ist er angereist, um gemeinsam mit Jan Rupprich in Höheinöd eine Unterwasserlandschaft zu gestalten, in der sich, wenn sich alles im gestalteten Becken gesetzt hat, auch Fische wohl fühlen.

Lukhaup bekennt, dass es ihn, wenn er eine Landschaft gestaltet hat, und er ins Aquarium schaut, oft schnell wieder reizt, etwas umzugestalten. „Wir machen das eher nicht. Ein, zwei Jahre bleibt die Landschaft bestehen. Meistens“, sagen Kessel und Ehrhardt schmunzelnd. Aber Aquascaping bedeute im Prinzip einen Garten unter Wasser zu gestalten, „und Gärtner ändern ja bekanntlich immer mal wieder was“, sagen sie.

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