Südwestpfalz
Was dem Förster Sorgen bereitet – und was ihm Hoffnung macht
Beim Thema Waldsterben prägten in den 80er Jahren noch Wörter wie „Sauerer Regen“ oder „Ozonloch“ die Nachrichten. 40 Jahre später sind diese Begriffe in den Hintergrund gerückt. Stattdessen stehen heutzutage Schlagworte wie „Klimakrise“ oder „Dürre“ im Fokus, wenn es um die Situation des deutschen Waldes geht. In den letzten 40 Jahren haben sich laut Florian Kemkes, Leiter des Forstamts Westrich, die Vegetationszeiten verändert: „Die kürzeren und milderen Winter bedeuten, dass die Vegetation viel früher anfängt auszutreiben und die Blätter teilweise bis in den November hängen bleiben. Dies führt zu Problemen in der Bewirtschaftung, weil es viel gefährlicher ist, belaubte Bäume aufgrund des höheren Gewichts zu fällen, da man nicht in die Krone sehen kann. Bei fehlenden Frösten müssen wir genau abwägen, ob die Befahrung durch Maschinen, die bei den Arbeiten dringend benötigt werden, noch geht ohne größere Schäden am Boden zu verursachen, oder ob wir die geplante Holzerntemaßnahme verschieben müssen. Insgesamt ist dadurch die Holzernte im Winter weniger planbarer geworden. Und zunehmende Trockenperioden im Frühjahr lassen frisch angepflanzte Bäume schnell vertrocknen.“
Was bei uns gut ist
Dem Wald gehe es insgesamt schlecht, in unserer Region aber vergleichsweise gut, so Kemkes. „Das liegt vor allem daran, dass wir hier eine gute Baumartenmischung auf der Fläche haben.“ Was dem Wald sehr zusetze, seien Wetterextreme wie lange Trockenphasen, Sturm- oder Starkregenereignisse wie dieses Jahr an Pfingsten. Der Boden könne das Wasser nicht aufnehmen, das dann oberflächlich zu Tal schießt und dabei Hänge mit Baumbestand ausspült. Aber auch nasser Schnee bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt führe oftmals zu Astbruch.
Sind die Bäume erstmals geschwächt, dann seien sie auch anfälliger für Pilzbefall oder Schädlinge. Grundsätzlich gelte das für alle Baumarten. Am bekanntesten sei der Borkenkäfer, der für Schäden an Fichten verantwortlich sei. Nicht weniger ungefährlich sei der Eichenprachtkäfer, der geschwächte Eichenbäume befällt, oder ein Pilz, der früher zu einem großen Eschensterben geführt habe wie einst im Wald Birkhausen.
Waldbrände: Meist ist der Mensch schuld
Rückblickend sei positiv zu bewerten, dass die einst hohen Konzentrationen an Schwermetallen und Schwefeldioxid durch Industriefilteranlagen und Katalysatoren stark zurückgegangen seien – bei Schwefeldioxid bis zu 95 Prozent. Aber die damals geschädigten Bäume hätten sich noch nicht vollständig regeneriert, so Kemkes.
„Das Thema Waldbrände kannte man früher bei uns hauptsächlich aus den Nachrichten, als es mal wieder in Griechenland, Spanien oder Kalifornien gebrannt hatte. Aber mittlerweile ist dieses Thema auch in Deutschland aufgrund der vergangenen trockenen Jahre angekommen. Deshalb arbeiten wir jetzt enger zusammen mit den Feuerwehren an gemeinsamen Übungen, um im Fall der Fälle bestens gerüstet zu sein.“ Und wenn es dann mal brennt, sei meistens der Mensch der Verursacher. Sei es durch achtlos weggeworfene Zigarettenkippen, eine Entzündung durch den heißen Katalysator eines geparkten Wagens auf einer Grasfläche oder einen heiß gelaufenen Mähdrescher auf einem trockenen Feld. Der Waldbrand zwischen Pirmasens und Rodalben vor einem Jahr sei einer der schlimmsten seit langer Zeit gewesen.
„Dafür kämpfen, dass der Wald unordentlich bleibt“
Die Jahre 2018 bis 2020 waren laut Kemkes in jüngster Zeit die mit Abstand trockensten, und sie hätten zu enormen Wasserdefiziten geführt. Doch die vielen Regenfälle im vergangenen Herbst und in diesem Frühjahr hätten dieses Defizit wieder ausgeglichen. Dies gelte für ganz Deutschland mit gewissen regionalen Ausnahmen.
Um den neuen klimatischen Herausforderungen in Zukunft Herr zu werden, setze die Forstwirtschaft zum einen verstärkt auf widerstandsfähigere Mischwaldkulturen. Zum anderen lasse man gezielt Baumkronenteile oder Totholz auf der Fläche liegen, um Nährstoffe in den Boden zurückzuführen und zugleich Lebensraum für Kleinstlebewesen zu schaffen. „Wir müssen oftmals dafür kämpfen, dass der Wald unordentlich bleibt.“ Dies sei auch mit ein Grund, weshalb es keine Lesescheine mehr wie früher gibt, als man noch gegen Gebühr Brennholz mit nach Hause nehmen durfte.
Holzdieb bekommt empfindliche Strafe
Ein weiterer Grund sei, dass viele Wälder im Kommunal- und Staatswald besonders zertifiziert sind, also nachhaltig bewirtschaft würden. Waldflächen dürfe man ausschließlich auf den Rückegassen befahren. Im Bereich Zweibrücken wurden aus diesem Grund Rückepferde eingesetzt.
Um Holzdiebstählen vorzubeugen rät Kemkes, geschlagenes und bezahltes Holz möglichst rasch abzufahren. Nach dem Anbringen eines sogenannten GPS-Trackers habe man in der letzten Zeit einen Holzdieb orten können, der eine empfindliche Strafe aufgebrummt bekam. Für Windkraftanlagen bestehende Waldflächen zu roden, macht für Kemkes nur dann Sinn, wenn der Wald an den dafür vorgesehenen Standorten ohnehin schon geschädigt sei. Beispielsweise auf einem mit Borkenkäfer befallenen Waldstück. Hingegen sei eine 200 Jahre alte Eichen- oder Buchenmischfläche sicherlich nicht geeignet.
Fachkräftemangel und wilder Müll
Wie auch in anderen Bereichen, verzeichne unterdessen auch die Forstwirtschaft einen Fachkräftemangel. „Von den Forstwirten bis hin zu den Förstern herrscht im Moment ein großer Bedarf, da viele Kolleginnen und Kollegen demnächst in Rente gehen“, so Kemkes. Die Anzahl der zu beobachteten wilden Müllablagerungen bereite dem Forstamt Westrich ziemliches Kopfzerbrechen. „Wir müssen erheblichen personellen und finanziellen Aufwand betreiben, um den Müll aus dem Wald zu räumen. Das fängt bei Kleinmengen an und endet bei riesigen Ablagerungen – zum Teil mit gefährlichen Asbest- oder medizinischen Abfällen. Leider bleibt das auf hohem Niveau. Im Jahr 2023 hatten wir nur für die Beseitigung von Müll im Staatswald Kosten von zirka 25.000 Euro. In diesem Jahr liegen wir jetzt schon bei rund 20.000 Euro, was letztendlich die Allgemeinheit zahlt.“ Das Abladen von Grünschnitt im Wald berge ebenfalls Gefahren. „Invasive Pflanzen, die aus fremden Ökosystemen stammen wie beispielsweise das asiatische Springkraut“, nennt Kemkes hierzu ein Beispiel. „Unsere Hauptaufgabe kann es nicht sein, den Müll aus dem Wald zu befördern!“